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LauterbachBei Digitalisierung nachsteuern, aber gleichzeitig beschleunigen

Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen, gleichzeitig müssse in einigen Bereichen nachgebessert werden. Anwendungen wie Videosprechstunde, Apps und die elektronische Patientenakte sollen weiterentwickelt werden.

Digital Health
Maksim Kabakou/stock.adobe.com

Symbolfoto

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach dringt auf mehr Tempo bei digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen, sieht aber auch noch Nachbesserungsbedarf. „Es soll jetzt nicht das Rad neu erfunden werden“, sagte der SPD-Politiker zum Auftakt eines Diskussionsprozesses mit zahlreichen Akteuren am 7. September 2022 in Berlin. „Aber ich glaube, wir müssen in einigen Bereichen nachsteuern, während wir beschleunigen.“ So warne er davor, den Datenschutz gegen die Nutzung der Digitalisierung auszuspielen. Oft seien es Fehler in der Architektur von Anwendungen, die zu Datenschutzproblemen führten.

Lauterbach betonte, es gehe nicht allein um mehr Transparenz und Effizienz. „Sondern wir wollen durch die Digitalisierung auch eine Medizin ermöglichen, die es bisher noch nicht gibt, also eine bessere Qualität.“ Internationales Vorbild hierfür sei Israel, wovon er sich bei einer Reise in der kommenden Woche ein Bild machen wolle. Die Corona-Pandemie habe Impulse für Angebote wie Videosprechstunden gegeben, die nun verstetigt und weiterentwickelt werden müssten, erläuterte Lauterbach. Die Warn-App sei für viele auch ein erster Kontakt zur Digitalisierung im Gesundheitswesen überhaupt gewesen.

Digitale Kern-Anwendung sind beispielsweise elektronische Patientenakten, um die herum sich vieles aufbauen könne. Diese wurden 2021 als freiwilliges Angebot für die 73 Millionen gesetzlich Versicherten gestartet und sollen mehr und mehr Funktionen bekommen. Die Koalition strebt an, dass für die Nutzung das Prinzip „Opt out“ kommen soll. Dabei soll man aktiv widersprechen müssen, nicht aktiv einwilligen. Bei mehreren Digitalprojekten wie etwa auch elektronischen Rezepten kam es zuletzt zu Verzögerungen.

bvitg fordert gezielte Strategie

„Ich baue sehr auf den partizipativen Prozess, gleichzeitig appelliere ich an das BMG, dass die Gesundheits-IT sowohl bei der Erarbeitung eines Zielbildes als auch bei der operativen Umsetzung von Anfang an gleichberechtigt dabei ist. Die Gesundheits-IT will aktiv die Digitalisierung von Gesundheit und Pflege in Deutschland mitgestalten. Das müssen wir auch – denn nur die Hersteller können validiert sagen, ob die praktische Umsetzung der Vorgaben funktioniert“, erklärt dazu Melanie Wendling, Geschäftsführerin des bvitg e.V.

Aber auch andere Faktoren müssten laut bvitg berücksichtigt werden: „Der eklatante Fachkräftemangel betrifft nicht nur Mediziner*innen und Pflegepersonal, sondern auch Softwarentwickler*innen. Diese sind essenziell, um die Fristen und Vorgaben des BMG umzusetzen“, konstatiert Gerrit Schick.

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