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KommentarBerlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Die DMEA steht vor der Tür – und verspricht, in diesem Jahr anders, besonders zu werden. Nach zwei Jahren findet sie endlich wieder als Präsenzveranstaltung vor Ort statt und das in der wichtigen Ausschreibungs- und Implementierungsphase des KHZG. Was wir erwarten können, sollten, vielleicht sogar müssen.

Admir Kulin
m.Doc GmbH

Admir Kulin, Gründer und Geschäftsführer der m.Doc Gmbh, Anbieter für innovative digitale Gesundheitslösungen.

Am 26. April öffnet die DMEA in Berlin ihre Tore. Und in diesem Jahr zum ersten Mal wieder für Besucher vor Ort. Ich persönlich freue mich sehr auf die drei Kongresstage und fahre mit hohen Erwartungen in die Hauptstadt. Dafür gibt es drei Gründe, die ich Ihnen gerne erkläre, damit auch bei Ihnen die Vorfreude (noch etwas höher) steigt:

  1. Digital Health in Deutschland ist international auf dem Radar

Vielleicht haben Sie es in meiner LinkedIn-Kolumne schon gelesen: Ich habe lange überlegt, ob es sich lohnt, für die diesjährige HIMSS nach Orlando zu fliegen. Am Ende war ich froh, die Reise auf mich genommen zu haben, denn ich war positiv überrascht von der Veranstaltung selbst und den vielen zukunftsweisenden Impulsen, die ich aus den zahlreichen Vorträgen und Workshops mitnehmen konnte. Nachhaltig beeindruckt hat mich beispielsweise die Modernisierung des Electronic Medical Records Models, kurz EMRAM – ein Modell, um den Digitalisierungsgrad in Krankenhäusern zu beschreiben.

Die Themen, die die Digital Healthcare Branche dies- und jenseits des Atlantiks umtreiben, sind also sehr ähnlich. Und genau deshalb interessiert man sich in den USA auch sehr für unseren DigitalRadar Krankenhaus, seine ersten Ergebnisse sowie die Ansätze, die wir daraus ableiten. Selbst das KHZG ist den Amerikanern ein Begriff. Und mal ehrlich, wenn ein dermaßen sperriger, urdeutscher Begriff wie Krankenhauszukunftsgesetz in den USA für Aufmerksamkeit sorgt, haben wir hierzulande offensichtlich einiges richtig gemacht.

Insgesamt war die HIMSS gut besucht – noch nicht ganz wie in der Vor-Corona-Zeit, aber nahe dran. Dafür waren die Netzwerkmöglichkeiten, der Erfahrungsaustausch und auch die kontroversen und dennoch konstruktiven Diskussionen genauso wie früher und haben – zumindest ist das meine Wahrnehmung – alle Teilnehmenden immens bereichert. Das ist einer der Gründe, warum ich mich auf die DMEA freue: Wir hinterlassen mit unseren Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitswesen Spuren und sorgen dafür, dass wir international wahrgenommen werden. Das ist aus meiner Sicht eine wichtige Grundlage für den bevorstehenden Kongress in Berlin, weil wir jetzt mit unseren Handlungen darüber entscheiden, welchen Weg wir einschlagen und was wir aus der Option machen, unser internationales Standing wieder auf- und auszubauen.

  1. Nur noch rund 990 Tage bis zum KHZG-Finale

Ein weiterer Grund, warum ich die DMEA in diesem Jahr für besonders wichtig halte, ist der KHZG-Countdown. Wir befinden uns in der wichtigen Ausschreibungs- und Implementierungsphase. Jetzt wird es also ernst! Dabei haben wir den ersten KHZG-Abschnitt weitestgehend virtuell meistern müssen. Das ist uns gut gelungen, keine Frage. Der persönliche Austausch, der nun erstmals mit der DMEA wieder möglich wird, ist jedoch unersetzlich. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ein großer Verfechter von Digitalisierung. Sie ist, und das betone ich immer wieder, jedoch kein Selbstzweck. Zwar können wir dankbar sein, dass es uns digitale Lösungen in den vergangenen zwei Jahren ermöglicht haben, auch in Pandemie-Zeiten nahezu reibungslos weiterarbeiten zu können, den persönlichen Austausch und das direkte Gespräch vollständig ersetzen konnten wir jedoch nicht.

Deshalb glaube ich, dass wir mit der Rückkehr von Präsenzveranstaltungen jetzt noch einmal eine andere Qualität in die Ausschreibungen und Umsetzungen des KHZG bringen werden. Wir entscheiden in den kommenden Wochen, mit wem wir die digitale Zukunft des Gesundheitswesens gemeinsam gestalten wollen und dafür muss eben auch die berühmte Chemie stimmen. Was wir nicht unterschätzen dürfen: Die Umwälzungen, die digitale Lösungen verursachen, sind mitunter groß. Nur wenn es gelingt, diese Umwälzungen mit einem durchdachten Change Management zu begleiten, werden Erfolge schnell sichtbar. Und ein solches Change Management zielt darauf ab, die Belegschaften in den Häusern persönlich abzuholen. Das kann virtuell gelingen, wenn es virtuell gelingen muss. Der persönliche Austausch erleichtert aber auch hier doch einiges.

  1. Die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt

Digitalisierung heißt also immer Transformation und einen solchen Prozess alleine zu durchlaufen, ist meiner Meinung nach naiv. Letztendlich ist jeder für seinen eignen wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Das mag stimmen. Mit Blick auf die Transformation des Gesundheitswesens haben wir jedoch auch eine Gesamtverantwortung. Auch deshalb ist der persönliche Austausch in Berlin Ende April aus meiner Sicht essenziell: Wir können unsere Visionen abgleichen, Gemeinsamkeiten finden und Inspirationen austauschen.

Denn auch das habe ich aus Orlando mitgenommen: Wir können unheimlich viel lernen, wenn wir über den Tellerrand schauen. Wir müssen in Deutschland nicht bei null anfangen, sondern können Erkenntnisse und Fortschritte, die bereits gemacht wurden, direkt nutzen. Auch das unterstreicht die Neuausrichtung des EMRAM in den USA. Wir wären blind, daraus nicht eigene Schlüsse für den DigitalRadar abzuleiten. Denn nur, wenn die KHZG-Gelder zukunftsweisend investiert werden, schaffen wir Mehrwert für Fachkräfte, Patientinnen und Patienten.

Und wenn ich mir die Ausstellerliste der diesjährigen DMEA anschauen, sehe ich, dass ich mit diesen Einschätzungen und Erwartungen nicht alleine bin. Denn die Liste ist lang, länger als jemals zuvor. Es sind kleine und große Anbieter vertreten und der Kongress macht seinem Ruf als Branchentreff mal wieder alle Ehre.

Nun gilt es eigentlich „nur“ noch, diesen zentralen Treff auch gewinnbringend zu nutzen, um die Mammutaufgabe Digitalisierung des Gesundheitswesens auf die richtigen, erfolgreichen Bahnen zu lenken. Ich freue mich drauf und fahre gerne nach Berlin. Sehen wir uns dort?

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