Studie

Deutsches Gesundheitswesen schwach bei Digitalisierung

Rezepte digital übermitteln, Diagnosen per Video stellen, wichtige Daten in elektronischen Patientenakten einstellen. Ist das schon Realität? Inwieweit kommt der digitale Fortschritt beim Patienten an? Eine Studie sagt: Deutschland hinkt schwer hinterher. 

Foto: Pixabay

Bei Patienten in Deutschland kommt der digitale Fortschritt mit seinen Chancen für Gesundheitsversorgung und medizinische Behandlung einer Studie zufolge nicht ausreichend an. Das deutsche Gesundheitswesen landet bei der Digitalisierung in einem internationalen Vergleich abgeschlagen auf Platz 16 von 17 untersuchten Staaten, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

Dabei gebe es seit Jahren schon erfolgreiche digitale Pilotprojekte auf regionaler Ebene: Die Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten oder etwa das Telemonitoring von Menschen mit Herzerkrankungen. Trotzdem hinke Deutschland hinterher, Potenziale würden nicht genutzt.

Andere Gesundheitssysteme seien viel weiter - allen voran Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien. „In diesen Ländern sind digitale Technologien bereits Alltag in Praxen und Kliniken”, heißt es in der Analyse, mit der die Stiftung die Forschungsgesellschaft empirica in Bonn beauftragt hatte. Deutschland tausche derweil noch Informationen auf Papier aus und arbeite an den Grundlagen der digitalen Vernetzung, kritisierte Stiftungsvorstand Brigitte Mohn.

Estland und Dänemark an der Spitze der digitalen Transformation

Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung würden heute kaum noch bestritten, betonten die Studien-Autoren. Die Vernetzung von Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen erhöhten Sicherheit und Effizienz der Behandlung. Noch immer seien aber längst nicht alle Arztpraxen angeschlossen an eine sichere digitale Verbindung, erläuterte Bertelsmann-Experte Timo Thranberend der Deutschen Presse-Agentur.

Schon seit Jahren geplant seien elektronische Patientenakten, mit denen sich etwa gefährliche Wechselwirkungen bei der Einnahme mehrerer Medikamente verhindern ließen. Diese sollten zwar alle Krankenkassen bis 2021 anbieten, für die Umsetzung gebe es aber noch keinen klaren Kompass, sagte Thranberend.

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