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IT-StrategieDigitalumbau bei laufendem Klinikbetrieb

Viele Krankenhäuser sehen sich gezwungen, sich auf die Ablösung ihrer KIS-Systeme vorzubereiten – weil diese Interoperabilitätsstandards nicht erfüllen oder die Hersteller ihren Support in absehbarer Zeit einstellen. Wie können Kliniken diese Herausforderung stemmen?

Monitor im Krankenhaus
Auremar/stock.adobe.com

Symbolfoto

Ein zentrales KIS galt in der Vergangenheit vielfach nicht als die Summe aller informationsverarbeitenden Systeme eines Krankenhauses. Stattdessen wurde das zentrale Enterprise-Resource-Planning-(ERP)-System für Krankenhäuser zum KIS. Darin wurde u.a.das Produktionsplanungs- und -steuerungsystem (PPS) integriert, im Krankenhaus als Klinisches Arbeitsplatzsystem (KAS) bezeichnet.

Vor allem in Universitätskliniken sind zentrale KIS/KAS-Anwendungen zwar das zentrale Dokumentationssystem. Viele Spezialfunktionen werden jedoch von IT-Spezialsystemen bereitgestellt. Dies resultiert aus der hohen Spezialisierung vieler Fachabteilungen und Einrichtungen, die sich in deren Datenmodellen niedergeschlagen hat. Die jeweiligen Module und Applikationen stellen häufig eigenständige klinische Arbeitsplatzsysteme dar, welche unterschiedlich ins KIS integriert sind.

Unüberwindbare Barrieren zwischen den Systemen

Ein Teufelskreis, denn die zahlreichen, auf Spezialdisziplinen ausgerichteten Informationsmodelle führten zu einem sprunghaften Anstieg von Spezialdokumentationssystemen. Der nachvollziehbare Ansatz, medizinische Domänen wie beispielsweise die Gastroenterologie, Kardiologie oder Gefäßchirurgie in separaten IT-Verfahren zu unterstützen, führte aufgrund fehlender Harmonisierung zu unüberwindbaren Datenbarrieren. Aus diesem Grund sind Daten häufig in Portable Document Format (PDF)-Formaten gefangen. Sollen sie in einen anderen Kontext überführt werden, müssen sie mit hohem Aufwand von Hand neu erfasst werden. Die Verwendung nicht kompatibler Datenmodelle zwischen den Systemen erschwert die Situation zusätzlich. Auch wenn der syntaktische Standard, beispielsweise HL7 V2.x, einen strukturierten Datenaustausch grundsätzlich unterstützt, verhindert die Implementierungsart mit einem eingesetzten Sende- und Empfangsprozess eine sinnvolle Nutzung in der Praxis. So wird beispielsweise nur der Empfang von Nachrichten, nicht aber die komplette und fehlerfreie Verarbeitung bestätigt. Eine vollständige und sinnvolle Integration der IT-Fachverfahren in das zentrale KIS ist nicht möglich.

Schrittweiser Umbau am MRI

Beispiel: das Klinikum rechts der Isar (MRI) der Technischen Universität (TU) München. Das MRI nutzt derzeit ein holistisches – also ganzheitliches – KIS: das SAP-Modul IS-H (Industry Solution for Healthcare) in Verbindung mit dem Cerner-Produkt ISH-Med. SAP hat angekündigt, nach 2027 oder spätestens nach 2030 den Support für IS-H einzustellen. Das Support-Ende für ISH-Med ist damit vorprogrammiert. Das MRI muss also handeln. Zum Jahreswechsel 2020/2021 soll am MRI der schrittweise Umstieg auf SAP S/4HANA erfolgen. Im ersten Ausbauschritt werden bestehende Kernelemente des ERP zur Finanzbuchhaltung (Modul FI), zur Materialwirtschaft (Modul MM) und zum Controlling (Modul CO) durch die neuen Module Financial und Logistic unter S/4HANA abgelöst. Eine auf SAP Intermediate Document (iDOC) basierende Schnittstelle zum bestehenden SAP-R3-SD-Modul (Sales and Distribution) soll dabei die Verbindung zum IS-H-Modul sicherstellen. Cerner hat zwar angekündigt, ISH-Med für das KAS bereitzustellen – allerdings ohne Nachfolgeverfahren auf der Plattform SAP S/4HANA. SAP hingegen sichert bereits Neuerungen unter Nutzung des offenen Standards HL7 FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) zu. Diese Spezifikation soll als sogenannte Adapterlösung im neuen S/4HANA die Industrielösung für die Abrechnungsunterstützung im Krankenhausumfeld ablösen.

Diese Zwischenlösung soll am MRI so lange genutzt werden, bis die Entscheidung für ein neues KAS gefallen ist. Die Entscheidung wird nicht einfach, denn viele Branchenexperten bewerten das aktuelle KAS-Angebot als äußerst unbefriedigend. Ein neues Krankenhaus-IT-System sollte neben offenen Gesundheitsstandards im Sinne prozessualer, syntaktischer und semantischer Interoperabilität bereits bei der Datenerfassung und -haltung des Informationsmodells unterstützen. Für die zu entwickelnden zentralen Softwareverfahren stellt diese Anforderung eine große Hürde dar, da die in die Jahre gekommenen Bestandssoftwareverfahren häufig unzulänglich sind: Wenig Ergonomie und die deutlich eingeschränkte oder gar fehlende Option zum interoperablen Datenaustausch erschweren den Alltag. Neben grundlegenden Schwächen sorgt ein Finanzierungsproblem für eine eingeschränkte Weiterentwicklung bzw. schleppende Modernisierung – alles in allem eine sehr schwierige Situation für die Krankenhauskunden.

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