Georg Thieme Verlag KG

Dedalus HealthCare„Wir sind ein Unternehmen im Aufbruch“

Im Gespräch mit kma erzählt Dedalus-Geschäftsführer Winfried Post, warum Umsatz und Ergebnis stark steigen, jetzt massiv in neue Technologien investiert wird und wie das ganze Unternehmen von der neuen Dynamik profitiert.

Winfried Post
Dedalus

Winfried Post ist seit 2020 Geschäftsführer für das DACH-Geschäft von Dedalus.

Herr Post, vor zwei Jahren ist das italienische Health-IT-Unternehmen Dedalus mit der Übernahme der KIS-Sparte von Agfa in den deutschen Health-IT-Markt eingestiegen, mitten in der anlaufenden Corona-Pandemie. Der Kaufpreis betrug damals enorme 975 Millionen Euro. Wie sieht Ihr Fazit der ersten beiden Jahre aus? Hat sich die Akquisition gelohnt?

Ja, auf jeden Fall – auch deshalb, weil sich das gesamte Klima für IT-Investitionen im Gesundheitswesen dramatisch in eine sehr positive Richtung verändert hat. So war das KHZG für uns ebenso eine positive Überraschung wie die durch die Pandemie stark gestiegene Nach- frage nach digitalen Lösungen. Trotz der zahlreichen pandemiebedingten Probleme bei der Umsetzung liegen wir weit über den Erwartungen, die wir vor zwei Jahren hatten.

Wie hat sich der Umsatz von Dedalus im deutschen Markt in den beiden Jahren konkret entwickelt?

Wir haben sowohl organisches wie an- organisches Wachstum. Organisch sind wir im vergangenen Jahr in der DACH- Region um 12,5 Prozent gewachsen. Hinzu kommen einige Akquisitionen. Ohne Einbeziehung der Akquisitionen liegt unser Umsatz in der DACH-Region aktuell bei rund 280 Millionen Euro. Das ist sehr viel.

Entsprechen diese Zahlen den Erwartungen aus der Konzernzentrale in Italien, oder sind sie Ausdruck der Erwartung der Kapitalgesellschaft Ardian, die Mehrheitseigner von Dedalus ist?

Wahrscheinlich von jedem etwas. Aber unser Ziel ist es natürlich, in Zeiten des KHZG deutlich zu wachsen. Unser Wachstum war lange Zeit einstellig, nun ist es „double-digit“.

Wie viel Zeit hat Ihnen Ardian gelassen, um die enorme Kaufsumme zu amortisieren?

2019 lag der Umsatz – damals noch als Teil von Agfa – bei 200 Millionen Euro. Nun liegen wir in der DACH-Region 40 Prozent höher, auch aufgrund des KHZG. Damit liegen wir über den damaligen Erwartungen, weil damals das KHZG natürlich nicht eingepreist war. Niemand ahnte, dass 4,3 Milliarden Euro in den Krankenhausbereich investiert werden würden. Dann wäre der Kaufpreis wahrscheinlich deutlich höher gewesen. Insofern sind die heutigen Aktionäre sehr glücklich über die Entwicklung, wir haben alle Erwartungen ziemlich übererfüllt, sowohl bezüglich des Umsatzes als auch hinsichtlich des Ergebnisses. Und die nächsten Jahre sehen sehr rosig aus.

Auffällig ist, dass Dedalus kontinuierlich dazukauft...

Richtig. Wir haben gerade mit der Care-Bridge GmbH (Entlassmanagement-Portal) die fünfte Akquisition im DACH-Raum in weniger als einem Jahr getätigt, weitere werden eruiert. Besonders stark haben wir uns mit dem Erwerb von OSM und ix.mid im Bereich der Labordiagnostik engagiert. Die Investments, die wir da tätigen können, waren so vorher bei Agfa nicht möglich, das muss man klar sagen.

Wie viele KIS-Systeme von Dedalus sind derzeit in deutschen Krankenhäusern installiert?

Aktuell gewinnen wir in der DACH-Region jedes Jahr um 10 bis 20 neue Krankenhäuser im KIS-Bereich. In Deutschland haben wir 800 KIS-Installationen, rund 41 Prozent aller stationären Fälle in Deutschland werden durch unser KIS „ORBIS“ prozessiert. Von den rund 2800 Krankenhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben rund 2300 mindestens eine unserer Produktplattformen im Einsatz. Das KIS-Geschäft ist nach wie vor sehr wichtig für uns. Aber wir wachsen in vielen Segmenten, beispielsweise im Bereich Business Intelligence. Sehr hoffnungsvoll läuft zudem das Segment der klinischen Analytik mit unserem Produkt Clinalytix, wo die Entwicklung in Richtung künstliche Intelligenz verläuft. Im Bereich Labordiagnostik sind wir in Deutschland Marktführer mit 550 Kliniken. Ferner haben wir 2021 das beste Jahr aller Zeiten in der Spracherkennung gehabt, auch im Bereich PDMS verzeichneten wir eine Verdreifachung des Auftragseingangs.

Wie viel investiert Dedalus in die Produktentwicklung?

Viel, von unseren weltweit 6 700 Beschäftigten arbeiten 2400 in der Entwicklung, davon fast 600 in der DACH-Region. Für einen Nischenmarkt wie die Healthcare-IT ist das sehr viel. Es gibt sehr große Investments in die Entwicklung, es wird investiert wie niemals zuvor. Das sehe ich sehr positiv.

Auf welche Bereiche der Health-IT wird Ihr Unternehmen in der Zukunft einen besonderen Fokus legen?

Künstliche Intelligenz und Cloud-basierte Lösungen sind sehr große Themen für uns. Wir haben vor kurzem das Cloud-basierte PACS „PACS on Web“ von Dobco Medical erworben. Das PACS führen wir mit unserer Plattform DeepUnity zusammen. Für uns ist das ein Schritt in eine neue Technologiedimension. Das sicherlich dominierende Thema wird aus meiner Sicht aber die Datenanalyse von vorhandenen Datenseen (Data Lakes) sein. Das ist die Zukunft, da investieren wir sehr viel.

Sie sagen, dass die Zukunft Plattform- und cloudbasierten Lösungen gehört. Welche Zukunft hat da noch das traditionelle KIS-Geschäft?

Sicherlich wird das KIS-Geschäft weiterhin wachsen, vor allem induziert durch das KHZG. Aber es gibt derzeit einen Verdrängungswettbewerb und eine Konsolidierung im KIS-Segment. Wir können da eine wesentliche Rolle spielen, zumal einige große Kliniken demnächst eine Ausschreibung für ein zukunftsfähiges System starten. Ferner bevorzugen unsere Kunden nach wie vor den holistischen Ansatz, unsere Systeme sind jedoch sehr interoperabel. ORBIS ist ein sehr flexibles System, ORBIS-Kunden können die komplette Entwicklungsplattform bei uns erwerben und eigene Applikationen kreieren.

Bei der Übernahme durch Dedalus sagten Sie, der Konzern wolle in den nächsten Jahren weltweit unter die TOP 3 der Health-IT-Anbieter aufsteigen. Können Sie dieses hohe selbstgesteckte Ziel weiterhin erreichen?

Ja, werden wir, davon bin ich überzeugt. Wir haben in diesem Jahr weltweit über eine Milliarde Dollar Umsatz erwirtschaftet, Dedalus ist auf einem sehr guten Weg. Neben den guten wirtschaftlichen Zahlen ist es aber die generelle Entwicklung, die mich begeistert. Wir sind ein Unternehmen im Aufbruch. Viele neue Teams werden aufgebaut, teilweise haben wir inzwischen an den Entwicklungsstandorten einen Altersdurchschnitt von unter 30. Es macht unglaublichen Spaß, Teil dieser Dynamik zu sein und Dedalus HealthCare in die nächste Dimension zu überführen.

2022. Thieme. All rights reserved.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!