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Health-ITDas Geschäft brummt wie lange nicht

Auf dem KIS-Markt ist es stiller geworden. Nur der Zusammenschluss von i-Solutions mit Meona ließ aufhorchen. Während das reine KIS-Geschäft stagniert, rüsten alle Health-IT-Hersteller derzeit ihre Systeme gewinnbringend mit Detaillösungen im Rahmen des KHZG auf.

KIS-Markt 2022
Thieme Group

Die Anbieter auf dem KIS-Markt 2022

1. Dedalus: Marktführer weiter auf Wachstumskurs

Das italienische Unternehmen ist seit der Übernahme sämtlicher Healthcare- IT-Aktivitäten von Agfa im April 2020 Marktführer im deutschen KIS-Markt, mit einem Marktanteil von 41 Prozent im vergangenen Jahr. Dedalus hatte für die Übernahme der Agfa-Healthcare-Sparte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Brasilien stolze 975 Millionen Euro bezahlt – finanziert vom Hauptanteilseigner Ardian, dem größten Private-Equity-Unternehmen in Europa, das nach eigenen Angaben derzeit ein Anlagevermögen von 125 Milliarden Euro verwaltet. Zwei Jahre nach der Übernahme ist Dedalus weiterhin auf Expansionskurs, man sei ein „Unternehmen im Aufbruch“, wie Dedalus-Deutschlandchef Winfried Post sagt.

Der Health-IT-Konzern mit Hauptsitz in Florenz hat im vergangenen Jahr 20 neue Kunden für sein ORBIS-KIS gewinnen können, insgesamt sind derzeit 800 KIS-Systeme in deutschen Krankenhäusern installiert. Der Umsatz stieg 2021 auf 280 Millionen Euro, ohne Einbeziehung erfolgter Zukäufe, die Dedalus regelmäßig tätigt. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat das Unternehmen fünf andere Firmen übernommen, meistens spezialisierte Unternehmen, etwa in den Bereichen Reha, Laborlogistik und Datenanalyse. Dedalus ist dabei, rund um sein KIS-System ein komplettes Angebotsportfolio für Krankenhäuser aufzubauen. Dazu zählen Geschäftsfelder wie die Business Intelligence oder die klinische Analytik. Im Bereich Labordiagnostik ist Dedalus nach eigenen Angaben mit 550 Kliniken nun Marktführer in Deutschland. Insgesamt ist das Tempo bei Dedalus weiterhin hoch, mit Hilfe von Ardian will das Unternehmen sowohl zum führenden europäischen Heath-IT-Anbieter als auch in die Top 3 der Welt aufsteigen.

2. Compugroup: Aufstieg zur Nummer 2

Die Compugroup Medical SE & Co. KGaA (CGM) ist ein börsennotiertes Unternehmen, die Marktkapitalisierung beträgt rund 2,7 Milliarden Euro (Stand: 21. März 2022). Das weltweit tätige Unternehmen erzielte 2021 einen Umsatz von etwas mehr als einer Milliarde Euro. Der Koblenzer Konzern ist 2020 mit der Übernahme der Cerner KIS-Systeme Medico, Soarian Integrated Care, Selene (Spanien) sowie Soarian Health Archive – gemessen an der Zahl der installierten Systeme – zur Nummer 2 im deutschen KIS-Markt aufgestiegen. Dafür legte CGM die Summe von 203 Millionen Euro auf den Tisch. Das Unternehmen war 2020 in 350 Akut- und rund 500 Rehakliniken mit seinen Produkten vertreten. Ob es 2021 einen Zuwachs im KIS-Segment gegeben hat, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage von kma ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Die KIS-Sparte erzielte 2021 einen Umsatz von 201 Millionen Euro, was einem organischen Umsatzwachstum von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein Hackerangriff vor Weihnachten gegen die Kommunikationssysteme von CGM blieb nach Aussage des Unternehmens ohne finanzielle Folgen. Neben dem ausgebauten KIS-Geschäft ist CGM auch einer der führenden Hersteller von Praxissoftware und als Konnektor-Anbieter ein wichtiger Player beim Aufbau der Telematikinfrastruktur.

3. Cerner: US-Riese wird von Oracle übernommen

Der US-Konzern Cerner zählt seit Jahren zu den Schwergewichten im deutschen KIS-Markt. Nun steht das Unternehmen vor einem markanten Umbruch. Ende 2021 verkündete der US-Softwarekonzern Oracle die Übernahme von Cerner, mit einem Kaufpreis von 28 Milliarden US-Dollar ist es eine der größten Übernahmen in der IT-Geschichte überhaupt. Die Übernahme soll im Lauf dieses Jahres abgeschlossen sein.

Als Marktführer im US-KIS-Markt setzte Cerner im vergangenen Jahr 5,76 Milliarden US-Dollar um, bei einer Marktkapitalisierung von 27,51 Milliarden US-Dollar (Stand: 18. März). Das Unternehmen ist seit 2015 auch im deutschen KIS-Markt aktiv, nach der damals erfolgten Übernahme der Gesundheits-IT-Sparte von Siemens. Mit dem Kauf katapultierte sich Cerner bei Marktanteil und Zahl der installierten KIS-Systeme sofort auf den zweiten Platz hinter dem damaligen Marktführer Agfa.

Der gesättigte deutsche KIS-Markt und die geringen deutschen Investitionen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens führten jedoch dazu, dass der Konzern sich ab 2019 zunächst stärker wieder auf das internationale Geschäft fokussierte und 2020 sein bis dato breit aufgestelltes KIS-Portfolio verkleinerte. Die KIS-Systeme Medico, Soarian Integrated Care und Selene verkaufte Cerner an die Compugroup, geblieben sind in Deutschland ish.med und Soarian Clinicals. Derzeit sind laut Cerner in mehr als 250 deutschen Krankenhäusern KIS-Systeme des Unternehmens im Einsatz.

Die durch die Corona-Pandemie und den Milliardenregen des KHZG ausgelöste verstärkte Digitalisierung leitet nun offenbar einen erneuten Schwenk bei Cerner ein, wie jüngste Aussagen aus der Cerner- Deutschlandzentrale andeuten. Danach gibt es „derzeit bei Cerner keinen internationalen Markt, der höhere Aufmerksamkeit genießt als Deutschland mit seinem Krankenhauszukunftsgesetz“, heißt es aus dem Konzern. Um den Anforderungen des KHZG, der Telematikinfrastruktur und den zukünftigen Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, investiere Cerner daher verstärkt in neues Personal. „Es tut sich einiges bei Cerner. Derzeit haben wir über 40 Stellen allein in Deutschland ausgeschrieben, weitere werden folgen“, so Geschäftsführer Stefan Radatz.

4. Nexus: Kontinuierliches Wachstum

Der IT-Hersteller aus Donaueschingen ist mit seinem KIS Nexus weltweit aktiv. Weltweit sind derzeit knapp 700 KIS-Systeme des börsennotierten Unternehmens im Einsatz, in Deutschland sind es 269 KIS-Installationen. Daneben sind Nexus-Lösungen nach Angaben des Unternehmens in ca. 3600 diagnostischen Fachabteilungen sowie in über 945 Altenpflege- und Rehabilitations-Einrichtungen im Einsatz. Seit vielen Jahren erfreut das Unternehmen seine Anleger mit oft zweistelligen Wachstumszahlen. Auch im vergangenen Jahr verbuchte Nexus ein sattes Umsatzwachstum von 15,5 Prozent (Vorjahr: 10,4) auf insgesamt 188,1 Millionen Euro (Vorjahr: 162,9). Das Unternehmen „profitiert nachhaltig“ von der Förderung auf Digitalisierungsvorhaben durch das KHZG, es habe über alle Fördertatbestände des KHZG „eine deutliche Zunahme der Nachfrage erfahren“. Besonders stark gefragt seien die Bereiche Patientenportal, der komplette weitere Auf- und Ausbau der klinischen Informationssysteme und der gesamten Diagnostik. Doch die IT-Schmiede entwickelt auch das eigene Portfolio weiter und hat sich durch die Übernahme von fünf kleinen Spezial-IT-Anbietern weiter verstärkt. Darunter waren zum Beispiel der Reha-Spezialist ITR Software GmbH sowie dc-systeme Informatik GmbH, ein spezialisierter Anbieter für die digitale Pathologie. In diesem Jahr will Nexus noch stärker auf Standardisierung und Interoperabilität setzen. Das Unternehmen „steht für gelebte Interoperabilität. Unsere offene, plattformbasierte Architektur ermöglicht es unseren Kunden, ihre Systeme einfach zu vernetzten: innerhalb der Klinik und nach außen“, sagt Nexus-CEO Dr. Ingo Behrendt.

5. Meierhofer: Managed Services werden wichtiger

Im deutschen KIS-Markt ist die Meierhofer AG als letztes inhabergeführtes Unternehmen seit Jahren ein Unikat. Wichtigstes Produkt im Portfolio ist das M-KIS, das ursprünglich von Firmenchef Matthias Meierhofer selbst entwickelt wurde. Heute zählen nach eigenen Angaben mehr als 250 Akut-, Reha- und psychiatrische Kliniken aus der DACH-Region zum Kundenkreis. Unklar ist allerdings, ob damit reine KIS-Installationen oder sämtliche Lösungen aus dem Produktportfolio gemeint sind. Der Umsatz betrug nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr 29 Millionen Euro, für 2022 strebt Meierhofer einen Umsatz von 36 Millionen Euro an. Seit 2016 ist Asklepios mit einer Beteiligung von 40 Prozent ein bedeutender Minderheitsgesellschafter an dem Health-IT-Unternehmen. Meierhofer profitiert von der Partnerschaft; so stattet der KIS-Hersteller die sieben Hamburger Krankenhäuser von Asklepios mit M-KIS aus. „Mit dem erfolgreichen Rollout von M-KIS bei den Asklepios Kliniken Hamburg haben wir einen der größten digitalen Cluster Europas aufgebaut. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden wir nun im Rahmen des KHZG auf unsere Kunden übertragen und sie bestmöglich dabei unterstützen, um einmalige Investitionen in nachhaltige Lösungen zu verwandeln“, sagt Firmenchef Matthias Meierhofer. Wie bei anderen KIS-Anbietern lässt das KHZG auch bei Meierhofer die Kassen klingeln. Besonders nachgefragt seien laut dem Münchner Unternehmen Lösungen in den Bereichen digitale Dokumentation, Patientenportale sowie beim Medikationsmanagement. Weiter ausbauen will Meierhofer auch den Bereich „Managed Services“. Das Unternehmen will verstärkt Servicedienstleistungen als Generalunternehmen anbieten, auch in Form von standardisierten „KIS-Blueprints“, für die die Kliniken kein eigenes Personal mehr vorhalten müssten.

6. Telekom: T-Systems kommt nicht zur Ruhe

Die Deutsche Telekom hat mit ihrem Healthcare-Bereich erneut ein bewegtes Jahr hinter sich. Der Bereich Healthcare Solutions gehört zur kriselnden Telekom- Tochter T-Systems, die sich seit 2018 im Umbruch befindet. Wiederholt kam es zu Umstrukturierungen und dem Abbau von Stellen, auch in der Untersparte Healthcare. Insgesamt baute T-Systems in den vergangenen Jahren mehrere Tausend Stellen ab, seit Anfang dieses Jahres kursieren Gerüchte, dass sich die Telekom bis zum Sommer von T-Systems trennen wolle – allerdings ohne den Verkauf der Gesundheitssparte. „Der Bereich Health hat eine hohe strategische Bedeutung für die Telekom“, bekräftigt das Unternehmen auf Anfrage. Dabei stagniert das KIS-Geschäft von Telekom Healthcare seit vielen Jahren. Immerhin wuchs im Jahr 2021 die Zahl der Installationen des Telekom-KIS iMedOne von 240 auf 250. Konkrete Geschäftszahlen für die Untersparte Healthcare nennt die Telekom jedoch nicht, der Umsatz der Muttersparte T-Systems sank im vergangenen Jahr erneut um 3,4 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Bei der Healthcare-Sparte gibt man sich dennoch zuversichtlich. „Wir gehen äußerst optimistisch in das Jahr 2022. Wir sind davon überzeugt, dass die Geschäftsentwicklung im KIS-Bereich signifikant positiv sein wird“, heißt es seitens des Unternehmens. In Bonn will man nun verstärkt auf neue Technologien setzen, vor allem in den Bereichen Cloud und künstlicher Intelligenz, etwa bei der Analyse von IOT-Datenströmen. Einen Coup hat die Telekom jedoch im noch jungen Jahr bereits gelandet. Anfang März verkündete das Unternehmen die Verpflichtung von Dr. Gottfried Ludewig als Senior Vice President T-Systems Health Industry. Ludewig, ehemaliger BMG-Digitalisierungschef unter Jens Spahn, übernimmt ab sofort Gesamtverantwortung für die Gesundheitssparte.

7. i-Solutions: Unter neuem Dach

Für die kleine mittelständische KIS-Schmiede i-Solutions Health mit Sitz in Mannheim war 2021 mal wieder ein bewegtes Jahr. Im Juni 2021 übernahm die schwedische Kapitalgesellschaft Trill Impact sowohl an i-Solutions Health wie auch dem Klinik-IT-Anbieter Meona die Mehrheit der Anteile und führte beide Unternehmen unter der gemeinsamen Dachgesellschaft Mesalvo zusammen. Füri-Solutions, die seit Jahren als Übernahmekandidat in der Branche gegolten hatten, kam der Zusammenschluss zur richtigen Zeit. „Der Zusammenschluss von Meona und i-Solutions Health unter der Dachmarke Mesalvo war strategisch und auch zeitlich genau der richtige Schritt. Mesalvo verfügt über klinische Softwarelösungen mit herausragender Exzellenz, insbesondere die Ärzte und Pflegekräfte finden sich mit unserer Software zu 100 Prozent abgeholt. Mesalvo hat gegenüber dem Wettbewerb inhaltlich deutliche Vorteile“, sagt Dr. Wolrad Rube, Geschäftsführer von i-Solutions Health. Übernahmeangebote durch Konkurrenten schließe man deshalb aus, man plane sogar selbst Zukäufe. Der Zusammenschluss belebte das Geschäft von i-Solutions, die Firma bekam danach Zugänge zu Krankenhäusern, die dem Unternehmen bislang verschlossen waren. „Mesalvo bietet ein sich perfekt ergänzendes Produktportfolio von Experten für Experten. Gemeint ist die klinische Exzellenz der KAS-Produkte von Meona, insbesondere der Medikation und der Kurve“, teilt der KIS-Anbieter mit. Die Umsatzentwicklung ist seit Jahren positiv, der Umsatz wächst jährlich zwischen fünf und zehn Prozent, aktuell rechnet das Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 38,04 Millionen Euro. Auch die Zahl der installierten KIS-Systeme wuchs von 98 (2020) auf 102 im vergangenen Jahr. Für 2022 arbeitet i-Solutions an Portallösungen sowie der Integration der Meona Medikation und der Meona Kurve in das eigene KIS.

8. Philips: Richtungsschwenk

Philips bisherige Versuche, das KIS Tasy in der DACH-Region zu etablieren, kommen weiter nicht voran. Bislang ist Tasy nur im Krankenhaus Düren im Einsatz. Ob der Konzern seine Ankündigung aus dem vergangenen Jahr, Tasy mit einer Großinstallation von fünf weiteren KIS-Systemen in einer Klinikkette zum Einsatz zu bringen, tatsächlich auch umgesetzt hat, ist unklar. Auf Anfrage von kma teilte Philips jedoch mit, dass sich die Zahl der KIS-Installationen „im Vergleich zum Vorjahr im DACH-Markt nicht geändert“ habe. Verantwortlich für die Schwierigkeiten von Tasy ist aus Sicht des Großkonzerns das schwierige Marktumfeld im deutschen KIS-Markt. „Die Bereitschaft der Krankenhäuser, ihr KIS zu wechseln, war in den vergangenen Jahren nicht sehr stark ausgeprägt. Es habe sich gezeigt, dass der Wunsch nach einem komponentenorientierten Ausbau der bestehenden Systeme entlang der Förderkriterien deutlich größer war als nach einem einzelnen KIS-/KAS-System, so das Unternehmen. Auf die veränderte Marktlage in Deutschland und die hohe Nachfrage an Detaillösungen durch das KHZG hat der Konzern reagiert. Tasy werde an diese geänderte Nachfrage angepasst, die strategische Weiterentwicklung des Krankenhausinformationssystems ginge jedoch weiter, das KIS bleibe strategisch wichtig. Allerdings werden nun „die KIS-Kompetenzen dafür genutzt, die individuell geforderten Komponenten intelligent in die Krankenhaus-IT-Landschaft einzufügen“. Zweifel in der Branche, ob Tasy in der deutschen Krankenhauslandschaft wirklich eine Überlebenschance haben wird, weist Philips zurück, man sehe nach wir vor ein gutes Potenzial für KIS-Systeme, wenn diese auf einer zukunftsfähigen Architektur basierten. „Monolithische Systeme werden zunehmend von Lösungen verdrängt werden, die im Zusammenspiel mit anderen Systemen leichter zu orchestrieren sind und den Aufwand für die IT-Leitung überschaubarer machen“, sagt Oliver Schmid, Business Manager Electronic Medical Record (EMR) DACH.

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