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Health-ITDas Geschäft brummt wie lange nicht

5. Meierhofer: Managed Services werden wichtiger

Im deutschen KIS-Markt ist die Meierhofer AG als letztes inhabergeführtes Unternehmen seit Jahren ein Unikat. Wichtigstes Produkt im Portfolio ist das M-KIS, das ursprünglich von Firmenchef Matthias Meierhofer selbst entwickelt wurde. Heute zählen nach eigenen Angaben mehr als 250 Akut-, Reha- und psychiatrische Kliniken aus der DACH-Region zum Kundenkreis. Unklar ist allerdings, ob damit reine KIS-Installationen oder sämtliche Lösungen aus dem Produktportfolio gemeint sind. Der Umsatz betrug nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr 29 Millionen Euro, für 2022 strebt Meierhofer einen Umsatz von 36 Millionen Euro an. Seit 2016 ist Asklepios mit einer Beteiligung von 40 Prozent ein bedeutender Minderheitsgesellschafter an dem Health-IT-Unternehmen. Meierhofer profitiert von der Partnerschaft; so stattet der KIS-Hersteller die sieben Hamburger Krankenhäuser von Asklepios mit M-KIS aus. „Mit dem erfolgreichen Rollout von M-KIS bei den Asklepios Kliniken Hamburg haben wir einen der größten digitalen Cluster Europas aufgebaut. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden wir nun im Rahmen des KHZG auf unsere Kunden übertragen und sie bestmöglich dabei unterstützen, um einmalige Investitionen in nachhaltige Lösungen zu verwandeln“, sagt Firmenchef Matthias Meierhofer. Wie bei anderen KIS-Anbietern lässt das KHZG auch bei Meierhofer die Kassen klingeln. Besonders nachgefragt seien laut dem Münchner Unternehmen Lösungen in den Bereichen digitale Dokumentation, Patientenportale sowie beim Medikationsmanagement. Weiter ausbauen will Meierhofer auch den Bereich „Managed Services“. Das Unternehmen will verstärkt Servicedienstleistungen als Generalunternehmen anbieten, auch in Form von standardisierten „KIS-Blueprints“, für die die Kliniken kein eigenes Personal mehr vorhalten müssten.

6. Telekom: T-Systems kommt nicht zur Ruhe

Die Deutsche Telekom hat mit ihrem Healthcare-Bereich erneut ein bewegtes Jahr hinter sich. Der Bereich Healthcare Solutions gehört zur kriselnden Telekom- Tochter T-Systems, die sich seit 2018 im Umbruch befindet. Wiederholt kam es zu Umstrukturierungen und dem Abbau von Stellen, auch in der Untersparte Healthcare. Insgesamt baute T-Systems in den vergangenen Jahren mehrere Tausend Stellen ab, seit Anfang dieses Jahres kursieren Gerüchte, dass sich die Telekom bis zum Sommer von T-Systems trennen wolle – allerdings ohne den Verkauf der Gesundheitssparte. „Der Bereich Health hat eine hohe strategische Bedeutung für die Telekom“, bekräftigt das Unternehmen auf Anfrage. Dabei stagniert das KIS-Geschäft von Telekom Healthcare seit vielen Jahren. Immerhin wuchs im Jahr 2021 die Zahl der Installationen des Telekom-KIS iMedOne von 240 auf 250. Konkrete Geschäftszahlen für die Untersparte Healthcare nennt die Telekom jedoch nicht, der Umsatz der Muttersparte T-Systems sank im vergangenen Jahr erneut um 3,4 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Bei der Healthcare-Sparte gibt man sich dennoch zuversichtlich. „Wir gehen äußerst optimistisch in das Jahr 2022. Wir sind davon überzeugt, dass die Geschäftsentwicklung im KIS-Bereich signifikant positiv sein wird“, heißt es seitens des Unternehmens. In Bonn will man nun verstärkt auf neue Technologien setzen, vor allem in den Bereichen Cloud und künstlicher Intelligenz, etwa bei der Analyse von IOT-Datenströmen. Einen Coup hat die Telekom jedoch im noch jungen Jahr bereits gelandet. Anfang März verkündete das Unternehmen die Verpflichtung von Dr. Gottfried Ludewig als Senior Vice President T-Systems Health Industry. Ludewig, ehemaliger BMG-Digitalisierungschef unter Jens Spahn, übernimmt ab sofort Gesamtverantwortung für die Gesundheitssparte.

7. i-Solutions: Unter neuem Dach

Für die kleine mittelständische KIS-Schmiede i-Solutions Health mit Sitz in Mannheim war 2021 mal wieder ein bewegtes Jahr. Im Juni 2021 übernahm die schwedische Kapitalgesellschaft Trill Impact sowohl an i-Solutions Health wie auch dem Klinik-IT-Anbieter Meona die Mehrheit der Anteile und führte beide Unternehmen unter der gemeinsamen Dachgesellschaft Mesalvo zusammen. Füri-Solutions, die seit Jahren als Übernahmekandidat in der Branche gegolten hatten, kam der Zusammenschluss zur richtigen Zeit. „Der Zusammenschluss von Meona und i-Solutions Health unter der Dachmarke Mesalvo war strategisch und auch zeitlich genau der richtige Schritt. Mesalvo verfügt über klinische Softwarelösungen mit herausragender Exzellenz, insbesondere die Ärzte und Pflegekräfte finden sich mit unserer Software zu 100 Prozent abgeholt. Mesalvo hat gegenüber dem Wettbewerb inhaltlich deutliche Vorteile“, sagt Dr. Wolrad Rube, Geschäftsführer von i-Solutions Health. Übernahmeangebote durch Konkurrenten schließe man deshalb aus, man plane sogar selbst Zukäufe. Der Zusammenschluss belebte das Geschäft von i-Solutions, die Firma bekam danach Zugänge zu Krankenhäusern, die dem Unternehmen bislang verschlossen waren. „Mesalvo bietet ein sich perfekt ergänzendes Produktportfolio von Experten für Experten. Gemeint ist die klinische Exzellenz der KAS-Produkte von Meona, insbesondere der Medikation und der Kurve“, teilt der KIS-Anbieter mit. Die Umsatzentwicklung ist seit Jahren positiv, der Umsatz wächst jährlich zwischen fünf und zehn Prozent, aktuell rechnet das Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 38,04 Millionen Euro. Auch die Zahl der installierten KIS-Systeme wuchs von 98 (2020) auf 102 im vergangenen Jahr. Für 2022 arbeitet i-Solutions an Portallösungen sowie der Integration der Meona Medikation und der Meona Kurve in das eigene KIS.

8. Philips: Richtungsschwenk

Philips bisherige Versuche, das KIS Tasy in der DACH-Region zu etablieren, kommen weiter nicht voran. Bislang ist Tasy nur im Krankenhaus Düren im Einsatz. Ob der Konzern seine Ankündigung aus dem vergangenen Jahr, Tasy mit einer Großinstallation von fünf weiteren KIS-Systemen in einer Klinikkette zum Einsatz zu bringen, tatsächlich auch umgesetzt hat, ist unklar. Auf Anfrage von kma teilte Philips jedoch mit, dass sich die Zahl der KIS-Installationen „im Vergleich zum Vorjahr im DACH-Markt nicht geändert“ habe. Verantwortlich für die Schwierigkeiten von Tasy ist aus Sicht des Großkonzerns das schwierige Marktumfeld im deutschen KIS-Markt. „Die Bereitschaft der Krankenhäuser, ihr KIS zu wechseln, war in den vergangenen Jahren nicht sehr stark ausgeprägt. Es habe sich gezeigt, dass der Wunsch nach einem komponentenorientierten Ausbau der bestehenden Systeme entlang der Förderkriterien deutlich größer war als nach einem einzelnen KIS-/KAS-System, so das Unternehmen. Auf die veränderte Marktlage in Deutschland und die hohe Nachfrage an Detaillösungen durch das KHZG hat der Konzern reagiert. Tasy werde an diese geänderte Nachfrage angepasst, die strategische Weiterentwicklung des Krankenhausinformationssystems ginge jedoch weiter, das KIS bleibe strategisch wichtig. Allerdings werden nun „die KIS-Kompetenzen dafür genutzt, die individuell geforderten Komponenten intelligent in die Krankenhaus-IT-Landschaft einzufügen“. Zweifel in der Branche, ob Tasy in der deutschen Krankenhauslandschaft wirklich eine Überlebenschance haben wird, weist Philips zurück, man sehe nach wir vor ein gutes Potenzial für KIS-Systeme, wenn diese auf einer zukunftsfähigen Architektur basierten. „Monolithische Systeme werden zunehmend von Lösungen verdrängt werden, die im Zusammenspiel mit anderen Systemen leichter zu orchestrieren sind und den Aufwand für die IT-Leitung überschaubarer machen“, sagt Oliver Schmid, Business Manager Electronic Medical Record (EMR) DACH.

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