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Holpriger Klinik-Start„Langsam setzt ein Verständnis für Telemedizin ein“

Die elektronische Behandlung von Patienten findet noch kaum Verwendung im Klinik-Umfeld, hat durch die Corona-Pandemie jedoch einen kleinen Impuls erhalten. Im Gespräch mit kma spricht Dr. Peter Zeggel über die aktuellen Hürden und Vorteile der Digitalisierung in der Behandlung.

Dr. Peter Zeggel
Arztkonsultation ak GmbH
Dr. Peter Zeggel ist Geschäftsführer des Videosprechstunden-Anbieters Arztkonsultation ak GmbH.

Herr Dr. Zeggel, wie häufig wird von der Telemedizin im Klinik-Umfeld Gebrauch gemacht?

Immer öfter. Unikliniken sind schon in verschiedensten Projekten dabei, Telemedizin in Abläufe zu integrieren und auch kleinere Häuser machen sich vermehrt Gedanken über den Einsatz der Telemedizin. Allgemein beobachten wir, dass in den Kliniken gerade ein Umdenken stattfindet. Viele Entscheider sind jetzt auf der Suche nach praxistauglichen Konzepten für mehr Digitalisierung. Ein besonderes Beispiel ist das Uniklinikum Frankfurt, das ein neues Center for Digital Healthcare eingerichtet hat und explizit mit der Planung und Umsetzung einer digitalen Strategie befasst ist.

Erlebt die Telemedizin in Kliniken einen Schub wie in den Praxen während der Pandemie?

In den Praxen war Corona ein extrem wichtiger Türöffner für die Telemedizin. In Kliniken ist die Entwicklung weniger von der Pandemie abhängig. Auch hier zeigt sich aber ein deutlich höheres Interesse gegenüber der Telemedizin. Bis Telemedizin hier im Versorgungsalltag ankommt, dauert es allerdings etwas länger. Immerhin hat Bitkom Research herausgefunden, dass fast acht von zehn Ärztinnen und Ärzten in Kliniken Telemedizin einsetzen wollen, während es in Praxen knapp sechs von zehn sind. In den Kliniken ist die Offenheit für die Telemedizin also noch größer als im ambulanten Bereich.

Liegt das auch am KHZG?

Das KHZG ist sicher ein guter Impuls, insbesondere der neunte Fördertatbestand. Die Mehrheit der 70 größeren Organisationen, die mit uns zusammenarbeiten, tun das aber auch unabhängig vom KHZG. In den Gesprächen merken wir, dass langsam ein Verständnis für die Telemedizin einsetzt – insbesondere dafür, was durch Telemedizin alles möglich wird. Das umfasst Themen wie die Triage, Tumorboards, Telekonsile, Zweitmeinungen, Verlaufskontrollen und viele mehr. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist enorm.

Wenn es an Akzeptanz und Möglichkeiten nicht mangelt, wo liegen dann die Hürden für die Telemedizin in Kliniken?

Telemedizin effizient in Prozesse einzubinden, ist eine große Herausforderung. Außerdem stellt sich die Frage, welche Strategie und welches Ziel damit erreicht werden soll. Gerade im Zusammenhang mit dem KHZG merken Klinik-Entscheider: Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Wenn Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen profitieren sollen, braucht es einen klaren Plan. Es ist einfach, eine Lizenz für eine Software zu kaufen. Es ist eine andere Sache, diese effektiv in eigene Abläufe zu integrieren und in die gelebte Praxis einzuführen.

Weit oben auf der Agenda steht bei Digitalisierungsprojekten oft mehr Patientenzentrierung. Welche Rolle spielt das bei Telemedizin-Projekten?

Patientenzentrierung und Telemedizin gehen Hand in Hand. Trotzdem ist der Begriff Patientenzentrierung mit Vorsicht zu genießen, weil er meist einseitig verstanden wird. Andere Anwendergruppen werden da vergessen. Aber wenn eine digitale Lösung für Ärzte und das medizinische Personal nicht attraktiv ist, dann sind die Erfolgsaussichten schlecht. Das sollten wir im Klinik-Umfeld dringend vermeiden. Wir wollen, dass wirklich alle Beteiligten profitieren, deshalb sollten wir lieber über einen konsequenten Anwenderfokus sprechen. Da zählen Patienten und medizinisches Personal gleichermaßen dazu.

Was können externe Digitalisierungspartner tun, um den Wandel zu begleiten?

Als Technologiepartner können wir Lösungen zunächst einmal so bauen, dass der Anwenderfokus im Zentrum steht. Beispielsweise arbeiten dafür in unserem Team Entwickler und Ärzte eng zusammen. Außerdem gilt es, Sicherheit so zu gestalten, dass eine Software am Ende nicht hermetisch abgeriegelt ist. Dann ist eine Integration in Klinik-Abläufe nämlich schwer. Und nicht zuletzt geht es natürlich noch darum, wie wir auf Anfragen eingehen und flexibel weiterhelfen. Unterstützung bei der Einrichtung und ein hohes Service-Level sind ein absolutes Muss. Als Anbieter können wir also schon ziemlich viel tun, damit die Telemedizin in Kliniken eine Chance hat!

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