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Universitätsklinikum EssenMehr Menschlichkeit und Empathie im Smart Hospital

Professor Dr. Jochen Alfred Werner gilt als „Medical Influencer“ für die digitale Transformation im Gesundheitssektor. Als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender treibt er die Entwicklung des Universitätsklinikums Essen zum „Smart Hospital“ maßgeblich mit an. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei: der Mensch. Wir haben Professor Werner gefragt, wie sich ein Smart Hospital von anderen Kliniken unterscheidet.

Prof. Jochen A. Werner
Uniklinikum Essen

Prof. Jochen A. Werner

Herr Professor Werner, was macht ein Smart Hospital aus?

Prof. Werner: Das Smart Hospital wird vor allem von zwei wesentlichen Eigenschaften gekennzeichnet: Zunächst eine entschlossene, deutlich stärker als aktuell ausgeprägte Fokussierung auf den Menschen im „System Krankenhaus“. Bislang ist der Mensch häufig nicht Subjekt, sondern Objekt einer tradierten Maschinerie, die weniger um ihn und seine Bedürfnisse als vielmehr um sich selbst kreist. Diese Selbstzentrierung will das Smart Hospital aufbrechen, indem Prozesse und Strukturen aus Sicht der Patienten, ihrer Angehörigen und unserer Mitarbeiter betrachtet und optimiert werden.

In der derzeitigen Debatte um das Krankenhaus der Zukunft dreht sich Vieles um das Thema Digitalisierung. Wie passt das zusammen?

Prof. Werner: Dieser humane, empathiegetriebene Ansatz ist kein Widerspruch zur Digitalisierung und dem Einsatz modernster Technologie bis hin zu Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. Vielmehr ist die Digitalisierung Voraussetzung dafür, Menschen zu entlasten und damit in einer zunehmend von wirtschaftlichen Zwängen geprägten Gesundheitswirtschaft auch das ärztliche Ethos wiederzubeleben.

Wie gelingt es Ihnen bei allen gesundheitspolitischen und ökonomischen Zwängen, so klar auf den Menschen zu fokussieren?

Prof. Werner: Um diesen Anspruch gewissermaßen zu institutionalisieren, haben wir Deutschlands erstes ‚Institut für Patienten Erleben‛ gegründet, das eng in die digitalen Umstrukturierungsprozesse am UK-Essen eingebunden ist und zur Aufgabe hat, den Patienten wieder verstärkt in den Fokus der Behandlung im Krankenhaus zu rücken.

Welche Rolle kommt dem Smart Hospital in der Gesundheitsversorgung künftig zu?

Prof. Werner: Das ist der zweite wesentliche Aspekt: Es geht um die Rolle des Smart Hospitals als eine nach allen Seiten informationsoffene Steuerungsplattform im Zentrum des staatlichen Gesundheitssystems. Sie ist eng verzahnt mit allen vor- und nachgelagerten medizinischen Dienstleistungen, also vor allem den niedergelassenen Ärzten, aber auch Rehabilitationseinrichtungen, ambulanten Pflegediensten, Apotheken und allen anderen Stakeholdern des Gesundheitswesens. Nicht die Mauern der Klinik, sondern die Gesundheits- und Krankengeschichte der Patienten definiert dabei den Wirkungskreis.

Also wieder der Mensch im Mittelpunkt.

Prof. Werner: Genau. Und auch dies ist ein Paradigmenwechsel, denn es bedeutet konkret, dass weniger die „Reparaturfunktion“, sondern vielmehr die lebenslange Betreuung im Zentrum der medizinischen Versorgung steht. Von der Zeugung bis hin zum Tod und der anschließenden Trauerbegleitung – das Smart Hospital hat den Anspruch, dem Menschen ganzheitlich und umfassend zu dienen, statt nur in einer durch Krankheit bedingten Ausnahmesituation. Beide Attribute machen den Unterschied zur klassischen Medizin aus und stehen für die Medizin der Zukunft im Rahmendes Smart Hospitals: Die Digitalisierung medizinischer Leistungen, die signifikante Verbesserung der Therapie auf Grundlage einer heute noch unerreichten Diagnosequalität sowie der Austausch mit allen Akteuren des Gesundheitssystems. Vor allem aber ist das Smart Hospital ein Ort persönlicher und warmherziger Zuwendung mit mehr Zeit für die uns anvertrauten Menschen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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