IT-gestützter Aufnahmeprozess

Patientenerleben im Smart Hospital

Die Digitalisierung im Alltag weckt bei Krankenhauspatienten schon heute gewisse Erwartungen. Wie ein durchgehend IT-gestützter Aufnahmeprozess ablaufen könnte, veranschaulicht eine fiktive Schilderung auf der Basis von Äußerungen realer Patienten.

Patientenversorgung

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Symbolfoto

Die sich immer stärker verbreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen verändert Organisationsstrukturen quer durch alle Unternehmen. Umstrukturierungen sind unausweichlich, auch was den Patienten bezogenen Workflow einschließlich der serviceorientierten Prozesse betrifft. Damit treffen zwei Themenbereiche aufeinander, Computertechnologie und Patienten, Technik und Mensch. In der Kenntnis, dass diese Konstellation Erwartungen, aber auch Ängste und Sorgen hervorruft, hat sich der Vorstand der Essener Universitätsmedizin im Jahr 2016 dazu entschieden, sich in der künftigen Ausrichtung noch enger als bisher an den Interessen der Patienten zu orientieren und in diesem Kontext ein Institut für PatientenErleben zu gründen.

Nach der Inbetriebnahme des Instituts erfolgte eine detaillierte Bestandsanalyse und gleichermaßen die Definition von Zielvorstellungen zu den verschiedenen Abschnitten des Patientenerlebens. Was Patienten von einem Smart Hospital erwarten, zeigt eine fiktive Schilderung aus Sicht eines Patienten am Beispiel des Aufnahmeprozesses. Grundlage für diese Projektion waren verschiedene Kommentare von Patienten:„Schon vor meinem Klinik-Aufenthalt stehe ich über das Patientenportal des Krankenhauses im intensiven Dialog und vereinbare meinen Aufnahmetermin über das Service- und Informationscenter. Diverse Formulare sind von mir bereits ausgefüllt.

Die komplette Krankengeschichte in digitaler Form vorhanden

Im Videoportal der Klinik konnte ich mich zu den Örtlichkeiten informieren, ebenso zu meinem Krankheitsbild und den zu erwartenden Behandlungsschritten. Nachdem ich mitgeteilt hatte, dass mich meine Frau zur Aufnahme begleiten wird, wurde ich um Zusendung unseres Autokennzeichens gebeten. Drei Tage später war es soweit, wir fuhren auf das uns zugewiesene Klinikparkhaus zu, unser Kennzeichen wurde gescannt, es folgte die Navigation auf den vorreservierten Parkplatz. Über das Krankenhausinformationssystem erhält die zuständige Abteilung die Nachricht, dass ich angekommen bin und in etwa 15 Minuten eintreffen dürfte. Wäre ich alleine angereist, hätte mich jetzt wohl jemand in Empfang genommen und mir meine Tasche abgenommen, sofern ich sie nicht selbst tragen kann. Dies hätte ich vorab auf dem Feld des Erhebungsbogens vermerken können.

Die kompletten Vorbefunde, meine Krankengeschichte, die Patientenverfügung und der aktuelle Medikationsplan sind im Aufnahmezentrum in digitaler Form vorhanden und wurden vor dem Aufenthalt im Patientenportal der Klinik für das Behandlungsteam freigegeben. Überhaupt habe ich das Gefühl, durch die videogestützten und verständlichen Patienteninformationen und den Dialog im Vorfeld mit den Mitarbeitenden der Klinik, dass wir eine gelungene Warm-up-Phase hatten, wodurch sich meine anfängliche Angst verringert hat. Problemlos erreichen wir nun über die Navigations-App der Klinik den Aufnahmebereich. Die freundlichen Worte, die Ansprache mit Namen und Blickkontakt vermitteln meiner Frau und mir den Eindruck: „Wir sind auf Sie vorbereitet!“

Tabletgestütztes und leitlinienbasiertes Screeningverfahren

Und auch wenn der Anlass ein ernster ist, fühlen wir uns willkommen und gut aufgehoben. Wir werden gebeten, in der Ruhezone Platz zu nehmen, die Räumlichkeit ist licht, aufgeräumt und wirkt beruhigend. Großrahmige Landschaftsbilder, bequeme Sitzgelegenheiten. Es ist unübersehbar, hier haben sich Mitarbeitende, Patienten, Angehörige und Innenarchitekten gemeinsam Gedanken gemacht, damit sich die Besucher und besonders die kranken Menschen wohlfühlen. Heute bin ich noch krank, dennoch verspüre ich das Bedürfnis nach Normalität, dem in diesem Ambiente Rechnung getragen wird.

Während meiner Zeit in der Ruhezone führe ich ein tabletgestütztes und leitlinienbasiertes Screeningverfahren durch, welches mir und dem Behandlungsteam Aufschluss über meine aktuelle psychosoziale Belastung gibt. Die Berechnung des Scores erfolgt durch ein automatisiertes und validiertes Verfahren. Der Screeningbefund wird gleich in meiner elektronischen Patientenakte dokumentiert. Je nach Befund und oder Wunsch können weitere Spezialisten wie Psychologen, Psychoonkologen, Palliativmediziner, Theologen, Fachkrankenpflege oder Mitarbeitende aus dem Sozial- und oder Hospizdienst, hinzugezogen werden. Mein Eindruck: Wenn es notwendig werden sollte, gibt es weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote, die mir bei der Bewältigung einer Lebenskrise angeboten werden. Nun wird mir per Messenger aufs Handy mitgeteilt, dass die für mich zuständige Ärztin in 15 Minuten im Raum 11.2 wartet, der Weg dorthin blinkt in der Navigations-App auf.“

Die geschilderten Abläufe zum Aufnahmeprozess im Smart Hospital sind bereits heute umsetzbar. Die Finanzierbarkeit solcher Veränderungen wird schon seit Jahrzehnten diskutiert. Mit Abwarten und Vertrösten werden sich Patienten künftig jedoch nicht mehr zufrieden geben. Sie orientieren sich schon heute an Institutionen, die ihren Bedürfnissen auch in den nicht unmittelbar diagnostik- und therapiebezogenen Bereichen gerecht werden. Auch diese Wünsche der Patienten und Angehörigen zu erfassen und in der Umsetzung zu begleiten, hat sich das Essener Institut für PatientenErleben zum Ziel gesetzt. Es ist ein Modul auf dem komplexen und steinigen Weg zum Smart Hospital.

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