Knappschaftskrankenhaus Dortmund

Virtual-Reality-Brillen erleichtern die Bauplanung

Das Bauen im Bestand ist immer eine Herausforderung. Die Erweiterung des Herzkatheterlabors am Knappschaftskrankenhaus Dortmund wurde daher mit Hilfe von VR-Brillen virtuell geplant. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.

VR-Brille HTC Vive

Klinikum Westfalen / Alex Philipp, Matthias Wagner

Matthias Wagner beim virtuellen Rundgang durch das Herzkatheterlabor mit der VR-Brille HTC Vive.

Es ist der Traum eines jeden Gamers: Ganz in die dreidimensionalen Computerspielewelten einzutauchen, statt sie nur über einen Monitor betrachten zu können. Die Virtual-Reality-Brillen wie jenen von Facebook, HTC, Samsung oder Sony kommen mit ihrer 360-Grad-Sicht diesem Wunsch schon ziemlich nahe. Auch die Medizin nutzt deren Vorteile bereits, etwa um operative Fertigkeiten zu erlernen oder anatomische Strukturen während der OP besser erfassen zu können.

Die Baubranche ebenfalls, etwa unter dem Stichwort Building Information Modeling (BIM). Für die Anwendung im Klinikbau war sie allerdings bisher noch Neuland. Das haben Matthias Wagner und Alex Philipp aus dem Klinikum Westfalen geändert. Der Referent der Hauptgeschäftsführung und der Krankenhausarchitekt haben die Erweiterung des dritten  Herzkatheter-Labors am Knappschaftskrankenhaus Dortmund-Brackel mit  Hilfe von VR-Brillen virtuell geplant – und zwar gemeinsam mit den späteren Nutzern.

Gefühl für die Raumgröße    

Die steigende Zahl an Patienten führte hier zu einer Vollauslastung der bisherigen Labore. Um den Patienten langen Wartezeiten zu ersparen und den Neuentwicklungen in der Kardiologie gerecht zu werden, hat sich das Klinikum entschlossen, ein drittes Herzkatheter-Labor zu errichten. Das Problem dabei: Das neue Labor musste in einem bereits bestehenden Gebäude untergebracht werden. Um alle Prozesse, Laufwege, Handgriffe und die Implementierung moderner Medizintechnik optimal an die vorgegebenen Räumlichkeiten anzupassen, reichte die bloße Vorstellungskraft nicht aus. Selbst eine Planung mit Hilfe dreidimensionaler Computermodelle wäre angesichts der beengten Verhältnisse hier an ihre Grenzen gestoßen.

„Eine 3D-Visualisierung bringt den Anwendern die Planung zwar schon sehr nahe. Allerdings hat Virtual Reality den Vorteil, dass man damit sogar die einzelnen Laufwege bewerten kann. Man hat auch tatsächlich ein Gefühl für die Raumgröße und für die einzelnen Abmessungen und Abstände, die man auf 3D Plänen oder in der bloßen Ansicht auf einem Blatt Papier nicht hat“, erklärt Alex Philipp. Große Überzeugungsarbeit mussten sie für ihr Vorhaben nicht leisten. „Das Klinikum Westfalen ist in Sachen Digitalisierung und Innovationen sehr aufgeschlossen. Zudem sind VR-Brillen immer mehr im Kommen“, erläutert Wagner. Ein guter Zeitpunkt also, um ein solch ambitioniertes Projekt in Angriff zu nehmen.

„Immerhin bedarf es auch nicht viel, um das ganze umzusetzen: Man braucht eine VR-Brille, die Controller und ein bisschen Infrastruktur, das ist sehr überschaubar“, ergänzt Philipp. Ganz so einfach wie sich das anhört war es allerdings nicht, immerhin bedarf eine VR-Brille – in diesem Fall die HTC Vive – auch einen entsprechenden virtueller Raum, in dem sich die Anwender bewegen können. Die entsprechenden 3D Daten dafür haben der Referent der Hauptgeschäftsführung und der Architekt selbst erstellt. Um die dreidimensionalen Räumlichkeiten für die VR-Brille nutzbar zu machen, haben sie sich mit dem Berliner Startup AV Active zusammengetan, dessen Kerngeschäft solche medialen Sonderlösungen sind und das die Vorstellungen der beiden Projektpartner umgesetzt hat.

Virtuelles Herzkatheterlabor

Daraus ist ein virtuelles Herzkatheterlabor entstanden, das mit mehreren VR-Brillen gleichzeitig begehbar ist – und in dem die Räumlichkeiten und Einrichtungsgegenstände so angeordnet sind, dass die Nutzer darin ihr individuelles „Finetuning“ vornehmen konnten. „Da wir natürlich hochmotiviert waren und auch der Erwartungshaltung von Prof. Dr. Thomas Buck und seinem Team gerecht werden wollten, haben wir das so detailliert wie möglich dargestellt“, so Alex Philipp. Daher haben sie die VR-Räumlichkeit nicht nur darauf beschränkt, sämtliche Einrichtungsgegenstände in ihren exakten Abmessungen maßstabsgetreu abzubilden.

Die Nutzer konnten darin alle beweglichen Gegenstände wie etwa den Labortisch, die Materialwägen, die Deckenversorgungseinheiten, die Schranktüren, die Patientenbetten und sogar die Angiografieanlage tatsächlich bewegen. So konnte jeder Nutzer die späteren  Bewegungsradien seiner Arbeitsprozesse im Labor auf seine Bedürfnisse abstimmen und die räumlichen Strukturen optimal entlang der medizinischen Prozesse gestalten. Selbst die Strahlenschutzkleidung, die das Personal bei Untersuchungen tragen muss, wurde im virtuellen Labor simuliert. Sogar die Farben der Schränke und Böden ließen sich hier bereits auswählen. „Wenn die  Angiografieanlage um den Tisch herumfährt, sehen sie auf dem Monitor übrigens auch ein tatsächliches Bild, was die Anlage dort projizieren würde. Wir haben selbst das Bedienfeld der Anlage mit den richtigen Funktionen  belegt“, erläutert Matthias Wagner stolz.

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