Georg Thieme Verlag KG

KommentarMit der Förderung des KHZG zur digitalen Klinik

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) soll Kliniken in Deutschland die Digitalisierung erleichtern. Doch was ist heute technisch überhaupt schon möglich? Ein Versuch, die digitale Klinik der nahen Zukunft zu beschreiben.

Admir Kulin
m.Doc GmbH

Admir Kulin, Gründer und Geschäftsführer der m.Doc Gmbh, Anbieter für innovative digitale Gesundheitslösungen.

Den Worten unseres Bundesgesundheitsministers Jens Spahn zufolge sind die Erwartungen an das neue Krankenhauszukunftsgesetz ziemlich hoch. Aus seiner Sicht sende die Bundesregierung mit den im Gesetz verankerten Förderungen ein klares Signal: Deutschlands Krankenhäuser sollten stark bleiben! Weiter sagt er: „Wir investieren in ihre [die Krankenhäuser] digitale Zukunft – weil wir gerade in der Pandemie erfahren haben, wie wichtig gut ausgerüstete und funktionierende Krankenhäuser sind.“

Dann lassen Sie uns doch einmal schauen, wie die digitale Zukunft eines beliebigen Krankenhauses mit den heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aussehen könnte:

Da wäre zunächst die Aufnahme, die man sich in einem voll digitalisierten Haus wie den Check-in am Flughafen vorstellen muss. Patienten, die bereits zu Hause digital alle nötigen Unterlagen eingereicht sowie die entsprechenden Formulare ausgefüllt und unterschrieben haben, kommen direkt auf einer „Fast Lane“ auf ihr Zimmer. Vielleicht gibt es noch eine kurze Nachfrage, die bei der Anmeldung geklärt werden muss. Aber im Grunde sind bereits alle wichtigen Informationen zum Patienten, zu seiner bisherigen Krankengeschichte, zu seiner Medikation, zum Eingriff – wenn denn einer geplant ist – und selbst zur Verpflegung während des Aufenthalts geklärt. Über Schnittstellen wurden sämtliche Informationen in das Krankenhausinformationssystem, kurz KIS, übertragen und stehen damit Ärzten und medizinischem Personal zur Verfügung. Das Zimmer konnte entsprechend vorbereitet werden und der Patient fühlt sich vom ersten Moment an optimal versorgt und in guten Händen. Wenn wir ehrlich sind, würden wir es uns genauso wünschen, oder?

Win-Win-Win für Patienten, Personal und Klinik

Eine solch umfassende digitale Patientenaufnahme hat natürlich weitreichende Folgen für die gesamte Krankenhausadministration, die Versorgung sowie die Genesung der Patienten. Denn schon mit den so gewonnenen Daten lassen sich Personal-, OP- und Einkauf ganz anders steuern. Die gesamten Abläufe werden optimiert und insbesondere das Klinikpersonal kann seinen Arbeitsalltag wesentlich effizienter steuern – dann nämlich, wenn sämtliche Patientendaten beispielsweise über ein Tablet jederzeit von überall abgerufen werden können und natürlich immer aktuell sind.

Fragen der Patienten, wann die nächste Visite geplant oder Voruntersuchungen stattfinden, können unmittelbar beantwortet werden. Der Patient muss nicht alles seine Daten immer und immer weder eingeben beziehungsweise Formulare ausfüllen. Ein klassischer Win-Win-Win – für Patienten, Personal und Klinik. Die strukturierten Daten erlauben uns zudem, künstliche Intelligenz und auch Algorithmen ganz anders in die Klinikprozesse zu integrieren. Ärzten und Pflegekräften stehen damit Systeme zur Verfügung, mit deren Hilfe sie noch fundiertere Entscheidungen treffen können. Und selbst ein interdisziplinärer Austausch zwischen Kollegen ist jederzeit in einem gesonderten Chat möglich. Kurz: Der Patient steht im Mittelpunkt und die Fachkräfte können sich ganz gezielt auf seine Behandlung konzentrieren.

Notfallversorgung und Videosprechstunde

So weit, so gut. Allerdings haben wir bisher nur über die geplanten Aufnahmen und Eingriffe gesprochen. Was aber ist mit den Notfällen, die im regulären Klinikbetrieb einen nicht unerheblichen Anteil haben? Auch in diesem wichtigen Bereich bieten die hier und heute zur Verfügung stehenden Technologien ein immenses Potenzial. So können Notarzt und Rettungswagen bereits digital mit der Klinik verbunden werden, in die der Notfall eingeliefert werden soll. Vitaldaten, Blutgruppe und Diagnose werden so in Echtzeit übertragen, sodass bereits während des Transports des Patienten alle wichtigen Schritte für die weitere Behandlung vorbereitet werden können. Außerdem fließen die aus dem RTW übertragen Daten natürlich auch in die Ressourcen-Planung der Klinik mit ein. Ein OP-Plan kann damit entsprechend aktualisiert werden und daraus resultierende Verschiebungen geplanter OPs sind in Echtzeit für alle Beteiligten ersichtlich.

Ein nicht zu unterschätzendes Asset im Zusammenhang mit der Notfallversorgung ist übrigens auch die Videosprechstunde. Spezialisten können darüber direkt in den RTW zugeschaltet werden und den dortigen Kollegen, die in der Regel Generalisten sind, bereits während des Transports zur Seite stehen. Damit werden unter Umständen wertvolle Minuten gewonnen, die gerade in diesem Bereich der Medizin über den Ausgang der Behandlung entscheiden können.

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