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Gesundheitstelematik

Seit 14 Jahren kein Vorankommen

Der Weg zu einer Elektronischen Gesundheitskarte ist steinig und unerfreulich. Seit mittlerweile 14 Jahren wird in Deutschland darum gerungen – mit bislang überschaubarem Ergebnis. Warum gelingt hier nicht, was in Österreich längst funktioniert? Und wie soll es weitergehen? Eine Bestandsaufnahme.

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In Deutschland muss der Patient umfangreich aufgeklärt werden und der Erfassung, Verarbeitung und Aufbewahrung seiner Daten schriftlich zustimmen.

Die Einführung der Gesundheitstele­matikplattform ist für die Leistungserbringer des Gesundheitswesens und die Bürger sicherlich eine große Enttäuschung. Seit 14 Jahren ist diese nicht entscheidend vorangekommen. Gemäß Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) vom 19. November 2003 war ein Start für die Einführung der Gesundheitstelematikinfrastruktur zum1. Januar 2006 geplant. Zur Beschleunigung der Einführung wurde das E-Health-Gesetz im Jahr 2015 verabschiedet. Trotzdem besteht zurzeit die Gefahr, dass die darin enthaltenen Termine nicht eingehalten werden können und 200 000 Ärzte, 2 000 Krankenhäuser, 21 000 Apotheken und 2,3 Millionen weitere Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie 70 Millionen gesetzlich Versicherte auch künftig keine Gesundheitsdaten über das schnelle und sichere Gesundheitsnetz austauschen können.

Im Sommerloch des laufenden Jahres haben Vertreter der Krankenkassen und Ärzteverbände, aber auch Vertreter der Gesellschafter der Gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH deutliche Bedenken wegen der Fortsetzung der Ein­führung der Elek­tronischen Gesundheitskarte geäußert. Ebenso berichteten hochrangige Vertreter von Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen von Plänen, nach denen die Bundesregierung geplant habe, die Elektronische Gesundheits­kartenach der Bundestagswahl für gescheitert zu erklären. Gesundheitsminister Hermann Gröhe hat jedoch diesen Meldungen vehement widersprochen.

Parallellösungen durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Krankenkassen und die Industrie

Da einerseits die Forderungen von Patienten und Leistungserbringern nach mehr Vernetzung im Gesundheitswesen immer lauter werden, andererseits die Gesundheitstelematikinfrastruktur (GTI) der Gematik jedoch immer noch nicht verfügbar ist, werden zunehmend unabgestimmte Parallellösungen durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung, Krankenkassen und die Industrie entwickelt. Der Weg zu einer Elektronischen Gesundheitskarte ist steinig und unerfreulich. Seit mittlerweile 14 Jahren wird in Deutschland darum gerungen – mit bislang überschaubarem Ergebnis. Warum gelingt hier nicht, was in Österreich längst funktioniert? Und wie soll es weitergehen? Eine Bestandsaufnahme. entwickelt. Zu nennen sind insbesondere der Arztbriefversand durch die KV-Telematik und die Entwicklung von Elektronischen Patientenakten durch die Techniker Krankenkasse und die AOK.

Die hohen Anforderungen an den Datenschutz und die IT-Sicherheit haben die Entwicklungen in Deutschland sicherlich verzögert. In Deutschland muss der Patient umfangreich aufgeklärt werden und der Erfassung, Verarbeitung und Aufbewahrung seiner Daten schriftlich zustimmen. Dagegen geht man in Österreich davon aus, dass der Patient grundsätzlich mit der Speicherung und Verarbeitung seiner Daten einverstanden ist. Der österreichische Patient kann sich jedoch gegen eine Speicherung seiner Daten aussprechen bzw. gespeicherte Daten durch Widerruf löschen.

Immer wieder aufwendige Anpassungen

Ein weiterer Punkt ist die deutsche Gründlichkeit insbesondere bezüglich Funktionalität, Technik, Datenschutz und IT-Sicherheit. Auch wurden häufig Konzepte nachgebessert, was die Industrie zu aufwendigen Anpassungen zwang. Ferner kosten die ständigen Weiterentwicklungen der Technik Aufwände für die Anpassungen der existierenden Lösungsansätze.

Des Weiteren wurden zu viele Teilziele neben dem Aufbau eines sicheren Gesundheitsnetzes gleichzeitig angegangen: Patientenstamm- und Versichertendatenmanagement, Speicherung der Notfalldaten, Erstellung eines Medikationsplans, Arztbriefversand, Elektronische Patientenakte, Elektronisches Patientenfach, telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen, Online-Videosprechstunde und Integration mobiler Geräte. Außerdem soll die GTI für zusätzliche bisher nicht vorgesehene kommerzielle und nichtkommerzielle Anwendungen geöffnet werden. Dadurch können Dienste wie z.B. die Authentifizierung, Verschlüsselung, Signierung und der sichere Informationsaustausch von anderen Anwendungen (u. a. auch im Rahmen der Gesundheitsforschung und für wissenschaftliche Zwecke) mitbenutzt werden.

Standards gesucht

Um Daten im Gesundheitswesen effizient austauschen zu können, werden offene und standardisierte Schnittstellen für die stationäre und ambulante Behandlung benötigt. Der Gesetzgeber hat daher die gematik beauftragt, ein öffentliches elektronisches Interoperabilitätsverzeichnis für syntaktische und semantische Standards, Profile und Leitfäden zur Vernetzung der Informationssysteme des Gesundheitswesens aufzubauen. Damit soll Transparenz über vorhandene Standards geschaffen und die Interoperabilität gefördert werden.Anfang Juli 2017 hat vesta, das Interoperabilitätsverzeichnis der gematik, fristgerecht seinen Betrieb aufgenommen. In der ersten Ausbaustufe können Akteure des Gesundheitswesens Anträge zur Aufnahme von IT-Standards stellen.

Die ungekürzte Version des Textes lesen Sie ab dem 20. Dezember hier.

  • Schlagwörter:
  • Elektronischen Gesundheitskarte
  • Gesundheitstelematik
  • Prof. Dr. Paul Schmücker
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