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Vernetzung von KliniksoftwareWie viel Krankenhaus 4.0 ist schon heute möglich?

Das digitalisierte Krankenhaus nur eine ferne Zukunftsvision? Der Geist ist willig, aber das Budget schwach? Stimmt nicht. Vor allem im Sekundär- und Tertiärbereich könnten automatische und integrierte Prozesse schon heute der Standard sein. Die Zukunft hat längst begonnen – und ja, das ist bezahlbar.

Digitalisierung
Iconimage/stock.adobe.com

Symbolfoto

Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. So auch beim Krankenhaus 4.0. Da ist das Bild geprägt von Publikationen und Veranstaltungen, wo lupenreine digitale Kliniklandschaften skizziert werden, in denen alles schön smart, vernetzt und vollautomatisch geschieht. Bei so viel Zukunftsvision fällt es schon mal schwer, die Brücke zurück zur Realität deutscher Krankenhäuser zu schlagen. Und vor lauter digitalen Bäumen vor Augen sieht man dann gar nicht mehr, dass manches hiervon bereits heute praktizierter Alltag sein kann.Sie haben richtig gelesen: praktizierter Alltag. Denn das Krankenhaus 4.0 ist nicht ein Zielort, den wir alle in vielen Jahrzehnten einmal erreichen werden (oder auch nicht).

Es handelt sich vielmehr um einen Prozess – und wir sind längst mittendrin. Setzt man den aktuellen Stand der Technik konsequent in die Tat um, so kann man schon heute einen Klinikbetrieb auf die Beine stellen, der sehr viel smarter ist, als man das mit all den Bäumen vor Augen annehmen würde.

Das „4.0 von heute“ am Beispiel der Sterilgutversorgung

Treten wir also einen Schritt zurück und betrachten uns das zukunftsweisende Krankenhaus am Beispiel von Patient Meier und wie hierbei die primären und sekundären Prozesse ineinandergreifen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

1. Patientendaten im KIS

Patient Meier befindet sich im Krankenhaus. Die Aufnahme der Patientendaten ist erfolgt und das medizinische Fachpersonal erstellt im KIS einen OP-Termin, was Dank einer ORM-Schnittstelle den Startschuss für eine Kette von automatisch generierten Aufträgen darstellt. Im ersten Schritt erhält die AEMP eine Benachrichtigung.

Diese stellt das Instrumentensieb zur Verfügung, welches anschließend als Handling-Unit in einem Transportcontainer untergebracht und für den Transport bereitgestellt wird. Container und Handling-Units sind mit einem Barcode zur eindeutigen Identifizierung versehen und systemisch mit der AEMP verknüpft.

2. Vernetzung mit Sekundärsystemen

Ist das Instrumentensieb fertig für den Transport und der Auftrag seitens der AEMP auf „Abgeschlossen“ gesetzt, so wird im Logistiksystem ein Transportauftrag generiert. Dies geschieht vollautomatisch, ohne Zeitaufwand für das Personal, ohne die Gefahr, vergessen zu werden, ohne Übertragungsfehler und klar definiert. Sprich, der Container kommt garantiert pünktlich dort an, wo er auch ankommen soll.Ein über die Dispositionsautomatik beauftragter Transporteur erhält die Meldung auf seinem Komm-Gerät und macht sich auf den Weg.

Natürlich handelt es sich hierbei nicht um einen zufällig ausgewählten Transporteur, vielmehr um die Person, die aufgrund der aktuellen Tourenbelegung am schnellsten bzw. mit dem geringsten Aufwand die Abholstelle erreicht. Nach einem kurzen Scan des Container-Barcodes, der mit den Codes der hier enthaltenen Handling-Units verheiratet ist, beginnt nun der Transport zum OP. Dort angekommen übergibt der Transporteur den Container an die zuständige Stelle, wiederum setzt ein Scan den Vorgang auf Status „Abgeschlossen.“

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