Studie zur elektronischen Patientenakte

Deutschland bei der ePA-Implementierung auf Platz 10

Die Stiftung Münch hat den Stand der Einführung einer elektronischen Patientenakte (ePA) in Dänemark, Israel und Österreich untersucht und analysiert, wo einzelne Länder bei der Implementierung stehen.

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Im Vergleich von 20 europäischen Ländern steht Deutschland bei der Implementierung der ePA lediglich auf Platz 10, so das Ergebnis der Studie. Die Spitzenplätze besetzen Dänemark, Schweden und Estland. Die Studie der Stiftung Münch belegt, dass in Ländern mit einer gut etablierten ePA eine klare Vorgabe des Gesetzgebers die Basis für die erfolgreiche Einführung war. Damit Deutschland zu den führenden Ländern aufschließen kann, sei laut Studie deshalb eine langfristige, nationale E-Health-Strategie erforderlich und der politische Wille, die Durchführung des Projekts zum Erfolg zu führen. Bei der Umsetzung müssten modulare und pragmatische Ansätze im Vordergrund stehen. In den Entwicklungsprozess müssten außerdem Erfahrungen und Fehler aus anderen Ländern einfließen können. Für den Aufbau flächendeckender Strukturen seien zudem erhebliche Investitionen erforderlich. Ein weiterer wesentlicher Punkt für eine erfolgreiche Umsetzung sei eine Kommunikationsstrategie, die Bürger als auch die Leistungserbringer von den Vorteilen einer ePA überzeugen kann, so die Autoren der Studie. „Die Einführung einer ePA hierzulande ist überfällig“, so Stephan Holzinger, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, „wir verlieren nicht nur weiter den Anschluss im internationalen Vergleich. Viel entscheidender ist es, dass mit ihr ein wesentlicher Hebel zur dringend erforderlichen Verbesserung der Effizienz des deutschen Gesundheitswesens nicht genutzt wird.“ Die Studie wurde im Auftrag der Stiftung Münch vom Institut für Angewandte Versorgungsforschung (inav) unter der Leitung von Professor Volker Amelung durchgeführt. Sie wird im Dezember 2016 als Buch im "medhochzwei"-Verlag erscheinen.

Da in Deutschland derzeit Grundsatzdiskussionen die Entwicklung blockieren, lohnt sich ein Blick auf jene Länder, die bei der Implementierung und Nutzung von ePA im Versorgungsalltag als vorbildlich gelten: In Dänemark existiert bereits seit 20 Jahren eine ePA, unterstützt von Regierung und Bevölkerung. Das Land sei daher ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von top-down und bottom-up Ansätzen, so die Autoren: „Die Regierung gibt der ePA die Marschroute vor, die Systempartner haben jedoch so viel Freiraum, dass sie diese nach ihren Wünschen und Vorstellungen weiter entwickeln können.“ Möglich ist dies, da sich Dänemark bewusst für einen modularen Aufbau und schrittweisen Ausbau der ePA und ihrer Anwendungen entschieden hat. Israel mit seiner weit fortgeschrittenen und entwickelten Digitalisierung verdeutliche laut Studie, wie entscheidend ein starker Wille seitens Versicherer, Leistungsanbieter und Staat für die Implementierung einer erfolgreichen ePA ist. Das Land ist weltweit führend in der Nutzung der ePA über ihre eigentliche Funktionalität hinaus. So werden die großen Datenmengen etwa für die Entwicklung von Vorhersagemodellen genutzt. Auch Österreich, wo ähnliche Diskussionen wie in Deutschland bei der Einführung der dort „ELGA“ genannten ePA stattfanden, sei mittlerweile weiter als Deutschland.

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