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Krankenhaustrend60 Prozent der Bayerischen Kliniken erwarten Defizit

Bayerische Krankenhäuser leiden stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Für 2021 befürchten 61 Prozent der Kliniken ein Dezifit, 2022 könnten 66 Prozent betroffen sein.

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„In bayerischen Krankenhäusern bedrohen die akuten Folgen des über zweijähren Kampfes in der Pandemie die nötigen Weichenstellungen für die Zukunft. Personell und finanziell sei die Kraft verbraucht“, so Landrätin Tamara Bischof, 1. Vorsitzende der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG). „Fast Zweidrittel der bayerischen Kliniken schrieben letztes Jahr rote Zahlen. In 2022 werden es wohl noch mehr sein, wenn die Politik nicht handelt.“ Seit vielen Jahren nimmt die Anzahl der Kliniken, die mit einem Defizit am Jahresende dastehen, konstant zu – lediglich 2020 waren es aufgrund der fairen Ausgleichszahlungen zu Beginn der Pandemie „nur“ 40 Prozent gewesen.

Akutem Fachkräftemangel entgegenwirken

In einem Schwerpunkt des diesjährigen 13. Bayerischen Krankenhaustrends zeigen die Ergebnisse rund um das Krankenhauspersonal, dass die Personalknappheit sich weder kurzfristig noch mit Blick auf die kommenden Jahre vollständig beheben lassen werde. Bei fast 40 Prozent der Kliniken ist die Beschäftigungszahl der Pflegefachpersonen über die letzten beiden Jahre gesunken. Im Durchschnitt fehlen den Häusern 30 Pflegefachpersonen und 8–9 Prozent der freien Stellen sind unbesetzt.

Man wolle die Beschäftigungsbedingungen weiter verbessern. Die Politik und Kostenträger müssten dafür jedoch die Grundlagen verbessern. Man brauche außerdem Lösungen der Zukunft, um mit dem allgemeinen Fachkräftemangel umzugehen, so Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG). Dafür solle es mehr Kooperation, mehr digitale Unterstützung und mehr klinisch-ambulante Versorgungsangebote für Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern geben.

Kliniken benötigen Absicherung bis Lösungsansätze wirken können

Engehausen: „Wir brauchen einen ‚Transformationsprozess Krankenhaus‘, also einen verlässlichen Fahrplan in die Zukunft mit finanzieller Absicherung der Jahresbudgets für die Krankenhäuser. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht mit den ambulant-stationären Hybrid-Fallpauschalen, der Pflegepersonalbemessung „PPR 2.0“ und Vorhalte-Finanzierungen für eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung richtige Ansätze vor. Bis die wirken können und die Umstellung auf mehr klinisch-ambulante Leistungen in Krankenhäusern erfolgt ist, benötigen die Kliniken eine vollständige Absicherung der vereinbarten Jahresbudgets zu 100 Prozent.“

Digitale Transformation vorantreiben

Auch die längst überdringliche Digitalisierung kann einen wichtigen Beitrag für bessere Versorgung und der Bürokratie-Entlastung von Fachkräften leisten. „Nur jede dritte Klinik sieht sich für die künftigen Anforderungen der Digitalisierung und der Telematik-Infrastruktur nach Umsetzung der einmalig über das Krankenhaus-Zukunftsgesetz (KHZG) geförderten Maßnahmen gut gerüstet“, betont Christina Leinhos, Leiterin Digitalisierung der BKG.

Die Klinik-Geschäftsführungen fordern unisono einen kontinuierlichen IT-Betriebskosten-Zuschlag für die Zeit der digitalen Transformation. Dabei sind die bayerischen Kliniken zur Kooperation auch in der IT bereit: 2 von 3 Kliniken wollen ihre IT-Kräfte bündeln.

Klinik-Leitungen befürchten zusätzliche Defizite

Auch die deutlich steigende Inflation in Deutschland macht sich in den Kliniken längst bemerkbar. Der russische Überfall auf die Ukraine tue sein Übriges dazu. Die Krankenhaus-Geschäftsführungen in Bayern erwarten von der Politik, dass sie sämtliche nachgewiesene Kostensteigerungen refinanziert bekommen, insbesondere die Finanzierung der steigenden Energiekosten.

Die sachfremde Begrenzung auf die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen der Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung bedrohe 2022 und die nächsten Jahre die wirtschaftliche Existenz vieler Kliniken, zumal erhöhte Steuerzuschüsse des Staates an die Krankenkassen aufgrund dieses methodischen Fehlers von den Kassen nicht an die Kliniken weitergegeben werden dürfen.

Die Klinik-Leitungen befürchten zusätzliche Defizite, die sowohl von den Trägern ausgeglichen werden müssen (85,7 Prozent). Eine zunehmende Gefahr von Klinikschließungen aus rein wirtschaften Gründen bzw. steigender Druck auf die Belegschaften (jeweils 73 Prozent) bedeuten auch eine Gefährdung der Versorgung (65,9 Prozent). Der Bundesgesetzgeber muss unverzüglich die Möglichkeit schaffen, dass die sprunghaft steigenden Kosten in den Kliniken auch refinanziert werden können.

BKG fordert kurzfristige Umsetzung der Maßnahmen

Auch im Ausblick auf den kommenden zwei bis drei Jahre sehen Bayerns Klinik-Verantwortliche überwiegend dunkle Wolken am Himmel. Nahezu 70 Prozent der bayerischen Krankenhäuser sehen die künftige wirtschaftliche Gesamtsituation negativ.

„Der Bundesgesetzgeber ist aufgerufen, die gestellten Zukunfts-Weichen im Koalitionsvertrag als verlässliche Grundlage für die Kliniken kurzfristig umzusetzen und die Betriebskostenfinanzierung weniger fallabhängig und auskömmlicher für alle bedarfsnotwendigen Krankenhäuser zu machen. Und der Freistaat muss die Investitionsfinanzierung spätestens nach der nächsten Landtagswahl 2023 deutlich erhöhen, um die Klinik-Infrastruktur in Bayern zukunftsfest zu machen“, fasst Landrätin Bischof die Forderungen der BKG zusammen.

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