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Ja oder nein?Diskussion um Personal-Impfpflicht in Kliniken hält an

Die München Klinik, das Klinikum Nürnberg und der Sächsische Pflegerat (SPR) begrüßen die Diskussion um eine Impfflicht für bestimmte Branchen, stehen einer Pflicht für einzelne Berufsgruppen jedoch kritisch gegenüber.

Corona-Impfstoff
Michael Stifter/stock.adobe.com

Symbolfoto

Eine berufsbezogene Impfpflicht für Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen ist aus Sicht des Leiters der München Klinik, Axel Fischer, unvermeidlich geworden. Auch das Klinikum Nürnberg sieht eine mögliche politische Entscheidung zur Impfpflicht positiv. „Das Klinikum Nürnberg kann die Diskussion um eine allgemeine Impfpflicht in bestimmten Branchen - unter anderem im Gesundheitswesen - nachvollziehen und würde eine solche Impfpflicht unterstützen“, sagte eine Sprecherin. Eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen, also etwa nur für das Pflegepersonal, lehne man jedoch ab.

Die vierte Corona-Welle sei die schwerste und bedrohlichste, sagte der Chef der Münchner Kliniken. Dabei gebe es ein Drittel weniger Intensivbetten als im Vorjahr. Hauptgrund sei der Mangel an Pflegekräften. Viele hätten sich von den Corona-Stationen wegversetzen lassen oder seien auf Teilzeit gegangen. „Die Leute sind physisch und psychisch erschöpft“, sagte Fischer. Eine Kündigungswelle durch eine Impfpflicht für Pflegekräfte erwarten weder er noch seine Kollegen in Nürnberg. Die meisten jetzt noch Ungeimpften seien keine strikten Impfgegner.

Auf den Intensivstationen der München Klinik sind nach Fischers Schätzung mehr als 90 Prozent der Pflegekräfte geimpft, auf den anderen Stationen etwas weniger. Auch aus Nürnberg hieß es, die Impfquote sei hoch, auf den Intensivstationen seien nahezu alle Bediensteten geimpft, oft auch schon mit der Booster-Impfung.

Die Politik hätte früher reagieren müssen

Fischer sagte, die Politik habe viel zu spät reagiert, sowohl mit einschränkenden Maßnahmen als auch mit der Booster-Impfung gerade für die Älteren. „Es ist ein Politikerversagen auf der Bundesebene“, sagte der Chef des bundesweit zweitgrößten kommunalen Klinikums. „Uns fehlt jede Weitsicht in der Bekämpfung der Pandemie. Uns fehlt jede langfristige Strategie.“

Die Krankenhaus-Ampel in Bayern sei zu spät auf Rot geschaltet worden, unter anderem weil sie keinen regionalen Bezug gehabt habe. „Wir hatten schon Hotspots, aber die Ampel war noch auf Grün. Und die Politiker sind durch die Gegend gegangen und haben gesagt: Die Ampel steht auf Grün. Man hat uns auch nie gesagt, was passiert, wenn die Ampel auf Gelb oder Rot springt.“ Es werde nun deutlich, dass eben doch „die Inzidenz ein wichtiger Indikator ist“.

Diskussion um Impfpflicht über den Pflegeberuf hinaus

Auch aus Sicht des Sächsischen Pflegerat (SPR) darf die Impfpflicht nicht nur auf die Berufsgruppe Pflegender bezogen sein. Er befürwortet die gesellschaftliche Diskussion um eine Impfpflicht, jedoch müsse die Diskussion breiter gefasst werden. Nur durch eine möglichst hohe Impfquote in der gesamten Bevölkerung würden wir die Pandemie wirksam eindämmen können. Am Ende müsse eine Entscheidung in Abwägung zwischen individuellen Freiheits- und Persönlichkeitsinteressen und notwendigen Schutzmaßnahmen von besonders verletzlichen Personengruppen getroffen werden.

Der SPR befürwortet daher ausdrücklich die Positionen des Deutschen Pflegerates (DPR) sowie des Deutschen Ethikrates, die eine gesellschaftliche Diskussion über eine Pflicht für den Pflegeberuf hinaus einfordern.

Da eine Impfpflicht ihre Wirkung nicht unmittelbar entfalten kann, befürworten wir eine regelmäßige Testpflicht für alle Mitarbeiter in bestimmten Einrichtungen, um Infektionen frühzeitig erkennen und Übertragungen verhindern zu können. Eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter bestimmter Einrichtungen ist für den Pflegerat Sachsen ein vorstellbarer Weg zum besseren Schutz der Bewohner und Patienten.

Verdi hält Impfpflicht nicht für zielführend

Verdi-Vorsitzender Frank Werneke steht einer Impfpflicht für bestimmte Beschäftigtengruppen skeptisch gegenüber. In diesen Bereichen sei die Impfquote bereits sehr hoch im Verhältnis zum Durchschnitt der Bevölkerung. Die Folgen einer Pflicht wären also nicht signifikant mehr geimpfte Menschen. Zusätzlich könne der Personalmangel dadurch verschärft werden und die Politik würde an Glaubwürdigkeit verlieren, da eine Impflicht vorher monatelang ausgeschlossen wurde.

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