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kma Entscheider BlogImpfkampagne am Wendepunkt – ohne Aufklärung geht es nicht!

In den vergangenen Wochen stockte die Zahl der Impfungen gegen das Corona-Virus. Erstmals war das Angebot höher als die Nachfrage. Doch woran liegt das und lässt sich mit Bratwurst wirklich die Impfquote deutschlandweit erhöhen? Ein Lagebericht.

Privat

Christian Krohne ist Inhaber von Krohne Public Relations und Mitglied bei Hashtag Gesundheit e.V.

Alle Bürger haben ein Impfangebot erhalten

Am 2. August verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: 52,3 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben den vollen Impfschutz. 61,7 Prozent und damit 51,3 Millionen Menschen sind mindestens einmal geimpft. Denkt man zurück an den stockenden Start der Impfkampagne, bei der im März gerade mal 10 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten hatten, schien es noch utopisch, dass bis Sommer alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot erhalten würden, wie Spahn es versprochen hatte.

Knapp fünf Monate später lässt sich guten Gewissens festhalten, dass der Bundesgesundheitsminister hat sein Wort gehalten. Jeder, der möchte, kann inzwischen sogar spontan und ohne Termin in die Impfzentren fahren und seinen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten.

Sinkende Erstimpfungen

Aber wollen das überhaupt noch alle? Die Zahlen sprechen dagegen. Seit einigen Wochen sinkt die Impfquote. Die Zahl der Erstimpfungen so niedrig wie zuletzt im Februar. Während damals zu wenig Impfstoff für die Zahl der Impfwilligen vorhanden war, ist die Lage nun anders. Es gibt mehr als genug Impfstoff. Haben nun alle, die geimpft sind, ihre Dosis erhalten und der Rest verzichtet guten Gewissens? Mitnichten.

Die Impfkampagne muss in dieser so wichtigen Phase weiter am Laufen gehalten werden. Die Politik diskutiert derzeit, wie die Bürgerinnen und Bürger neben Aufklärungskampagnen noch an die Hand genommen werden können. Während in zum Beispiel den USA viele Unternehmen mit Anreizen einen nicht unerheblichen Teil der Impfkampagne tragen und mit Reisegutscheinen, Freibier und sogar Joints locken, wurde in Deutschland kaum mit Impfanreizen gelockt. Schließlich war dies hierzulande auch nicht notwendig.

Mittlerweile findet allerdings ein Umdenken statt. Bislang wurde vorwiegend mit informativen Plakaten, Werbespots und prominenten Testimonials für die Corona-Impfung geworben, aber dieser Effekt scheint allmählich zu verpuffen. Wie lassen sich Menschen also zum Impfen bewegen, bis ein möglichst großer Teil der Bevölkerung geimpft ist?

Bratwurst als Anreiz

In den sozialen Medien wurde unlängst über eine Aktion im thüringischen Sonneberg berichtet, bei der Impfwillige eine Bratwurst als Dankeschön erhielten. Die Impfquote im Ort stieg von durchschnittlich 140 Impfungen auf bis zu 500 Impfungen pro Tag. Es kann also funktionieren. Die „Bestechung“ mit Essen als Belohnung für eine Impfung mag für viele banal und einfältig klingen.

Für nicht wenige Menschen hat sie allerdings eine wirtschaftliche Komponente. Es kann sein, dass in Haushalten, die über wenig Geld verfügen, eine kostenlose Mahlzeit eine Entlastung darstellt. Für andere wiederum, die zwar grundsätzlich impfwillig, aber noch nicht ganz überzeugt waren, kann ein kleiner Anreiz den entscheidenden Gang zum Impfzentrum oder in die Arztpraxis bewirken. Darüber zu urteilen, ob das gut zu heißen ist oder nicht, steht keinem zu, solange dies bedeutet, dass sich weiterhin Menschen der Tragweite bewusst sind, sich für oder gegen eine Impfung zu entscheiden.

Aufklärung bleibt oberste Prämisse

In den vergangenen Wochen sind die Infektionszahlen vielerorts wieder gestiegen und zusätzlich machen uns Virus-Mutationen, die bislang nur partiell erforscht sind, zu schaffen. Eine hohe Impfquote bedeutet hier, Krankheitsverläufe abzumildern und Todesfälle zu verhindern. Das sollte es uns allen wert sein. Gleichzeitig ist Zwang nur das letzte Mittel der Wahl. Zwar sollte diskutiert werden, ob es in bestimmten Berufsgruppen wie den Lehrberufen oder der Pflege eine verpflichtende Impfung braucht, grundsätzlich müssen Menschen mit viel Aufklärung und Geduld überzeugt werden.

Ebenso sollten die Impfzentren in die Kieze und an Orte verlagert werden, die für alle Gesellschaftsschichten erreichbar sind. Informationsdefizite gehören dringend abgebaut! Auch hier gibt es noch viele Impfwillige, die etwa mit dem Anmeldeprozess in den Impfzentren nicht betraut sind und sich daher bislang nicht impfen haben lassen. In Berlin, wo bereits seit Monaten immer wieder spontane Impftage in sozialen Brennpunkten abgehalten werden, ist die Resonanz jedes Mal sehr groß gewesen. Auch die Idee, Impfungen inklusive Aufklärung etwa in Supermärkten anzubieten, muss meines Erachtens weiterverfolgt werden.

Letztlich sind diejenigen, die von Anfang bereit waren, ihren Beitrag zur Pandemiebekämpfung zu leisten, bereits weitestgehend geimpft. Nun müssen diejenigen mitgenommen und aufgeklärt werden, die noch nicht zu 100 Prozent überzeugt sind. Das wird schwieriger, ist aber nicht unmachbar!

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