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JahresabschlussKlinikum Karlsruhe schließt 2021 mit Defizit ab

Das Klinikum Karlsruhe hat das Jahr 2021 mit einem Defizit in Höhe von 19,7 Millionen Euro abgeschlossen und dringt auf mehr Unterstützung seitens der Politik. 

Stapel aus Münzen vor einem Taschenrechner und Stethoskop
DoubletreeStudio/stock.adobe.com
Symbolfoto

 „Als Maximalversorger bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen der Bewältigung dieser Pandemie und der bestmöglichen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten aus der ganzen Region“, so Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende Bettina Lisbach. „Dazu kommen die massiv gestiegenen Preise für Energie und die Auswirkungen der Inflation ebenso wie fehlende Reformen bei der Krankenhausfinanzierung sowie der nach wie vor eklatante Fachkräftemangel.“ 

Neben der Pandemie war der Umzug vieler Bereiche des Klinikums in das neue Betten- und Funktionsgebäude Haus M prägend für die zurückliegenden Monate. Mit Haus M sind die Baumaßnahmen am Klinikum derweil nicht abgeschlossen. Nahe der Notaufnahme entsteht derzeit ein neuer Hubschrauberlandeplatz, der den verschärften Anforderungen für den Betrieb von Luftfahrzeugen entspricht. 

Innovative CAR-T-Zell-Therapie

Mit Haus M hebt das Städtische Klinikum Karlsruhe auch seine Stammzelltransplantation und Hochdosis-Chemotherapie auf ein medizinisch und logistisch herausragendes Niveau. Auf der KMT-Station mit 14 Betten werden schwerkranke Patientinnen und Patienten zentral mit medizinisch anspruchsvoller Infusionstherapie und Überwachung versorgt. In diesem Rahmen können die Fachleute neben den autologen und allogenen Blutstammzelltransplantationen jetzt auch das innovative Zelltherapieverfahren der CAR-T-Zell-Therapie anbieten. „CAR steht dabei für chimärer Antigenrezeptor“, erläuterte Prof. Dr. Martin Bentz, Direktor der Medizinischen Klinik III und Sprecher des CCC. „Bei dieser Immuntherapie kommen gentechnologisch veränderte körpereigene T-Zellen zum Einsatz. Denn den Angriffsversuchen der körpereigenen T-Zellen entziehen sich die Krebszellen durch unterschiedliche molekulare Tricks.“ Die Therapie richtet sich vor allem an solche Patientinnen und Patienten, die nicht auf die etablierten Therapien oder eine Stammzelltransplantation ansprechen.

Corona-Pandemie

Neben all diesen Innovationen stand das vergangene Jahr wie eingangs beschrieben unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie, die das Klinikum als überregionalen Maximalversorger in besonderer Weise belastet hat und weiterhin belastet. Seit Beginn der Pandemie vor zweieinhalb Jahren haben die Beschäftigten insgesamt 2538 Corona-Patientinnen und Patienten behandelt (Stand 6. Oktober).

Aktuell blickt das Klinikum Karlsruhe mit gewisser Sorge auf den Winter. Allerdings: „Wir sind gut auf die erwarteten Patientenzahlen vorbereitet, solange sich diese auf einer niedrigen Pandemiestufe bewegen“, ist sich Geißler sicher. „Unsere größte Herausforderung sind die Personalausfälle durch Erschöpfung, Quarantäne und Erkrankungen.“ Diese führten weiterhin zu einer hohen Zahl an für die Patientenversorgung gesperrten Betten.

Krankenhausfinanzierung

Wie viele andere Einrichtungen fordert das Klinikum Karlsruhe mehr Unterstützung seitens der Politik, da der Reformstau mittlerweile oft existenzbedrohend für die Krankenhäuser geworden ist. „Zusammengefasst fordern wir Lösungen für die unzureichende Investitionsfinanzierung, eine sinnvolle Konkretisierung der Pflegebudgetierung sowie kurz- und mittelfristige finanzielle Maßnahmen angesichts der fortwährenden Pandemie und den inflationsbedingten schmerzhaften Kostensteigerungen für Energie, Bauvorhaben und Verbrauchsmitteln“, zählt Heming auf.

19,7 Millionen Euro Defizit

Zwei Jahre in Folge sind die Jahresabschlüsse der Kliniken von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie geprägt. Besonders betroffen waren die Schwerpunkt- und Maximalversorger, die die Hauptlast der Pandemie geschultert haben. Die Lage hat sich daher auch im Klinikum Karlsruhe deutlich verschärft. „Wir haben das Jahr 2021 mit einem Defizit von 19,7 Millionen Euro abgeschlossen und rechnen für 2022 aufgrund von Inflation und Energiekrise aktuell mit einem negativen Jahresergebnis in vergleichbarer Höhe“, betont Heming.

Dabei könne das Defizit für 2022 auch geringer ausfallen – abhängig davon, inwieweit die Politik die Erlöseinbrüche durch die COVID-19-Pandemie mit Ausgleichszahlungen kompensiert und die medizinischen Leistungen das ursprünglich geplante Niveau erreichen. Auch würden entsprechende Entlastungen bei den Energie- und Sachkosten das Ergebnis verbessern.

Energieversorgung und Versorgungssicherheit

Zu einer weiteren Belastung sind die Kosten für Energie geworden. Insgesamt rechnet das Klinikum bis Ende des Jahres mit enormen Steigerungen der Energiekosten um rund 9,3 Millionen Euro gegenüber 2021. Allein für Gas geht die Geschäftsführung von einer zusätzlichen Kostenbelastung in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro aus. Einsparmaßnahmen sind zwar teilweise möglich, etwa bei der Befeuchtung der OP-Säle und Intensivstationen. Dies ändert aber wenig an der zu erwarteten Mehrbelastung, da der Klinikbetrieb sehr energieintensiv ist.

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