Katastrophenalarm in Bayern

München, Ansbach, Würzburg – Kliniken vor Härtetest

Amoklauf in München, Selbstmordattentat in Ansbach, Messerattacke im Regionalzug – die Ereignisse der vergangenen Tage stellen auch deutsche Kliniken vor extreme Herausforderungen. Innerhalb kürzester Zeit müssen sie Kapazitäten bereitstellen und OP-Teams bilden.

Die Kliniken in München haben nach dem Amoklauf am vergangenen Freitag Tausende Mitarbeiter zum Einsatz gerufen. Das Klinikum der Universität München (LMU) etwa löste am frühen Abend Katastrophenalarm aus und organisierte in der Nothilfe am Campus Großhadern nach eigenen Angaben binnen kurzer Zeit 15 Teams für die Versorgung von Verletzten. In der Chirurgie der Chirurgischen Klinik in der Nußbaumstraße am Campus Innenstadt seien es bis zu zehn Teams gewesen, teilte die Klinik mit. Auch das Haunersche Kinderspital sei in die Versorgung eingebunden gewesen.

Insgesamt seien fünf Patienten versorgt worden, darunter ein ambulanter Fall und vier Patienten, die stationär aufgenommen wurden. Zwei mussten nach Schussverletzungen operativ versorgt werden, hieß es weiter. Alle Patienten seien stabil.


100 Kollegen in 30 Minuten
Auch die Bereitschaft, dem Katastrophenalarm des Klinikums rechts der Isar Folge zu leisten, habe die Einsatzleiter überwältigt, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Innerhalb einer halben Stunde seien mehr als 100 zusätzliche Kollegen vor der chirurgischen Notaufnahme versammelt gewesen, zitiert die Zeitung Peter Biberthaler, Leiter der Unfallchirurgie der Uniklinik der Technischen Universität München (TUM), der den dortigen Katastrophenalarm koordiniert habe. „Alle, die erreichbar waren, sind gekommen, niemand hat sich aus Angst oder Bequemlichkeit ferngehalten“, sagte Biberthaler. Auch an den städtischen Kliniken in Bogenhausen und Schwabing sowie an Kliniken privater Betreiber habe man sich bereitgehalten, um Opfern zu helfen, berichtet das Blatt weiter.


Konzept für den Katastrophenfall
Das LMU stellte an den beiden Standorten insgesamt rund 30 Intensivbetten zur Verfügung, sagte der Leiter der Unfallchirurgie, Wolfgang Böcker: „Als zertifiziertes Traumazentrum erwartet man von uns schnelle und kompetente Hilfe. Da ist es gut zu wissen, dass es in der Praxis auch funktioniert und wir im Notfall umfangreiche Kapazitäten im Schockraum, bei Operationen und auch auf den Intensivstationen zur Verfügung stellen können.“ Für die Versorgung standen sechs Computertomographen für eine rasche Bildgebung bereit. „Umso beeindruckender ist diese Notfallkapazität, weil zeitgleich bereits große Operationen liefen, wie etwa eine Lungentransplantation und ein neurochirurgischer Notfalleingriff“, erklärte der Ärztliche Direktor Karl-Walter Jauch.

Im Katastrophenfall bestehe ein Team jeweils aus Fachärzten der Chirurgie und Anästhesie sowie Pflegekräften und umfasse sechs bis acht Personen. Diese Teams begleiten die Patienten vom Schockraum, in dem die Erstversorgung stattfindet, über eine gegebenenfalls erforderliche bildgebende Diagnostik bis in den OP. „Diese Teams können dann auch den Eingriff vornehmen. Dadurch entfällt die Übergabe, es gibt keinen Zeit- und Informationsverlust“, erklärt Andreas Bayer, Einsatzleiter am Campus Großhadern, das Konzept.


Zwölf Verletzte in Ansbach

Bei dem Bombenattentat im bayerischen Ansbach, bei dem ein 27-Jähriger in der Innenstadt einen Sprengsatz zündete und sich selbst tötete, wurden nach bisherigen Angaben zwölf Menschen verletzt, drei davon schwer. Den Rettungskräften zufolge schwebt niemand in Lebensgefahr. Der Großteil der Verletzten wurde in den drei kommunalen Kliniken des ANregiomed-Verbundes behandelt. Von den sieben Patienten in Ansbach seien drei noch in der Nacht wieder entlassen worden, sagte Sprecher Rainer Seeger auf kma Anfrage. Vier waren am Montagmorgen noch im Haus. Ein weiterer Patient werde in Dinkelsbühl behandelt, zwei seien in Rothenburg aufgenommen worden. Alle Patienten seien mit Brand- und Schnittverletzungen eingeliefert worden. Dabei waren die drei Kliniken Seeger zufolge auf weit Schlimmeres eingerichtet und hätten auch Schwerstverletzte versorgen können. „Wir haben alle alarmiert, und alle waren da“, sagt Seeger. 

 

Würzburger Patienten stabil

In der Uniklinik Würzburg werden auch am heutigen Montag weiter vier Opfer des Anschlags in einem Regionalzug nahe Würzburg vor einer Woche behandelt. Bei drei der Patienten handele es sich um Ferienreisende aus Hongkong, teilt die Klinik mit. Der Gesundheitszustand habe sich stabilisiert, allerdings bestehe weiterhin die Gefahr von Komplikationen. Zwei Patienten verbleiben demnach auf Intensivstationen. Ein Patient müsse für die nächsten Tage oder sogar Wochen noch im künstlichen Koma bleiben. Die Familien seien in engem Kontakt mit den Patienten und behandelnden Ärzten und bekämen umfassende Unterstützung von deutschen und chinesischen Helfern. Eine spezifische psychologische Betreuung der Patienten werde angeboten und finde auch statt, heißt es in der Mitteilung der Uniklinik.

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