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Nach AnschlagStromausfall in Berlin – vier Kliniken wieder am Netz

Nach dem Stromausfall können vier betroffene Berliner Kliniken langsam aufatmen. Damit ist die Evakuierung dieser Häuser und die Verlegung von Patienten vom Tisch. Der Anschluss des ebenfalls betroffenen Theodor Wenzel Werks steht noch aus.

Krankenhausflur mit einem leeren Bett und einer Pflegefachkraft
sudok1/stock.adobe.com
Symbolfoto

Einen Tag nach dem Stromausfall im Südwesten Berlins sind vier größere Krankenhäuser in dem Gebiet wieder am Netz. Das teilte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) mit. Es handelt sich demnach um das Helios Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede und das Immanuel Kant Krankenhaus.

„Der Anschluss des ebenfalls betroffenen Theodor Wenzel Werks sollte kurzfristig gelingen“, so Czyborra. Nach ihren Worten wurde eine im Raum stehende Evakuierung von Häusern und die Verlegung von Patientinnen und Patienten somit verhindert. Die Häuser mussten dank Notstromaggregaten nicht evakuiert werden. Czyborra dankte den Kliniken Charité und Vivantes, die bei der Vorbereitung einer möglichen Verlegung unterstützt hätten. 

Von dem Stromausfall sind laut der Gesundheitssenatorin auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen und pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen betroffen. Der Senat sei in enger Abstimmung unter anderem mit der Feuerwehr, um diese Menschen notfalls in Pflegeeinrichtungen in anderen Stadtteilen zu verlegen, die freie Kapazitäten gemeldet hätten. Betroffen von dem Stromausfall, der auf einen Brandanschlag zurückgeht, sind die Berliner Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.

Berlin hofft auf die Hilfe der Bundeswehr

Berlin rief eine sogenannte Großschadenslage aus, um so leichter etwa Hilfe der Bundeswehr in Anspruch nehmen zu können. Man wolle die „Kompetenzen der Bundeswehr mit einbeziehen“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sagte, die Bundeswehr könne etwa bei der Versorgung der Menschen mit warmem Essen helfen. 

Im betroffenen Gebiet leistet inzwischen neben dem Technischen Hilfswerk (THW) auch die Bundeswehr Hilfe. Man stelle Dieselkraftstoff und Personal für den Betrieb von Notstromaggregaten zur Verfügung, erklärte das Verteidigungsministerium. Im Fokus stehe die Versorgung von Pflegeeinrichtungen. Das THW ist laut Innenministerium mit 120 Helferinnen und Helfern im Einsatz. Diese betreiben unter anderem Notrufannahmestellen, Notunterkünfte und Stromversorgung an Krankenhäusern, einer Tierklinik, Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Noch seien längst nicht alle Kapazitäten ausgeschöpft, und auch Notstromaggregate gebe es ausreichend, betonte die Ministeriumssprecherin.

Hintergrund

Der Anschlag auf Kabel sorgt seit dem 3. Januar für einen großen Stromausfall im Berliner Südwesten, von dem zunächst 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Unternehmen betroffen waren. Inzwischen konnten 7000 Haushalte und 150 Gewerbekunden wieder angeschlossen werden, wie Stromnetz Berlin mitteilte. Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird. Erst am Donnerstagnachmittag könnten voraussichtlich alle Stromkunden wieder versorgt werden.

Die Berliner Politik und Behörden gehen davon aus, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein aufgetauchtes Bekennerschreiben einer „Vulkangruppe“ sei authentisch, teilte Berlins Innensenatorin mit. Zuvor hatte der Staatsschutz der Polizei das Schreiben geprüft, das auch auf mehreren einschlägigen Webportalen veröffentlicht wurde. Das lange Konvolut der mutmaßlichen Täter trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört“, hieß es dort. Das Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde sei „erfolgreich sabotiert“ worden. „Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft“, behauptet die Gruppe in dem Schreiben. 

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist jedoch noch nicht sicher, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlag auf das Berliner Stromnetz steckt. Eine linksextremistische Motivation sei „naheliegend“, aber die Ermittlungen liefen noch, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. „Die Authentizität des Bekennerschreibens ist bislang aus unserer Sicht nicht abschließend geklärt.“ Darum kümmere sich das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Auch der Generalbundesanwalt beobachte die Lage noch und habe die Ermittlungen bisher nicht übernommen, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

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