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Priorität ist Covid-19Planbare Operationen sollen bundesweit verschoben werden

Als Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus hat die Bundesregierung Krankenhäuser dazu aufgefordert, alle planbaren Operationen und Eingriffe zu verschieben.

Operation
Tobilander/stock.adobe.com

Symbolfoto

Um die Krankenhäuser für Corona-Patienten in Deutschland freizuhalten, sollen nach dem Willen von Bund und Ländern alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe verschoben werden. Dies solle soweit medizinisch vertretbar ab Montag für unbestimmte Zeit gelten, heißt es in einem Beschluss von Bundesregierung und den Ministerpräsidenten. Die durch Covid-19 ausgelöste Krise sei einschneidend für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Damit das Gesundheitssystem weiterhin funktionsfähig bleibe, dürfe es nicht überlastet werden. „Es geht um das Gewinnen von Zeit,“ erklärt Merkel. 

Liquiditätshilfen werden zugesichert

„Jenseits des normalen Abrechnungssystems“ soll diese Ausnahmesituation für Krankenhäuser laut Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) abgesichert werden. Denn die fehlenden Einnahmen durch ausbleibende Operationen müssten finanziell entschädigt werden. Kein Krankenhaus solle durch diese gesundheitspolitischen Maßnahmen ins Defizit kommen. Ein Bonus pro zusätzliches, provisorisch geschaffenes, Intensivbett sei zudem vorgesehen. Die gesamte Krankenhauslandschaft müsse so umgestellt werden, dass genügend Intensivbetten zur Verfügung stehen. „Es darf auf keinen Fall dazu führen, dass wir wie in Italien und anderswo in die Situation kommen, dass in den Krankenhäusern Entscheidungen getroffen werden müssen, welcher Patient in welchem Alter behandelt wird“, so Söder. 

Bund und Länder wollen nach den Worten des Ministerpräsidenten Bayerns eine Wirtschaftskrise in Deutschland als Folge des Coronavirus verhindern. „Wir werden alles tun, was notwendig ist, um die wirtschaftliche Stabilität zu erhalten“, sagte Söder am Donnerstagabend in Berlin. Die Erhöhung von Liquiditätshilfen sei „zentral“. Deutschland sei ein reiches Land. Eine „tiefe Rezession“ solle vermieden werden. 

Betten- und Personalzahl soll erhöht werden

In Bayern gibt es laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) derzeit rund 4000 Intensivbetten an Kliniken und in Krankenhäusern zur Behandlung besonders kranker Patienten. Bei der angestrebten Erhöhung der Bettenzahl wegen des Coronavirus sei daher die ebenso wichtige Frage, wie mehr Pflegepersonal generiert werden könne. Die Verschiebung von nicht zwingend notwendigen Operationen sei daher ein wichtiger Schritt, um mehr Personal bereitzustellen, betonte Huml.

Der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) ist bisher kein erhöhtes Patientenaufkommen in den Kliniken im Land bekannt, obwohl sich immer mehr Menschen mit dem neuen Coronavirus infizieren. „Die Vorbereitungen für einen größeren Ausbruch in Niedersachsen laufen auf Hochtouren“, sagte NKG-Geschäftsführer Marten Bielefeld am Freitag. Die Häuser tauschten sich untereinander aus und seien in den regionalen und kommunalen „Krisenstäben“ vertreten.

Zu den Vorbereitungen auf einen größeren Ausbruch zählt laut NKG auch, Schutzmaterialien wie Kittel und Mundschutze nachzubestellen. „Uns liegen derzeit keine Informationen vor, dass es an Schutzkleidung in Krankenhäusern mangelt“, sagte Bielefeld. Es sei jedoch bekannt, dass es extrem schwierig sei, Lagerkapazitäten aufzufüllen beziehungsweise aufzustocken.

Besuchsverbot für Kliniken

Ein bundesweites Besuchsverbot für Krankenhäuser gibt es noch nicht. Erste Krankenhäuser sprachen aber bereits Besuchsverbote aus. So lassen zum Beispiel alle Kliniken in der Region Hannover überhaupt keine Besucher mehr in ihren Krankenhäusern zu. Der Freistaat Bayern untersagt Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Das Besuchsrecht werde deutlich eingeschränkt, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag in München. Die Betreuung von Kindern solle nicht bei den Großeltern organisiert werden. Rückkehrer aus Risikogebieten dürfen auf Anweisung des Sozialministeriums Niedersachsens landesweit keine Krankenhäuser betreten.

Erste medikamentöse Ansätze

Die München Klinik Schwabing will nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ein experimentelles Ebola-Mittel an Covid-19-Patienten testen. Das Medikament Remdesivir hemmt die Vervielfältigung des Erbguts von sogenannten RNA-Viren, zu denen auch das neuartige Coronavirus gehört. An der klinischen Studie des US-Pharmakonzerns Gilead wollen demnach auch die Universitätskliniken Hamburg und Düsseldorf teilnehmen. In China und den USA laufen bereits Studien mit dem Mittel.

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