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HamburgSieben Disziplinen unter einem Dach – das neue UKE-Herzzentrum

Knapp 300 Millionen Euro, sechs Jahre Bauzeit: Das UKE hat sein neues Herz- und Gefäßzentrum eröffnet. Es bündelt sieben Fachdisziplinen, erhöht die Kapazitäten deutlich und ist der dritte Baustein des UKE-Zukunftsplans 2050.

Foyer Herz- und Gefäßzentrum UKE
UKE
Das Foyer vor der Eröffnung noch ohne Dekoration und Beschilderung.

Besuchern des neuen Gebäudes eröffnet sich beim Eintreten ein helles, luftiges und hochmodernes Foyer. Eine breite Treppe schlängelt sich durch das großzügige Atrium hinauf in den ersten Stock. Gedämpfte Raumakustik, üppig bebilderte Wände und großzügige Räumlichkeiten sorgen für Wohlfühlatmosphäre. Bis auf einige, sehr dezent gehaltene Stationswegweiser an den Wänden lässt in dem Foyer nichts auf eine hochspezialisierte Herzklinik schließen, in der in Kürze Herzen und Lungen transplantiert, Aortenklappen ausgetauscht und Bypässe gelegt werden.

Nach vielen Verzögerungen ist das neue Herz- und Gefäßzentrum nach knapp sechsjähriger Bauzeit mit einem Festakt Ende Mai auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) feierlich eröffnet worden. Das Ziel ist klar und die Erwartungen sind groß: Es soll neue Maßstäbe für die Herz-, Gefäß- und Lungenmedizin in Deutschland setzen. „Das neue Herzzentrum schafft optimale Bedingungen für eine interdisziplinäre, multiprofessionelle Zusammenarbeit und eine translationale Forschung, um Patienten noch besser versorgen zu können“, sagt der Ärztliche Direktor und Vorstandschef des UKE, Prof. Christian Gerloff. 

Das ist das Besondere: Die neue Klinik vereint die Disziplinen Kardiologie, Herzchirurgie, Kinderherzmedizin, Gefäßmedizin, Pneumologie, Thoraxchirurgie und eine Dialyseeinheit unter einem Dach. Für die Behandlung und Versorgung der Patienten stehen 15 Stationen, zehn „Interventions-Suiten“ (Katheterlabore) und neun OP-Säle bereit. 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf minimalinvasiven und kathetergestützten Verfahren, etwa in der Herzrhythmustherapie, der Herzklappenmedizin oder der Behandlung komplexer Gefäßerkrankungen. Hinzu kommen robotikgestützte Chirurgie, Kinderherzchirurgie sowie Herz- und Lungentransplantationen. Hochspezialisierte radiologische Bildgebungsverfahren wie die Herz-CT und -MRT und nicht-invasive CT- und MR-Angiographie sind ebenfalls im Neubau untergebracht.

Perspektivenwechsel in der Versorgung

In der neuen Herzklinik entstehen aber nicht nur neue Kapazitäten, sondern es wird auch ein Perspektivenwechsel eingeläutet: Patienten werden nicht mehr entlang von Klinikgrenzen, sondern organ- beziehungsweise krankheitsorientiert versorgt. Interdisziplinäre Teams aus verschiedenen Fachbereichen entscheiden gemeinsam über die jeweils beste Therapie – von der Diagnostik über interventionelle Eingriffe bis hin zu komplexen Operationen und Transplantationen. 

Eröffnungsfeier Herz- und Gefäßzentrum UKE
UKE
v.l. Prof. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums, Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal, Barbara Napp, Pflegerische Zentrumsleitung, Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und UKE-Vorstandschef Prof. Christian Gerloff bei der Eröffnungsfeier Ende Mai.

Die gemeinsame Unterbringung der unterschiedlichen Disziplinen in einem Gebäude soll diesem Perspektivenwechsel Vorschub leisten. „Durch die Verzahnung von Forschung, Lehre und klinischer Expertise schaffen wir die Voraussetzungen für eine personalisierte Herz- und Gefäßmedizin auf höchstem Niveau“, erklärte der Ärztliche Leiter des neuen Herzzentrums, Prof. Stefan Blankenberg. Im Hamburg Center for Cardiovascular Research (HCCR) vernetzen sich mehr als 40 Forschende aus Klinik und Wissenschaft, um gemeinsam Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erforschen.

Mehr Platz und mehr Kapazitäten

Auch räumlich hat das neue Gebäude viel zu bieten: Mehr Platz für Patienten und Mitarbeitende sowie mehr Lagermöglichkeiten. „Die neue Infrastruktur und die neuen Räumlichkeiten entsprechen den modernen Standards, wie sie auch Mitarbeitende heute fordern“, erläuterte der Leiter der Klinik für Intensivmedizin, Prof. Stefan Kluge. Auch die Technik sei in dem Neubau auf dem neuesten Stand. 

Da nun auch CT- und MRT-Geräte in der neuen Klinik untergebracht sind, verkürzten sich die Transportwege; die Patienten müssten nicht mehr zwischen den verschiedenen Gebäuden auf dem UKE-Gelände hin- und hergebracht werden. Auch seien insgesamt die Kapazitäten deutlich größer als im alten Gebäude, sagte Kluge. „Wir haben jetzt mehr OPs, mehr Herzkatheter-Plätze und auch mehr Betten. Damit sind wir insgesamt leistungsfähiger und können mehr Patienten versorgen.“

Verzögerungen und gestiegene Kosten

Nach der Grundsteinlegung 2020 hatte sich die Fertigstellung des Gebäudes aufgrund der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges immer wieder verzögert. Der Neubau wurde auch deutlich teurer als geplant: Die Baukosten stiegen nach UKE-Angaben von etwa 200 Millionen auf knapp 300 Millionen Euro. Der Hauptgrund hierfür waren gestiegene Material- und Arbeitskosten. Zusätzliche Gelder kamen zum Großteil von der Stadt Hamburg. 

Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die an das neue Herzzentrum geknüpft sind: Gemeinsam das Beste für die Patienten geben, Forschung und Lehre noch besser mit dem medizinischen Betrieb verzahnen, innovative Therapien erforschen und als attraktiver Standort für Mitarbeitende wahrgenommen werden, gehörte zu den Kernbotschaften bei der Eröffnungsveranstaltung. Geistliche verschiedener Konfessionen weihten das neue Gebäude ein. 

Außenansicht Herz- und Gefäßzentrum UKE
UKE
Blick von außen auf den Neubau.

100 zusätzliche Betten

Bisher behandelt die Herzmedizin des UKE jährlich rund 10.000 Patienten stationär und rund 19.500 Patienten ambulant. Künftig werden sich die Akutversorgung sowie die ambulante und stationäre Versorgung auf rund 72.000 Quadratmeter Nutzfläche auf sechs Etagen verteilen. Für die Patienten stehen rund 380 Betten zur Verfügung – 100 mehr als zuvor –, darunter 60 Intensivbetten und 16 Betten auf der „Cardio Vascular Care Unit“, auf acht Stationen, einer Kinderherzstation sowie drei Intensivstationen für Erwachsene.

Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz oder Herzunterstützungssystemen werden auf der hochspezialisierten „Heart Failure Unit“ versorgt. Erstmals werden auch die Disziplinen Pneumologie und Thoraxchirurgie gemeinsam Patienten auf einer Station vor und nach Lungeneingriffen sowie mit chronischen Lungenerkrankungen behandeln.

Von den neun Operationssälen sind drei Hybrid-Operationssäle und ein mit Operationsrobotik ausgestatteter Saal. Mit dem DaVinci-Roboter werden dort beispielsweise Bypassoperationen am schlagenden Herzen durchgeführt. Bei Hybrid-OPs ist die bildgebende Medizintechnik im Operationssaal integriert, sodass beispielsweise die Operateure ihren Eingriff direkt auf dem Bildschirm in Echtzeit überprüfen können. Zu der neuen Infrastruktur zählen außerdem 23 Dialyseplätze, eine große funktionsdiagnostische Abteilung mit rund 30 ambulanten Sprechstunden sowie eine Sterilgutaufbereitung mit einer Kapazität von 90.000 Einheiten pro Jahr.

Herzkatheterlabor Herz- und Gefäßzentrum UKE
UKE
Das Herzkatheterlabor.

Modernste Bildgebung im Imaging Center

Zentrale Bedeutung hat das „Cardiovascular Imaging Center“, das gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin und der Klinik für Kardiologie betrieben wird. Hochauflösende CT- und MRT-Verfahren der neusten Generation sowie der Herzultraschall ermöglichen eine präzise Diagnostik von Herz-Gefäß-Erkrankungen in sehr frühen Stadien und damit auch frühestmöglich eine bildgestützte minimalinvasive Behandlung. 

Die Herzkatheterlabore, die Hybrid-OP-Säle und das „Cardiovascular Imaging-Center“ wurden von Siemens Healthineers mit bildgebender Medizintechnik ausgestattet. Darunter ist auch ein 3-Tesla-Magnetresonanztomograf sowie ein Photon-Counting-Computertomograf der neusten Generation, für hochauflösende Bilder bei geringer Strahlung. Mit der Technologie lassen sich beispielsweise Koronararterien in großer Detailtiefe darstellen. Integriert ist zusätzlich die Klinik für Gefäßmedizin, die das Spektrum von Halsschlagaderverengungen, Aneurysmen und peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten mit Fokus auf schonende, minimalinvasive Verfahren behandelt.

Die Patientenzimmer sind auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgerichtet, die aufgrund schwerer Herzerkrankungen viele Wochen in der Klinik verbringen müssen. Es gibt Aufenthaltsräume mit Pantry, einen Trainingsraum, Rückzugsräume und Unterbringungsmöglichkeiten in den Zimmern für Angehörige. Auf der Kinderherzstation sind Spiel- und Jugendzimmer für unterschiedliche Altersstufen eingerichtet. Die Tiefgarage des Neubaus verfügt über 460 Parkplätze. 

Der Bau entstand nach Plänen der Architekten Nickl & Partner (München) und wurde von der Bau- und Techniktochter des UKE, der KFE Klinik Facility-Management Eppendorf, umgesetzt. Das Universitäre Herz- und Gefäßzentrum ist das dritte abgeschlossene Großprojekt des UKE-Zukunftsplans 2050 nach der Inbetriebnahme der Martini-Klinik (2024), des Campus Forschung II und dem Hamburg Center for Translational Immunology (2025). Bis Ende Juni soll der Umzug inklusive der Stationen mit rund 1000 Mitarbeitenden abgeschlossen sein.

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