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Sachsen-AnhaltUnikliniken Halle und Magdeburg mit 74 Millionen Euro Defizit

Sachsen-Anhalts Universitätskliniken haben 2021 zusammen ein sattes Minus in Höhe von 74 Millionen Euro eingefahren. In Magdeburg hat bereits ein umfassender Sanierungs- und Transformationsprozess begonnen.

Defizit
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Symbolfoto

Die beiden Universitätskliniken in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr ein Minus von zusammen 74,4 Millionen Euro eingefahren. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung unter Berufung auf Angaben des Landeswissenschaftsministeriums. Mit 50,2 Millionen Euro entfiel der Großteil der Summe auf Magdeburg (2020: 32,6 Millionen Euro). In Halle beträgt das Defizit 24,2 Millionen Euro.

Kostenexplosion bei Sachausgaben

„In der Deltawelle hatten wir fast keine Kapazitäten mehr für Operationen und die Normalstationen“, sagte Marco Bohn, Kaufmännischer Direktor am Universitätsklinikum Halle. Für die Behandlung schwerkranker Corona-Patienten brauche es dreimal so viel Personal wie sonst in Intensivstationen üblich. Kranke Mitarbeiter müssten durch Leihpersonal ersetzt werden, das bis zu ein Drittel teurer sei. Von einer „Kostenexplosion“ spricht Bohn auch mit Blick auf die Sachausgaben für aufwendige Reinigungen, Schutzkleidung, Sicherheitspersonal und Tests.

Auch für dieses Jahr rechnet der Vorstand des halleschen Universitätsklinikums nicht mit einer Besserung der Lage. Erwartet wird ein Defizit von 23,7 Millionen Euro . „2027 wollen wir wieder schwarze Zahlen haben“, kündigt Bohn an.

Auch in Mageburg massive Mehrbelastungen

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt erläutert die Lage am Universitätsklinikum Mageburg ausführlich als Antwort auf eine Anfrage der Linken.

Als Hauptpunkte für das Jahresergebnis werden massive Mehrbelastungen und Einnahmeverluste durch die nunmehr seit fast zwei Jahren andauernde Pandemie, intensiver Wettbewerb zu Häusern privater Träger, Betrieb und Erhalt der teilweise denkmalgeschützen Pavillonstruktur, Vorhaltekosten, die über die regulären Entgeltsysteme nicht ausreichend vergütet werden, zusätzliche Tarifkosten, die Finanzierung der Hochschulambulanzen, Forderungen an die Krankenkassen sowie massive Preissteigerungen bei Dienstleistungen und Verbrauchsgütern genannt.

Umfassender Sanierungs- und Transformationsprozess

Laut Mitteilung befindet sich das Universitätsklinikum in einem umfassenden Sanierungs- und Transformationsprozess. Der mittelfristige Finanzplan erfordere von allen Kliniken und Instituten auf dem Campus substanzielle und nachhaltige Anstrengungen, um ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erwirtschaften. Dabei würden vom Klinikumsvorstand gemeinsam mit den einzelnen Kliniken die bisherigen Strategien überprüft und diese bei Bedarf neu justiert werden. Hierbei gehe es um Abläufe, die Angebote der einzelnen Kliniken und die Bettenzahlen. Nach den derzeitigen Planungen werde davon ausgegangen, dass etwa 130 Betten als Überkapazitäten bestünden. Ziel sei ein ausgeglichenes Ergebnis bis 2027.

Wie bereits berichtet erhalten die beiden Kliniken vom Land eine Finanzspritze in Höhe von 343 Millionen Euro, zum Ausgleich des Defizits und zur Investition in eine „pandemiefeste“ Zukunft.

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