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194 Millionen EuroUnikliniken in NRW erhalten Covid-bedingte Finanzspritze

Die Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen erhalten aufgrund erhöhter Betriebskosten und Corona-bedingter Ausgaben zusätzlich 194 Millionen Euro. Unterdessen kritisiert Verdi die Belastungssituation der Beschäftigten und stellt ein Ultimatum für die nötigen Verbesserungen.

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Die Landesregierung stellt den Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen für die Bewältigung der Corona-Krise rund 194 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Das hat das Landeskabinett beschlossen, der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags hat bereits zugestimmt. Erst im April 2020 hatten NRW's Universitätskliniken imehr als 100 Millionen erhalten, um ihre Bettenkapazitäten zu erhöhen und zusätzliche Laborgeräte anzuschaffen. Im September 2020 folgte das NRW-Sonderprogramm für die Universitätskliniken in Höhe von einer Milliarde Euro zur grundsätzlichen Modernisierung baulicher und medizintechnischer Strukturen.

Betriebskosten- und Medizingeräte-Finanzierung

Die aktuell bereitgestellten Mittel stellen einen Ausgleich für gestiegene Betriebskosten und Corona-bedingte Aufwendungen dar und sollen ebenfalls für weitere Investitionen genutzt werden. In der Pandemie sind die Betriebskosten der Universitätskliniken u.a. durch Mehraufwendungen für Material und sonstige Sachkosten sowie erhöhten Personalaufwand gestiegen. Hinzu kommen weitere Aufwendungen wie zum Beispiel EDV-Kosten für mobiles Arbeiten sowie die Anmietung zusätzlicher Lagerflächen. Gleichzeitig bestünde ein erhöhter Investitionsbedarf etwa in moderne Medizingeräte.

Knapp 116 der 194 Millionen Euro fließen in die Deckung der gestiegenen Betriebskosten an den sechs Universitätsklinikstandorten in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, und Münster. Die übrigen 78 Millionen Euro sollen für Investitionen in moderne Medizingeräte sowie im Bereich der IT-Infrastrukturen und Netzwerke genutzt werden.

Gerade in Pandemiezeiten zeige sich laut Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Unverzichtbarkeit der leistungsstarken, modernen Universitätsmedizin, welche das Rückgrat beim Kampf gegen Corona bilde. Nicht nur die Behandlung besonders schwerer Fälle, sondern auch wichtige Forschung in relevanten Bereichen wie der Virologie, der Epidemiologie und der Wirkstoff-Entwicklung wird hier betrieben.

Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte

Die hohe Arbeitslast insbesondere in der Pandemie verlangt auch dem Personal einiges ab, weshalb die Gewerkschaft Verdi mit einem 100-Tage-Ultimatum kurzfristig bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen will. Das Ultimatum sei von rund 700 Beschäftigten aus den sechs Kliniken Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster am 19. Januar in einer Konferenz beschlossen worden und kritisiert den seit Jahren herrschenden massiven Personalnotstand. Dieser habe in den Einrichtungen zu einer unerträglichen Belastungssituation der Beschäftigten und einer hohen Abwanderung geführt. Verdi befürchtet aufgrund einer Studie, dass 40 Prozent erwägen, den Beruf zu verlassen. Laut der Gewerkschaft sei die Landesregierung daher in der Pflicht, für eine bessere Finanzierung der Unikliniken und damit die Behebung des Grundproblems zu sorgen. Die Politik habe zu lange weggeschaut.

Verdi fordert die Arbeitgeber auf, bis zum 1. Mai 2022 einen Tarifvertrag zur Entlastung der Beschäftigten abzuschließen, der unter anderem einen Ausgleich bei Unterbesetzung in Form von Freizeit beinhalten soll. Auch müssten Mindestpersonalausstattungen für alle Bereiche der Unikliniken festlegt werden. Verdi NRW unterstrich dabei, man habe nicht nur die Pflege im Blick, denn ein Krankenhaus funktioniere nur mit allen Berufsgruppen.

Mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen könnten viele Fachkräfte zurückgewonnen werden. Das Potenzial schätzen die Gewerkschafter auf bundesweit etwa 200 000 Arbeitnehmer. Auch für Nachwuchskräfte seien bessere Bedingungen dringend erforderlich, denn jeder vierte Auszubildende verlasse den Gesundheitsbereich vor Ausbildungsende.

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