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InvestitionsprogrammNRW unterstützt Kinderkliniken mit 100 Millionen Euro

Das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen unterstützt die Kinderkliniken noch in diesem Jahr mit zusätzlichen 100 Millionen Euro. Auslöser war die derzeitige angespannte Lage aufgrund des RS-Virus.

Kind bei Untersuchung
AdobeStock/Microgen

Symbolfoto

Angesichts der angespannten Lage in vielen Kinderkliniken stellt das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium zusätzliche 100 Millionen Euro für die Kinder- und Jugendmedizin sowie Geburtshilfe bereit. Ein entsprechendes Investitionsprogramm für die Einzelförderung von Krankenhäusern werde derzeit aufgestellt, teilte das Ministerium am 9. November 2021 mit.

Minister Karl-Josef Laumann wolle die Förderbescheide zeitnah übergeben. Ziel sei es, den Bereich "auch für die Zukunft gut aufzustellen". Aktuell seien Kinderkliniken in vielen Teilen des Landes wie auch bundesweit stark belastet, hieß es weiter. Ursächlich seien Infekte, die in diesem Jahr früher und häufiger als sonst auftreten.

„Die aktuelle Lage zeigt erneut die grundsätzlichen Herausforderungen in der Personalausstattung der Pflege“, teilte Laumann mit. Ausbildungskapazitäten müssten weiter gestärkt werden, der Bund müsse die Finanzierung der Krankenhäuser auf eine tragfähige Grundlage stellen und das Fallpauschalensystem grundlegend überarbeiten, forderte er weiter.

Grüne bezeichnen Situation als besorgniserregend

Die NRW-SPD hatte am Montag auf „dramatische Versorgungsengpässe“ sowie akuten Personal- und Bettenmangel in den Kinder- und Jugendkliniken hingewiesen und ein Rettungsprogramm gefordert. Die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Lisa-Kristin Kapteinat, forderte die Landesregierung in Düsseldorf auf, zu einem „Gipfel Kindermedizin“ einzuladen. Jetzt müssten alle relevanten Akteure aus der Gesundheitsbranche und der Politik an einen Tisch, um schnelle Lösungen zu finden. Auch die Grünen bezeichneten die Situation als besorgniserregend.

In diesem Jahr müssten besonders viele schwer unter dem RS-Virus leidende Kinder stationär behandelt werden was zu akutem Personal- und Bettenmangel führte. RSV ist ein weltweit verbreiteter Erreger akuter Erkrankungen der Atemwege. Die Corona-Pandemie könnte aus Expertensicht eine Ursache sein, warum das Immunsystem der abgeschotteten Kinder in diesem Jahr schlechter auf RSV vorbereitet ist.

Kapteinat nannte unter anderem Kinderkliniken in Dortmund, Düsseldorf und Aachen als Beispiele für steigende Belegungszahlen mit derart infizierten Kindern. „Das Klinikum in Datteln musste bereits Kinder aufgrund Bettenknappheit abweisen“, berichtete sie.

Besonders schwierig sei es derzeit im Münsterland, Klinikplätze in Wohnortnähe zu bekommen – was bei dieser schweren Atemwegsinfektion für Eltern kleiner Kinder sehr beängstigend sei. Auch der Landesverband Leitender Kinder- und Jugendärzte habe in einem Brief ans NRW-Gesundheitsministerium bereits Alarm geschlagen: „Vielfach müssen Rettungswagen lange Wege in Kauf nehmen, um eine aufnahmebereite Klinik zu finden.“ Zudem hatten weitere Ärzteverbände und Krankenhäuser in den vergangenen Tagen vor einem „drohenden Kollaps“ in Kinder- und Jugendkliniken gewarnt.

Kritik an Fallpauschalensystem

SPD und Grüne fordern außerdem, das Fallpauschalensystem in der Kinder- und Jugendmedizin abzuschaffen. Dieses Verrechnungsmuster mache zwar Hüftoperationen lukrativ, nicht aber die Behandlung der üblichen Kinderkrankheiten, kritisierte Kapteinat. Diese finanzielle Fehlsteuerung habe dazu geführt, dass immer mehr Abteilungen und Stationen der Pädiatrie geschlossen worden seien. Derzeit gebe es noch rund 130 Kliniken der Kinder- und Jugendmedizin in NRW.

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