
Vor kurzem war Stellprobe. Auf einer Fläche von 20 mal 25 Metern simulierte ein Team um den Tübinger Katastrophenmediziner Dr. Robert Wunderlich eine optimale Infektionsstation für den Einsatz beim Ausbruch hochansteckender Viren. Das Ziel: ein mobiles und modulares System aus Zelt- und Containerbauten zur sicheren Versorgung von infizierten Menschen überall auf der Welt. Bedarf gibt es auch in Deutschland, etwa wenn Infektionsbetten knapp werden, wie vereinzelt während der Corona-Pandemie.
Prototyp soll 2023 in Betrieb gehen
Die Station entwickeln die Mediziner der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) im Rahmen des Projekts „Initiate2“ zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Welternährungsprogramm (WFP) sowie weiteren Partnern. Aktuell wird ein erster Prototyp der mobilen Zentren gebaut, der bis 2023 in Betrieb gehen soll, teilt das UKT mit. Wunderlich ist mit seinem Team für den Trainingsaspekt der Einsatzteams zuständig, und er erarbeitet ein Handbuch sowie Videoanleitungen zum strukturellen Aufbau für medizinisches Fachpersonal rund um den Globus.
Gedacht sei das System zur Behandlung gefährlicher Infektionskrankheiten wie Ebola, Diphtherie und Marburg-Fieber. Gerade bei Krankheitsausbrüchen und Krisensituationen fernab der Zivilisation gebe es in der Regel keine Infrastruktur mit Infektionsstation, abgetrennten Behandlungsbereichen und Isolierzimmern, beschreibt das UKT. Örtliches medizinisches Personal und Hilfsorganisationen könne dann nicht helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Für viele Länder sei solch ein Szenario Realität.
In 24 Stunden einsatzbereit
Die mobile Behandlungsbasis („Highly Infectious Treatment Module“) soll dann alleinstehend oder als Anbau an Krankenstationen eingesetzt werden können. Zum System gehören rote und grüne Zonen der Behandlungsmodule, medizinische Geräte sowie Labor- und krankheitsspezifische Einheiten, heißt es in der Mitteilung. Die einzelnen Module sollen demnach leicht zu transportieren, autark und je nach Bedarf im Baukastensystem zusammengestellt und aufgebaut werden können, um innerhalb von 24 Stunden überall auf der Welt einsatzbereit zu sein. An dem internationalen Projekt sind auch Partner wie ALIMA (The Alliance for International Medical Action), Ärzte ohne Grenzen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz beteiligt.
Oftmals stehen lediglich Zelte ohne jegliche Sichtfenster zur Verfügung, die für das ärztliche und pflegerische Personal ein hohes Infektionsrisiko darstellen.
Bei der Stellprobe in Tübingen simulierte das Team Abläufe mit entsprechender klinischer Aktivität und sammelte Daten, auf deren Grundlage jetzt der Prototyp entsteht. Wie wichtig eine solche modulare Lösung ist, weiß Wunderlich aus seiner eigenen Arbeit in der humanitären Hilfe: „Oftmals stehen lediglich Zelte ohne jegliche Sichtfenster zur Verfügung, die für das ärztliche und pflegerische Personal ein hohes Infektionsrisiko darstellen.“ Deswegen sollen die mobilen Zentren mit Sichtfenstern und fixierten Handschuhen ausgestattet werden. Neben Mobilität stehe der Infektionsschutz beim Modul-Design an erster Stelle, erklärt Wunderlich. Im nächsten Schritt werde nun ein Industriepartner gesucht, danach folgten weitere Trainingseinheiten.





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