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Berlin NeuköllnVivantes Klinikum leistet Pionierarbeit für den Klimaschutz

Das Vivantes Klinikum Neukölln leistet Pionierarbeit in Sachen Klimaschutz. Im Rahmen eines Pilotprojektes der Organisation Health Care Without Harm (HCWH) Europa erarbeiten sechs europäische Krankenhäuser aktuell Benchmarks zum Einsatz von Anästhesiegasen. 

Vivantes Klinikum Neukölln
Vivantes

Vivantes Klinikum Neukölln

Als einziges Haus in Deutschland ist das Vivantes Klinikum Neukölln dabei. Ziel ist es, ein ökologisches Bewusstsein nicht nur beim Einsatz von Energie sondern auch im originär klinischen Bereich zu schaffen.

Energiesparen ist in Krankenhäusern seit Jahren ein Thema, schon aus ökonomischen Gründen. Bislang weniger verbreitet sind Erkenntnisse zu Klimaschutzthemen beispielsweise im klinischen Bereich. Das will die Organisation HCWH ändern, damit Europa seine Klimaschutzziele erreicht. Die Europäische Union will u.a. bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen um mindestens 40% (gegenüber dem Stand von 1990) senken, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Einsparpotenziale im Gesundheitsektor

Anja Leetz, Direktorin von HCWH Europa: „Wir gehen davon aus, dass der Gesundheitssektor für rund 5 Prozent der europäischen CO²-Emissionen verantwortlich ist. Da lohnt es sich, auch nach Einsparpotenzialen zu schauen, wo es nicht ganz so offensichtlich ist wie beim Energieverbrauch. In der jetzt gegründeten Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns erstmals genauer mit dem Einsatz und Verbrauch von Anästhesiegasen. Die meisten Anästhesisten wissen wahrscheinlich gar nicht, wie klimaschädlich die Gase sind, die während der OPs eingesetzt werden.“

Die einzelnen Gase haben klimatechnisch jedoch sehr unterschiedlich große „CO²-Fußabdrücke“. Während das Treibhausgaspotenzial (global warming potential, GWP) von Sevofluran mit einem Wert von 130 angegeben wird, erreicht Desfluran den Wert 2540. Der Wert gibt an, wie viel eine festgelegte Masse eines Treibhausgases im Vergleich zur entsprechenden Menge CO2 im Verlauf von 100 Jahren zur globalen Erwärmung beiträgt. Desfluran ist also hochgradig wärmewirksam. Isofluran wiederum hat sich als Ozonkiller herausgestellt und sollte nach Meinung von Klimaschützern nur noch eingesetzt werden, wenn es medizinisch unbedingt erforderlich ist.

Patientensicherheit als Top-Priorität

Christian Dreißigacker, Geschäftsführender Direktor des Vivantes Klinikum Neukölln: „Am Klinikum Neukölln setzen wir uns schon seit Jahren intensiv mit dem Klimaschutz auseinander und konnten für unser Haus bereits viel erreichen. Darum freuen wir uns sehr, dass wir Teil dieser internationalen Arbeitsgruppe sind, die mit neuen Daten und Erkenntnissen weitere Bereiche für den Klimaschutz erschließen wird. Patientensicherheit und für jeden Patienten individuell das am besten geeignete Anästhesieverfahren anzuwenden hat Top-Priorität. Aber wenn es medizinisch keine Nachteile hat, ein weniger klimaschädliches Anästhesiegas einzusetzen oder Gase niedriger dosiert zu verabreichen, dann wollen wir das bekannt machen und entsprechend handeln.“

Das Pilotprojekt von HCWH Europa ist das einzige Projekt aus dem Bereich Gesundheit, das im Rahmen der Europäischen Klimainitiative EUKI vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Das Klinikum Neukölln hat 2017 für die Reduzierung seines Energieverbrauchs den „2020 Healthcare Climate Challenge Award“ in Gold verliehen bekommen. Die Auszeichnung wird von „Global Green and Healthy Hospitals“ - ein Projekt von HCWH - an Krankenhäuser weltweit verliehen.

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