Eltern klagen über Personalmangel

Vorwürfe gegen Kinderonkologie der Charité

Ein Personalengpass auf der kinderonkologischen Station im Virchow-Klinikum der Berliner Charité hat zu heftigen Reaktionen von Eltern geführt. Sie wandten sich an den Berliner "Tagesspiegel", der umfangreich berichtete. Die Uniklinik räumt den Personalmangel ein, betont allerdings, dass medizinisch nichts schiefgelaufen und kein Kind zu Schaden gekommen sei.

Dem Bericht zufolge kritisieren Eltern unter anderem, dass die Fortsetzung einer Chemotherapie mehrfach verschoben werden musste. Einer Mutter sei dazu mitgeteilt worden, dass die Klinik wegen Personalmangels Betten gesperrt habe. Eine Person, die auf der Station arbeite, habe ihr per E-Mail erklärt, dass es auf der Station "pflegekräftemäßig sehr, sehr desolat" sei. Aufgrund des Personalmangels müssten die Ärzte die Patienten jeden Morgen priorisieren. Erst nach fünf Tagen habe ihre Tochter die Chemotherapie fortsetzen können, beschreibt die Mutter weiter. Zudem habe die knapp Zweijährige tagelang auf einer anderen Station gelegen, auf der auch Kinder mit Infektionskrankheiten untergebracht waren. Der Vater einer Zwölfjährigen berichtet laut "Tagesspiegel", seine Tochter, die unter Knochenkrebs leide, habe tagelang auf eine Magnetresonanztomografie warten müssen.

 

Klinikleitung sucht das Gespräch

Die Uniklinik hat sich dem Bericht zufolge bei den Eltern für die Situation auf der Station entschuldigt. Zudem hätten der ärztliche Direktor Ulrich Frei, Pflegedirektorin Judith Heepe und die Leiterin der Kinderonkologie, Angelika Eggert, zu einem Gespräch eingeladen. Frei habe den Vorwurf zurückgewiesen, die Klinik spare bewusst am Personal. Es gebe "keine ökonomische Bremse bei Einstellungen", sagte er demnach. Allerdings suchen Kliniken bundesweit derzeit häufig vergeblich nach zusätzlichen Pflegekräften.

Medizinisch bestand aus Sicht der Charité keine Gefahr für die behandelten Kinder. Angelika Eggert erklärte laut "Tagesspiegel", die Eltern müssten keinesfalls beunruhigt sein. Ob ein Chemoblock ein paar Tage später als vorgesehen beginne, sei klinisch unerheblich. Und ob ein Kind auf einer anderen Station liege, sei ebenfalls unerheblich für die Genesung.

 

Besetzung war "sehr schwach und knapp"

Pflegedirektorin Heepe habe zugegeben, die Besetzung in der Kinderonkologie sei in den Sommermonaten "sehr schwach und knapp" gewesen, schreibt die Zeitung weiter. Als Begründung werde der Fachkräftemangel in dem Bereich genannt. Die Uniklinik habe aber bereits Stellen neu besetzt. Auf der Station seien unterdessen Flugblätter verteilt worden, auf denen sich die Charité entschuldige, Veränderungen verspreche und zu einem Gespräch einlade.

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