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Chief Sustainability OfficerClemens Jüttner macht bei Sana Nachhaltigkeit messbar

Er setzt auf Teamwork und sucht den Dialog

Dabei will er keine abgehobene Stabsstelle sein, „die sich Dinge ausdenkt, die in der Praxis nicht funktionieren, weil sie niemand umsetzt“. Keine Pläne vom grünen Tisch in Ismaning. Jüttner will das Thema in der Unternehmensstrategie verankern. Es klingt abgedroschen, aber die rund 34 600 Sana-Mitarbeiter sollen es alle leben. Deshalb setzt er auf Teamwork und bindet seit seinem Start als CSO so viele wie möglich ein. Er sucht den Dialog mit allen Stakeholdern und will ihn weiterführen, sieht sich als Moderator, der hilft, Hemmnisse zu beseitigen.

Da ist es gut, dass Jüttner im Konzern bekannt ist. Der Diplom-Kaufmann arbeitet seit 2006 für Sana. Er startete als Referent im Regionalbüro Remscheid und führte zuletzt als Kaufmännischer Leiter die Sana Immobilien Service GmbH. Mit vielem, das ihn jetzt als CSO beschäftigt, hatte er auf seinen unterschiedlichen Positionen bereits zu tun – zuletzt bei diversen Neu- und Umbauprojekten sowie beim Gas- und Strom-Einkauf. „Das ist kein ganz neues Thema für mich“, sagt Jüttner und schmunzelt.

Regelmäßig steht er als Redner auf Bühnen

Das nutzt ihm jetzt. Obendrein kann er auch ein Showman sein, Leute mitreißen. Regelmäßig steht er in seiner Freizeit als Redner auf Bühnen und vermittelt Unternehmern, Managern und Führungskräften seine Sicht auf Krisensituationen im Management. Nach seinen Feuerwehrerfahrungen hat er das F.I.R.E.-Konzept entwickelt („Fokussieren, Intuition nutzen, Reflektieren, Ergebnisse erzielen), das unter anderem Entscheidungsunterstützung in Extremsituationen liefern soll. Außerdem hat er Lehraufträge für Sales, Marketing und Verhandlungsmanagement an den Universitäten Bochum und Mannheim. So holt er sich Informationen und neue Eindrücke aus Bereichen außerhalb der Sana-Welt. Jüttner will offen bleiben. Seine Engagements sorgen für Abstand, halten ihn auf dem Laufenden, erden ihn.

Gerade dieses Gesamtpaket mag ihn aus Vorstandssicht zum idealen CSO machen. Jüttner kennt die wichtigen Personen im Konzern, und er musste sich auch nicht erst langwierig in das Sana-Gebilde einarbeiten. Neben den mehr als 50 Krankenhäusern und MVZ und dem ambulanten Geschäft spielen in der AG diverse weitere Business Units wie etwa die Sana Einkauf und Logistik, die Sanitätshäuser und die Bereiche Orthopädie- und Reha-Technik eine wichtige Rolle – und Jüttners künftige Strategie muss sie alle erfassen.

Ich musste bislang noch niemanden überreden und dafür bitten und betteln.

Auch wenn er den CSO-Posten nie angepeilt oder gar geplant hat – das Ziel, „etwas Positives zu bewegen und Sana zu verändern und der Zeit anzupassen“, das begleitet den 46-Jährigen schon lange. Als CSO kann er jetzt an weiteren Schrauben drehen – und dafür habe er nicht nur das Top-Management hinter sich, betont Jüttner: „Ich musste bislang noch niemanden überreden und dafür bitten und betteln“, sagt er. Im Gegenteil: „Das Thema ist den Menschen ja auch privat wichtig.“ Über die Sana-Ideenwerkstatt erreichen ihn regelmäßig Vorschläge aus der Belegschaft, zusätzlich wurde jetzt eine spezielle E-Mail-Adresse eingerichtet. „Es ist überraschend und schön, wie viel da eingeht.“

Die Krankenhausfinanzierung ist darauf noch nicht ausgelegt.

Seine Doktorarbeit hat der Diplom-Kaufmann 2009 an der Professur für Marketing und Handelsbetriebslehre der Philipps Universität Marburg geschrieben. Thema: „Gesundheitsprofilierung von Lebensmittel-Markenartikeln“. Jüttner hat sich Effekte dieser Profilierung angeschaut, ihren Wert als möglichen Differenzierungsfaktor. Ähnliches mache er in seiner jetzigen Position wieder, sagt er: „Wir schauen, welchen Wert Nachhaltigkeit hat.“

Allerdings besorgt es ihn, dass die Rahmenbedingungen in der Krankenhauswelt der Entwicklung noch so sehr hinterherhinken. Die Regulatorik jedenfalls sei auf das Thema Nachhaltigkeit noch nicht eingestellt. Bei Großprojekten etwa werde der höchste Energiestandard noch gar nicht gefördert. „Die Krankenhausfinanzierung ist darauf noch nicht ausgelegt“, sagt Jüttner. Den regulatorischen Rahmen anzupassen, die Finanzierung und auch die DRGs, sei eine echte Herausforderung.

Jüttner wird dranbleiben. „Ich bin Realist“, betont er – „ich schaue, was machbar ist“. Dabei hat sein CSO-Job auch ihn selbst schon verändert. „Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt, schaut man ganz anders auf die Dinge.“ So habe er es geschafft, in diesem Jahr bislang weder beruflich noch privat zu fliegen. Und er steige jetzt auch häufiger aufs Fahrrad. „Es darf für jeden einzelnen ruhig mal etwas unbequemer sein“, sagt Jüttner, „und auch für uns als Unternehmen muss es unbequemer werden – sonst sind wir nicht glaubwürdig“.

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