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Ev. Krankenhaus HubertusDer Energie- und Klima-Pionier im Berliner Süden

Schon seit Jahren trägt es das Gütesiegel „Energiesparendes Krankenhaus“, und kürzlich hat es weitere Medaillen eingesammelt. Das Evangelische Krankenhaus Hubertus in Berlin ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich Kliniken für das Klima und die Umwelt engagieren können. Was die Verantwortlichen in Zehlendorf antreibt und was sie noch vorhaben.

Ev. Krankenhaus Hubertus
Johannesstift Diakonie/Darius Ramazani

Trio fürs Klima: Techniker Andreas Ryll, Klimamanagerin Laura-Marie Strützke und Geschäftsführer Dr. Matthias Albrecht (v. l.) vor den Heizungspumpen des Evangelischen Krankenhauses Hubertus Berlin.

Parkanlage des Ev. Krankenhauses Hubertus
Johannesstift Diakonie/Frederic Schweizer

Die Parkanlage des Ev. Krankenhauses Hubertus wird seit 2010 überwiegend mit Regenwasser bewässert.

Der Blick aus den großen Bürofenstern geht über die Wildblumenwiese hinein in den weitläufigen Park. Ein echtes Schmuckstück in der Großstadt. Etwas rechts versetzt unter dem Fenster umschwirren Bienen ihren Stock. Wenn Dr. Matthias Albrecht hinausschaut, werden seine Ideen greifbar. Die sechs Hektar große Gartenanlage des Evangelischen Krankenhauses Hubertus (EKH) und der Klinik für MIC in Berlin-Zehlendorf wird nicht mit Trink-, sondern überwiegend mit Regenwasser bewässert, das in einem dafür umfunktionierten Heizöltank gesammelt wird. Der Speicher fasst mehr als 1,2 Millionen Liter, so viel, dass sich damit auch das Feuerlöschsystem speisen lässt.

Im Park finden neben den Bienen auch andere Tiere Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten. Die Umwelt schützen und die Klimabilanz der Klinik hartnäckig immer weiter verbessern – für Geschäftsführer Albrecht ist das Verpflichtung und Ansporn zugleich. Darauf hat er alle in seinem Haus eingeschworen – die CO2-Emissionen auf null zu reduzieren, ist das Ziel.

Überschusswärme wird in Kälte umgewandelt

Erreicht ist schon viel. Seit dem Jahr 2000 hat das EKH, das mit acht weiteren Krankenhäusern in Berlin und Nordostdeutschland zum konfessionellen Gesundheitskonzern Johannesstift Diakonie zählt, seinen CO2-Ausstoß um mehr als 40 Prozent gesenkt. „Obwohl wir gewachsen sind und seitdem deutlich mehr Patienten behandeln“, betont Albrecht. Eine entscheidende Größe ist dabei das eigen­­­­­e Blockheizkraftwerk (BHKW), das schon 2001 in Betrieb ging. Es deckt heute rund 90 Prozent des Strom- und knapp 70 Prozent des Wärmebedarfs der 200-Betten-Klinik ab. Zudem wird die Überschusswärme in den Sommermonaten durch eine 2020 errichtete Absorptionskältemaschine in Kälte umgewandelt.

Albrecht ist seit 2008 Geschäftsführer in Zehlendorf, die weitsichtige BHKW-Entscheidung im Rahmen eines Contracting-Vertrags mit der Firma SPIE zur Energieeinsparung vor mehr als 20 Jahren geht noch auf seinen Vorgänger zurück. Seitdem werden auch Lüftung und Verbrauch gezielt gesteuert und immer dann heruntergefahren, wenn Räume und Geräte nicht genutzt werden. Der dreifache Familienvater Albrecht hat die Philosophie direkt übernommen und konsequent vorangetrieben. Bei dem Engagement für das Klima sehe er sich „in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“, erklärt der 55-Jährige – weil auch das Krankenhaus selbst durch seinen Betrieb zur gesundheitsschädlichen Klimaerwärmung und Umweltbelastung beiträgt.

Vieles rechnet sich am Ende auch, vielleicht nicht immer in Euro, aber doch in Zufriedenheit oder einer Verbesserung.

Gerade deshalb spiele das Thema für ihn bei jeder Entscheidung eine Rolle – auch wenn sich entsprechende Investitionen im komplexen System der Krankenhausfinanzierung bislang nicht widerspiegeln. „Wir müssen eben entscheiden, was Priorität hat“, sagt Albrecht: „Das ist eine strategische Entscheidung. Die Umsetzung und die Suche nach kreativen Lösungen müssen dann alle mittragen.“ Dafür ist viel Aufklärung, sind viele Gespräche notwendig. Seine Überzeugung finanziert Albrecht aus einem Mix an Fördergeldern, zurückgelegten Gewinnen und Krediten – und lässt dafür auch einmal anderes weg oder schafft zum Beispiel ein etwas kleineres CT-Gerät an. Das abzuwägen und dabei auch Widerspruch und Unwillen im Haus auszuhalten, „das gehört dazu“, betont der Klinikmanager. Und vieles rechne sich am Ende auch, „vielleicht nicht immer in Euro, aber doch in Zufriedenheit oder einer Verbesserung“.

Zeit für Fotovoltaik

Mittlerweile ist Nachhaltigkeit auch beim Klinikträger, der Johannesstift Diakonie, ein definiertes Unternehmensziel. Dass ihr Wirken daran einen bedeutenden Anteil haben dürfte, schreiben sie sich in Zehlendorf stolz auf ihre Fahnen. Bis 2035 will der Konzern den CO2-Ausstoß halbieren, 2050 soll er bei null liegen. Zumindest ersteres schrecke ihn nicht, sagt Albrecht, „da sind wir schon fast“. Damit es weiter vorangeht, wird gerade wieder umfangreich gebaut. Das Krankenhaus saniert sein Dach, und, wo immer möglich, werden anschließend Fotovoltaikanlagen installiert – mit einer maximalen Gesamtleistung von 110 Kilowattstunden.

Der Umbau fällt in eine Zeit, in der sich das gasbetriebene BHKW unter anderem durch den Krieg in der Ukraine zu einer „Übergangstechnologie“, so Albrecht, entwickelt hat. Für die jährlich bisher verbrauchte Gasmenge müsste das EKH statt 550.000 Euro mittlerweile rund 1,7 Millionen Euro auf den Tisch legen. „Das ist nicht wegzustecken“, sagt Albrecht und hofft zumindest kurzfristig auf eine Sonderlösung durch die Politik.

Engagement in zahlreichen Projekten

Parallel wird neben der Fotovoltaik über Vor- und Nachteile weiterer Alternativen nachgedacht. Biogas und Wasserstoff statt Erdgas zum Beispiel, Geothermie oder Wärmepumpen als BHKW-Ersatz. „Dabei geht es allerdings um Dimensionen, die in Berlin bislang noch nie genehmigt worden sind“, sagt Albrecht: „Da muss sich noch viel bewegen.“ Er selbst ist mit Firmen im Gespräch und stimmt sich mit Vertretern anderer Kliniken ab, denen der (freiwillige) Klimaschutz bereits ähnlich wichtig ist – in der „Koalition der Willigen“, wie Albrecht sie nennt. Das Netzwerk hilft ihm, genau wie das Engagement in zahlreichen Projekten.

Das EKH, das 2001 als erste deutsche Klinik das BUND-Siegel „Energie sparendes Krankenhaus“ erhielt, ist unter anderem Mitglied der Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), beteiligt sich an einer Klima-Arbeitsgruppe der Berliner Krankenhausgesellschaft und an der Health Care Climate Challenge der Organisation Health Care Without Harm (HCWH). Für sein Engagement ist das Haus mittlerweile vielfach ausgezeichnet und sammelt Medaillen. „Die Preise motivieren, aber vor allem zeigen sie uns, wo wir im Vergleich zu anderen Kliniken stehen, und sie helfen, das Thema zu transportieren, ins Gespräch zu kommen und andere Häuser mitzuziehen“, sagt Albrecht.

Ich möchte das Komplizierte für alle im Team übersetzen. Schließlich geht es um die Zukunft von uns allen.

Sensibilisieren, erklären und überzeugen, darum geht es auch Laura-Marie Strützke. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin hat sich in dem bundesweiten Projekt „KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz“ – noch so ein Engagement des EKH – zur Klimamanagerin ausbilden lassen und in Zehlendorf 2019 die neu geschaffene Stabsstelle Klima-Management übernommen. „Ich möchte das Komplizierte für alle im Team übersetzen“, sagt Strützke: „Schließlich geht es um die Zukunft von uns allen.“

Klima-Fortbildung für alle

Dafür hat sie unter anderem einen Klima-Newsletter gestartet, der jetzt regelmäßig erscheint, sie hat eine Klima-Fortbildung für alle rund 350 Beschäftigten konzipiert und bekommt „fast durchweg positive Reaktionen“, betont sie: „Alles andere prallt an mir ab, denn ich weiß ja, dass ich Recht habe.“ Strützke schmunzelt, als sie das sagt, und fügt ernst hinzu: „Wir heilen Menschen, gleichzeitig sind wir aber auch Mitverursacher von Kohlenstoffemissionen, die wiederum für Krankheiten sorgen. Das darf nicht so bleiben.“

Die Klimamanagerin will alle im Team motivieren, selbst etwas zu verändern – am Arbeitsplatz und auch im Privatleben. „Wir müssen uns gar nicht immer einschränken“, betont sie, „oft hilft es, wenn sich alle etwas am Riemen reißen.“ Zudem ist sie überzeugt, dass das Wissen um die schädlichen Folgen des Klimawandels schon in der Aus- und auch in der Weiterbildung vermittelt werden müsste.

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