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Klimaneutralität bis 2040Wie machen Sie Helios nachhaltiger, Frau von der Schulenburg?

Vor etwas mehr als einem Jahr ist Constanze von der Schulenburg bei Helios als Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit angetreten. Was hat sie schon erreicht? Und was kommt als nächstes? Das Portrait einer Überzeugungstäterin.

 

Constanze von der Schulenburg
Helios

Leiterin der Helios Stabsstelle Nachhaltigkeit: Constanze von der Schulenburg.

Hendrik Otto
Janett Kartelmeyer

Sternekoch Hendrik Otto ist Leiter des Bereichs Quality and Sustainability Culinary Development bei Helios.

Die Idee gefällt ihr irgendwie. Das nachhaltige Gewissen von Helios – ist sie das? Constanze von der Schulenburg sitzt in der Zentrale von Deutschlands größtem privaten Klinikkonzern in der Berliner Friedrichstraße und legt den Kopf ein wenig zur Seite. Überlegt kurz. Nein, das sei dann doch etwas zu dick aufgetragen.

Aber die im April 2021 neu geschaffene Stabsstelle Nachhaltigkeit, die sie seitdem leitet, ist ihr eine Herzensangelegenheit. Von der Schulenburg will das Thema vorantreiben. Dafür hebt sie beharrlich den Finger, appelliert, erklärt, veranschaulicht, und vor allem lässt sie nicht locker, um auch die anderen mitzureißen.

Die Aufgabe ist gewaltig. Das Spielfeld ist so groß, dass man sich angesichts der Themenfülle schon einmal verlaufen kann. Der Helios-Nachhaltigkeitsbericht definiert vier Bereiche: Patienten, Mitarbeiter, Compliance – und dann eben die Umwelt. Bis 2030 will Helios seine direkten und indirekten CO2-Emissionen halbieren, für 2040 ist die Klimaneutralität angestrebt. Das allein ist ein dickes Brett. Für das 2030-Ziel muss der Konzern, der in Deutschland 87 Kliniken und 130 MVZ betreibt und mehr als 75 000 Mitarbeitende hat, im Vergleich zum Jahr 2021 rund 100 000 Tonnen CO2 einsparen.

Die Erwartungen von allen Seiten steigen

Wo anfangen? Wo den Schwerpunkt setzen? Von der Schulenburg hat mit einer Bestandsaufnahme begonnen: Wo stehen wir eigentlich? Was fehlt? Das Ergebnis war der erste Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns für das Jahr 2019, und „der hat vieles in Gang gesetzt“, erinnert sich von der Schulenburg. Hinzu kommt Druck von außen. Die Anforderungen an verpflichtende Reportings steigen. Genau wie die Erwartungen von Patienten, Öffentlichkeit, von Stellenbewerbern und Shareholdern: „Alle fordern eine Strategie und dass wir uns kümmern.“ Und plötzlich spielen auch Kriterien wie die Klimaziele des Konzerns eine ganz besondere Rolle.

Die Nachhaltigkeitsmanagerin hat davon profitiert, dass der Helios-Mutterkonzern Fresenius nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) (Corporate Social Responsibility) schon seit 2017 verpflichtet ist, auch über sein soziales und ökologisches Handeln Rechenschaft abzulegen. Von der Schulenburg konnte darauf aufbauen. Aber es macht ihr ohnehin Spaß, große Themen zu treiben, und für die Nachhaltigkeit gilt das besonders.

15 Jahre lang war sie Unternehmenssprecherin

Bis sie ihren jetzigen Posten übernahm, war die 55-Jährige so etwas wie die Stimme von Helios. 15 Jahre lang arbeitete sie als Unternehmenssprecherin, und ihre neue Aufgabe hat sie sich in gewisser Weise selbst geschaffen. Parallel zum Job als Sprecherin ließ sie sich zwei Jahre lang zur Nachhaltigkeitsmanagerin fortbilden und hat in der Zeit auch die Geschäftsführung überzeugt, dass es für einen Klinikkonzern notwendig ist, auf diesem Feld seine Hausaufgaben zu machen – nicht nur mit Blick auf die Shareholder und rechtliche Vorgaben.

Dass sie sich selbst als genau die Richtige für diese Aufgabe sah, muss dabei auch rübergekommen sein. Die Männer an der Helios-Spitze jedenfalls haben ihr zugehört und ihr Raum gegeben – erst Franzel Simon, dann Dr. Francesco De Meo, in dessen Zeit die Stabsstelle eingerichtet wurde. „Ich habe viel Verantwortung, aber auch sehr große Möglichkeiten bekommen, die neue Aufgabe auszufüllen“, sagt von der Schulenburg.

Ein Nachhaltigkeits-Board entscheidet

Die hat sie genutzt, um ein Netzwerk mit Spezialisten für die unterschiedlichen Themenbereiche aufzubauen und dem Ganzen eine Struktur zu geben. Ihre Position sieht sie als „Schnittstelle mit großer Koordinierungsaufgabe“. Dabei zahlt sich ihre lange Zeit als Helios-Sprecherin aus. Von der Schulenburg kennt den Konzern genau, ist sehr gut vernetzt, hat Kontakte zu den Kommunikatoren in allen Häusern, und als Generalistin, wie sie sich selbst nennt, ist sie es gewohnt, sich in immer neue Themen einzuarbeiten.

Ich bin nicht mehr Alleinkämpferin.

Mittlerweile gibt es im Konzern ein Nachhaltigkeits-Board, dem neben Robert Möller, dem jetzigen CEO der Helios Kliniken GmbH, auch die weiteren Mitglieder der Helios-Geschäftsführung und die Experten aus allen relevanten Bereichen angehören. Für von der Schulenburg bildet das Board „den organisatorischen Unterbau“ und den Rückhalt: „Es ist das wesentliche Gremium, das verantwortlich über Strategie und Projekte entscheidet“, sagt sie und betont: „Ich bin nicht mehr Alleinkämpferin.“ Zudem haben alle Klinikgeschäftsführungen den Auftrag, in ihren Häusern Nachhaltigkeits-Teams zu bilden, in denen die Bereiche Energie, Personal, Hygiene sowie IT- und Kommunikation vertreten sind.

Obendrein gruppieren sich um die Technischen Leiter der Kliniken spezielle Energie-Teams. „Sie sind enorm wichtig für das Reporting“, betont von der Schulenburg, zumal die Regulatorik ständig komplexer werde.  Die Energie-Teams kümmern sich um einen jährlichen Energiebericht und stellen die ISO 50001 Zertifizierung zum Energiemanagement sicher. Zur Bearbeitung konkreter Nachhaltigkeitsprojekte werden Kollegen aus dem Einkauf, der Medizintechnik, dem ärztlichen Bereich, der Hygiene, dem Abfallmanagement und dem Marketing hinzugeholt.

Ideen in die Breite tragen

Für von der Schulenburg heißt es mittlerweile zunehmend: einordnen und priorisieren. Den Überblick zu behalten sei eine große Herausforderung. Geht es heute um Blockheizkraftwerke, steht morgen das Thema Narkosegase auf der Agenda, und im nächsten Moment wird über Diversity diskutiert. Doch genau darum geht es ihr. Sie will alles bündeln, die Fäden in der Hand halten und zeigen, was der Konzern bereits zu bieten hat: „Es ist viel mehr vorhanden als wir nach außen zeigen.“ Von der Schulenburg will die Ideen auch intern in die Breite tragen. Den Helios-Wagen zum Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin genauso wie die „Geschlechterspezifische Medizin und Forschung“ im Unternehmen. Manches finde einfach noch zu wenig Beachtung, intern wie extern, sagt sie.

Wartet nicht auf den Konzern, bis alles für alle Kliniken abgenickt ist – macht einfach und teilt Eure Erfahrungen.

Dass ihre Arbeit jetzt Früchte trägt, sie von den Beschäftigten viel Zuspruch und etliche Vorschläge bekommt, die Nachhaltigkeit voranzutreiben, bringt sie manchmal selbst an ihre Grenzen: „Das Thema ist vor allem in den letzten Jahren massiv gewachsen“, sagt sie. So sehr, dass sie den Kliniken oft rät: „Wartet nicht auf den Konzern, bis alles für alle Kliniken abgenickt ist – macht einfach und teilt Eure Erfahrungen.“ Das Feedback aus den Kliniken begeistert sie, spiegelt es doch die wachsende Sensibilität für das Thema: „Wer sich privat im Haushalt, bei Reisen und beim Essen nachhaltig verhält, sein Verhalten geändert hat, der hört damit ja nicht an der Kliniktür“, sagt von der Schulenburg. Deshalb gebe es auch eine große Erwartungshaltung gegenüber dem Konzern.

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