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Mikrokosmos KrankenhausDiversity Management als Wettbewerbsvorteil nutzen

Diversität und vielfältig zusammengesetzte Teams sind kein kurzfristiger Trend. Kliniken, die die Vielfalt innerhalb der Belegschaft anerkennen und fördern, positionieren sich als moderne und attraktive Arbeitgeber.

Diversity
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Symbolfoto

Das Krankenhaus ist ein Ort der Begegnung, an dem täglich viele verschiedene Menschen aufeinandertreffen. Medizinische und pflegerische Fachkräfte versorgen Patientinnen und Patienten. Beschäftigte aus Technik und Verwaltung sorgen für reibungslose Abläufe und funktionierende IT-Systeme. Hinter jeder Arbeitskraft steckt dabei ein Mensch mit individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und Stärken. Genau hier steckt das Potenzial eines jeden Teams, der berühmte Schlüssel zum Erfolg. Denn vielfältige Unternehmen profitieren häufig von einer kreativeren Zusammenarbeit, die zu innovativeren Lösungen führt. Außerdem wirkt sich Diversität nachhaltig auf den Zusammenhalt und die Zufriedenheit der Belegschaft aus.

Das englische Wort Diversity bezeichnet die unterschiedlichen und gemeinsamen Merkmale von Menschen. Häufig konzentriert sich der Begriff auf die Aspekte Alter, Nationalität und Herkunft, Religion und Weltanschauung, geschlechtliche und sexuelle Identität sowie körperliche und geistige Fähigkeiten. Dieses Spektrum ließe sich noch erweitern etwa um die Kategorie soziale Herkunft.

Vorsprung auf dem Arbeitsmarkt nutzen

Die Förderung dieser Vielfalt birgt für Kliniken große Chancen. Besonders vielversprechend ist der Diversitätsgedanke beim Thema Personalgewinnung und -bindung. Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, medizinisches und pflegerisches Personal ist rar. Bereits im Jahr 2020 fehlten laut einer Studie der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) insgesamt rund 200 000 ärztliche und nicht-ärztliche Fachkräfte im deutschen Gesundheitswesen. Bis 2030 rechnet PwC mit rund einer Million fehlenden Gesundheitsfachkräften. „Das macht es unbedingt notwendig als Arbeitgeber zu punkten“, sagt Dr. Andrea Rothe, Leiterin der Stabsstelle Betriebliche Gleichbehandlung der München Klinik. Sie ist überzeugt, „Gender und Diversity Management sind ein Wettbewerbsvorteil.“

Wesentlich für die Vielfalt im Unternehmen ist eine diskriminierungsfreie und wertschätzende Betriebskultur. Sie schafft die Basis dafür, dass Menschen ihre Potenziale entfalten können. Das geht am besten, wenn sich niemand aus Angst vor Ablehnung oder Diskriminierung verstecken muss. Mit der Zufriedenheit steigen auch die Motivation und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten. Und wer zufrieden ist, bleibt länger im Unternehmen. Das reduziert wiederum die Kosten für das Anwerben und Einarbeiten von neuem Personal. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Bestehendes Personal binden, Fachkräfte gewinnen

Ein vertrauensvolles Miteinander bindet nicht nur bereits bestehendes Personal, sondern überzeugt auch potenzielle Bewerberinnen und Bewerber. Das bestätigen die Erfahrungen der München Klinik. 2013 gründete das Krankenhaus ein LGBTQI*-Netzwerk und erhöhte damit die Sichtbarkeit von lesbischen, schwulen, bi-, trans-, intersexuellen und queeren Mitarbeitenden. Das Engagement für geschlechtliche beziehungsweise sexuelle Vielfalt spricht sich herum und schafft positive Image-Effekte: „Das Netzwerk war für einige der entscheidende Grund, sich bei der München Klinik zu bewerben“, so Dr. Rothe.

Der kommunale Krankenhausverbund geht davon aus, dass die Diversität in Teams künftig weiter zunehmen wird. Impulse dafür kommen unter anderem aus der Politik. Im Rahmen der konzertierten Aktion Pflege setzt sich die Bundesregierung etwa für die Anwerbung internationaler Pflegekräfte ein. Doch ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt gehören ohnehin längst zu Deutschland. Das verdeutlicht die heterogene Patientenstruktur in den Kliniken. Welche Gesundheitseinrichtung könnte da auf Mitarbeitende mit wertvollen Sprachkenntnissen und interkulturellen Kompetenzen verzichten?

Führungskräfte aus den eigenen Reihen qualifizieren

Angesichts sich wandelnder gesellschaftlicher Werte und veränderter Geschlechterrollen braucht es neue Formen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Immer mehr Frauen streben nach Führungspositionen. Immer mehr Männer nehmen Elternzeit in Anspruch. In der Praxis bedeutet das: alte Vorurteile, unfaire Bedingungen und Betriebsblindheit müssen abgebaut werden.

Deshalb fördert die München Klinik die medizinische Karriere von Frauen mit einem Mentoring-Programm. Dabei geben erfahrene Führungskräfte ihr Wissen an aufstrebende Ärztinnen weiter. Während die Zahl der Chefärztinnen an der Klinik langsam zunimmt, wächst auch eine Erkenntnis bei den männlichen Kollegen: „Häufig geben uns die Chefärzte Rückmeldung, dass ihnen das Programm erstmals überhaupt Hürden auf dem Karriereweg von Frauen vor Augen führt. Durch das Mentoring entsteht also ein Bewusstsein für Probleme. Das ist enorm wichtig. Denn die eigene Haltung ist entscheidend“, betont Dr. Andrea Rothe.

Öffentlich Haltung zeigen

Viele Kliniken bekennen sich zur Diversität im Arbeitsumfeld, indem sie die Charta der Vielfalt unterzeichnen. Dabei handelt es sich um eine unternehmerische Selbstverpflichtung zur Förderung einer diskriminierungsfreien und wertschätzenden Betriebskultur. Die Initiative wurde 2006 von den vier Konzernen Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom und BP Europa SE (damals Deutsche BP) gegründet. Seit 2010 ist der gemeinnützige Verein Charta der Vielfalt der Träger der Initiative. Das Engagement gründet auf der Überzeugung, dass vielfältig zusammengesetzte Teams entscheidend für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg Deutschlands sind. Bis heute haben 3800 Unternehmen und Institutionen die Charta unterzeichnet, darunter 70 verschiedene Klinikakteure.

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