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TK-InterviewGaß kritisiert Baas Haltung zu Klinikschließungen

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), reagiert mit Unverständnis auf die Aussagen des TK-Vorstandsvorsitzenden Jens Baas im Spiegel-Interview. Dieser fordert, jeden zweiten Krankenhausstandort zu schließen.

Dr. Gerald Gaß
DKG

Dr. Gerald Gaß, Präsident der DKG.

Den Unmut der deutschen Krankenhäuser hat der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas auf sich gezogen. In einem Interview mit dem Spiegel äußerte dieser die Forderung, jeden zweiten Krankenhausstandort zu schließen, da nur so die Anzahl der Betten um das in seinen Augen erforderliche Drittel reduziert werden könne.

Dr. Gerald Gaß Replik: „Ich kann hier nur die TK-Versicherten auffordern bei ihrer Geschäftsstelle und bei ihrem Vorstandsvorsitzenden nachzufragen, ob er denn auch das Krankenhaus bei ihnen vor Ort schließen möchte.“ Ihm zufolge hätten die Menschen in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren – während der Corona-Pandemie – sehr deutlich gemerkt, dass sie sich auf ihre Krankenhäuser immer verlassen konnten.  „In dieser Zeit haben niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser dafür gesorgt, dass wir gut durch die Pandemie gekommen sind.“

Weiter führt er aus:  „Krankenkassen, wie die Techniker Krankenkasse und ihr Vorsitzender, die nach Einsparmöglichkeiten im Gesundheitswesen suchen, sollten zu allererst die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) selbst in ihre Überlegungen einbeziehen, denn von der Unwirtschaftlichkeit, die dort gehoben werden können, haben sie Ahnung. Noch ist der Konsolidierungsprozess bei den Krankenkassen nicht so weit fortgeschritten, wie vor über zehn Jahren von der damaligen Bundesgesundheitsministerin vorgesehen. 30 bis 40 Krankenkassen waren damals das Ziel und wären sowohl unter wirtschaftlichkeits-, als auch unter Wettbewerbsaspekten absolut ausreichend. Die dadurch eingesparten Gehälter für Vorstände, Verwaltungskosten- und Marketingausgaben sind gute und einfache Möglichkeiten Gelder der Versicherten einzusparen, die dann für die Versorgung zur Verfügung stünden.“ Diese Themen seien im Spiegel-Interview ausgespart worden, so Gaß. B

Baas bemängelte im Spiegel-Gespräch außerdem, dass die Pandemiegesetze die Krankenkassen vier Millionen Euro gekostet hätten. Gleichzeitig seien aber weniger Patient*innen in die Kliniken gegangen, was nicht immer schlecht gewesen sei. In Gaß' Augen eine zynische Betrachtungsweise.  „Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Herzinfarktpatienten, dessen Herzinfarkt nicht diagnostiziert wurde, jedes Schlaganfallpatienten, der nicht ausreichend versorgt wurde oder jedes Krebspatienten, der auf seine Operation länger warten musste und mit dem psychischen Folgen zu kämpfen hatte. Es wäre gut, wenn Herr Baas sich wieder mehr um den Risikostrukturausgleich und Kosteneinsparungen bei den Verwaltungskosten der Kassen kümmern würde.“

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