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PwC-Studie2035 drohen 1,8 Millionen unbesetzte Stellen im Gesundheitswesen

Der Personalmangel im deutschen Gesundheitswesen zieht in den kommenden Jahren dramatisch an. Bis 2035 könnten fast 1,8 Millionen Fachkräfte fehlen, teilte PwC mit. Insbesondere an Ärztlichem Personal und Kranken- und Altenpflegenden wird es mangeln.

Klinikpersonal
Sudok1/stock.adobe.com

Symbolfoto

Kliniken stehen enorme Herausforderungen im Personal-Recruiting und -Management bevor. Laut der Studie „Wenn die Pflege selbst zum Pflegefall wird“ von PwC muss das Gesundheitssystem in Deutschland bald mit einem heftigen Fachkräftemangel kämpfen.

Ihrer Prognose nach könnte sich die schon jetzt bestehende Personalnot im Gesundheitswesen innerhalb von wenig mehr als einem Jahrzehnt vervielfachen – sofern sich die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen nicht verbesserten. Etwa 1,8 Millionen offene Stellen könnten wegen des Mangels an qualifiziertem Personal vermutlich bis 2035 nicht mehr besetzt werden. Das entspricht einem Engpass von 35 Prozent. „In Teilbereichen des deutschen Gesundheitswesens, etwa der Pflege, der Geburtshilfe und dem Rettungsdienst, sind auch früher schon Engpässe zu erwarten“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Die derzeitige Quote nicht besetzter Stellen im Gesundheitswesen wird von PwC auf 6,8 Prozent beziffert.

Körperliche und psychische Belastung hoch

Der PwC-Studie nach können sich nur etwa 30 Prozent der Ärztinnen und Ärzte vorstellen, bis zum Renteneintritt in ihrem Beruf tätig zu sein. Gleichzeitig beklagen 72 Prozent des leitenden Ärztlichen Personals und der Pflegekräfte die erlebte körperliche Belastung ihrer Tätigkeit. Ebenso empfinden 59 Prozent der Befragten dieser Gruppe den Beruf als psychisch fordernd. Menschen, die potenziell als Pflegekräfte in Frage kommen – 18- bis 29-Jährige mit Schulabschluss in den vergangenen drei Jahren, Arbeitslose und Wechselwillige – fürchten hingegen in erster Linie die hohe psychische Belastung des Pflegeberufs, wie 63 Prozent angeben. Erst an zweiter Stelle nennen sie mit 57 Prozent die körperliche Anstrengung. Ein wesentlicher Faktor sind dabei die Arbeitszeiten, die vielfach mit Schichtdiensten einhergehen. Unter den Health Professionals, Ärzt*innen und Pflegekräften mit Leitungsposition, leiden 61 Prozent darunter.

Fehlende gesellschaftliche Anerkennung der Pflege

Die Hälfte der befragten Gesundheitskräfte gibt zudem an, dass die Gesellschaft pflegerische Tätigkeiten nicht genug anerkennt. Neben dem schlechten Image des Berufs schlägt sich jedoch auch der demografische Wandel und eine hohe Unzufriedenheit mit dem Job im prognostizierten Fachkräftemangel nieder. Besonders betroffen vom Fachkräftemangel ist die Alten- und Krankenpflege. In diesen Bereichen droht 2035 ein Versorgungsengpass von 37 beziehungsweise 36 Prozent. Hinzu kommt: Die Wechselbereitschaft im Gesundheitswesen ist hoch, da sie häufig in Bereiche mit weniger belastenden Tätigkeiten abwandern. 

„Aus unserer Sicht ist es eher fünf nach als fünf vor zwölf“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft. Dem könnte mit einem höheren Gehalt entgegengesteuert werden. Durch diese Maßnhame könnten Wechselwillige und Arbeitslose für die Arbeit in der Pflege motiviert und die bereits Pflegenden länger in ihrem Beruf gehalten werden. Doch auch bessere Arbeitszeiten, eine Aufstockung des Personals und eine Verringerung der seelischen wie physischen Belastung könnten zu mehr Zuriedenheit beitragen. Helfen könnte aber auch der vermehrte Einsatz digitaler Technologien, um die Arbeit im Gesundheitswesen zu erleichtern.

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