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ProjektendeKLIK green zieht Fazit zu Klimaschutz an Kliniken

Das Projekt KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz endet am 30. April 2022 nach drei Jahren. In dieser Zeit konnten über 1600 Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz realisiert werden.

Nachhaltigkeit
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Symbolfoto

Nach drei Jahren Laufzeit endet das Projekt KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz am 30. April 2022. Die Verbundpartner BUND Berlin, Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und Universitätsklinikum Jena begleiteten ein Netzwerk aus rund 200 Krankenhäusern und 50 Reha-Kliniken bei der Umsetzung von Klimaschutz. Über den Projektzeitraum hinaus wirken über 1600 Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz. Diese erreichen voraussichtlich eine Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase (Kohlendioxid-Äquivalenten/CO2-Äq) von mindestens 200 000 Tonnen, was den Emissionen von etwa 40 000 Hin- und Rückflügen auf die Malediven entspricht (Quelle: UBA).

Mit finanzieller Förderung aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative qualifizierte KLIK green in den teilnehmenden Einrichtungen 187 Klinikbeschäftigte zu Klimamanager*innen, die viele Ideen realisierten: Vom Narkosegas-Wechsel bis hin zum plastikfreien Frühstückstablett. Dabei verfolgten sie das langfristige Ziel, Klimaschutzinitiativen in allen Bereichen zu  implementieren und als Gesundheitsschutz für Patienten*innen und Beschäftigte zu kommunizieren.

Um Emissionen zu senken, erzielten folgende Hebel besonders große Effekte für Klimaschutz:

  • Beleuchtung und Belüftung nach tatsächlichem Bedarf einstellen
  • Stromproduktion mit Erneuerbaren Energien und effiziente Wärmeversorgung priorisieren
  • Ressourcenschutz im OP durch weniger klimaschädliche Narkosegase leisten
  • Lebensmittelreste, Fisch, Fleisch und Energieaufwand in der täglichen Verpflegung verringern

Die Aktivitäten zeigten, dass Klimaschutz in Kliniken auch ohne hohen finanziellen Aufwand gelingt. Fast 30 Prozent aller Maßnahmen fallen in die Kategorie „nicht-investiv“ und 40 Prozent erfolgen mithilfe einer geringen Investition. Bezogen auf die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen erzielte der investive Klimaschutz den höchsten Anteil mit mehr als 60 Prozent, der vor allem durch Energiemaßnahmen umgesetzt wurde. Um solche Investitionen zu ermöglichen, führten die drei Verbundpartner eine Fördermittelrecherche durch. Mit umfangreichen Informationen versorgt, beantragten Kliniken infolgedessen Fördermittel für 72 Maßnahmen.

Beispiele für verschiedene Investitionsarten:

  • Nicht-Investiv: Abschaffung des Narkosegases Desfluran, das bis zu 2540-fach klimaschädlicher wirkt als CO2, am Universitätsklinikum Augsburg
  • Gering-Investiv: Einführung eines Jobtickets am Klinikum Altenburger Land
  • Investiv: Umstellung von Dampftechnik auf Brennwerttechnik am Rhein-Maas Klinikum in Würselen

Investitionsstau bremst Bemühungen um Klimaschutz

Der Katholische Krankenhausverband Deutschland (kkvd) macht darauf aufmerksam, dass für diese höher investiven Aktivitäten umfangreiche bauliche Anpassungen erforderlich sind, etwa bei der Erneuerung von Heizungs- und Lüftungssystemen oder der Dämmung von Fenstern und Fassaden.

Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des kkvd dazu: „Es ist bekannt, dass in den Krankenhäusern ein großer Investitionsstau herrscht, da die Länder ihren Finanzierungspflichten für Gebäude, Geräte und Neuinvestitionen nur unzureichend nachkommen. Das bremst vielerorts Bemühungen um mehr Klimaschutz im Krankenhaus. Hinzu kommen aktuell enorme Kostensteigerungen, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und die ausstehende Reform der Klinikfinanzierung.“ Der Wille seitens der Kliniken zu mehr Klimaschutz sei groß, doch dies alles engt die ohnehin geringen Handlungsspielräume der Häuser zusätzlich ein. Ein erster, wenn auch nicht ausreichender Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutrale Krankenhauslandschaft wäre daher, dass die Länder ihren Investitionsverpflichtungen in vollem Umfang nachkommen.

Laut einer Bestandsaufnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) betrug der Investitionsbedarf in den Krankenhäusern für das Jahr 2020 bundesweit mehr als 6 Milliarden Euro. Davon übernahmen die Länder mit rund 3 Milliarden Euro im Jahr 2020 nur die Hälfte der Kosten. „Kostensteigerungen beispielsweise durch die Umstellung auf grünen Strom werden im Fallpauschalen-System erst mit Zeitverzug abgebildet. Die Krankenhäuser müssen dies daher für eine gewisse Zeit aus ihrer Substanz finanzieren. Hier ist eine Regelung notwendig, die eine zeitnahe Refinanzierung solcher Klimaschutzmaßnahmen ermöglicht. Zudem wird das Ziel von klimaneutralen Krankenhäusern ähnlich wie bei der Digitalisierung nur mit zusätzlichen Förderprogrammen erreichbar sein“, so Rümmelin.

Klimamanager*innen des Projekts stehen weiterhin zur Verfügung

Mit derzeit über 700 bilanzierten Maßnahmen für Energie- und Ressourceneffizienz in Kliniken greift das Projekt KLIK green auf einen umfassenden Fundus an Praxisbeispielen für effizienten Klimaschutz in Kliniken zurück und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

Auch nach Ende der Projektlaufzeit greifen die Verbundpartner das Thema weiter auf. Sie stehen den Klimamanager*innen auf Veranstaltungen zur Verfügung, pflegen die Austauschmöglichkeiten und bieten einen Zugang zu Informationsmaterial sowie Beratung an. Klimaschutz im gesamten Gesundheitswesen zu fördern und dort als Berufsfeld zu etablieren, bleiben als langfristiges Ziel über KLIK green hinaus bestehen.

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