„Die Ereignisse wirken nach“

Klinikum-München-Chef Axel Fischer über den Amoklauf

Was bedeutete der Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum am Freitag (22. Juli) für die Krankenhäuser in München? Wie sehr waren Klinikmanager in die Notfallarbeiten involviert? kma sprach darüber mit dem Chef des Städtischen Klinikums München.     

Wo waren Sie, als der Amoklauf passierte?
Ich saß in der U-Bahn. An jeder Haltestelle wurde über Lautsprecher durchgesagt, dass die Haltestelle Olympiastadion wegen eines Polizeieinsatzes gesperrt sei. Als meine Frau anrief, wusste ich warum. In Schwabing fuhr die U-Bahn dann nicht weiter, wir mussten alle aussteigen. Noch auf dem U-Bahnhof habe ich mit dem Klinischen Leiter des Klinikums Schwabing und mit dem Leitenden Notarzt telefoniert und erfahren, dass der Alarm „Massenanfall von Verletzten“ ausgerufen worden war.

Wie haben Sie reagiert?
Ich wollte schnell zum Klinikum Schwabing, doch das war gar nicht so einfach, weil sämtlicher Verkehr gestoppt wurde, selbst Taxis durften nicht fahren. Ich bin dann zunächst zu einem Freund gegangen – mit ihm und anderen Freunden war ich an dem Abend nach langer Zeit eigentlich zum Essen verabredet. Von ihm habe ich mir ein Fahrrad geliehen und bin zum Klinikum geradelt. Als ich dort ankam, warteten dort schon weit über 50 Kräfte vor der Notaufnahme, die sich aus dem Frei eingefunden hatten, darunter übrigens auch einige ehemalige Mitarbeiter. Innerhalb kürzester Zeit waren wir an allen unseren vier Standorten bereit auch eine größere Anzahl Verletzter zu versorgen. Das macht mich stolz und ich habe großen Respekt vor dem schnellen, professionellen und engagierten Einsatz der vielen Kolleginnen und Kollegen.

Wie viele Verletzte kamen ins Klinikum Schwabing?
Am Tatort gab es 21 Verletzte, die auf zahlreiche Münchener Krankenhäuser verteilt wurden. Die meisten Verletzten, die zu uns kamen, stammten gar nicht vom Tatort, sondern waren durch die Panik versehrt: Eine Frau etwa hatte durch einen Sprung durchs Fenster des Hofbräuhaus ihren Oberarm gebrochen, eine andere ihre Nase.

Inwiefern waren Sie als Geschäftsführer gefordert?
Ich war im Klinikum Schwabing an dem Abend sicherlich die unwichtigste Person. Aber die Mitarbeiter sagten mir, sie fanden es gut, dass ich vor Ort war.

Wie ist jetzt die Stimmung unter den Mitarbeitern?
Die Ereignisse wirken nach und beschäftigen die Münchner und auch unsere Mitarbeiter. Was viele Mitarbeiter an dem Abend irritierte, war die allgemeine Aufforderung, zu Hause zu bleiben, und die gleichzeitig speziell an sie gerichtete Bitte, sich schnell im Klinikum einzufinden. Darüber müsste man sicherlich noch mal sprechen.

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