Sie wollen ein regionaler Klinikkonzern werden, wie entstand diese Idee?
Viele kleine Kliniken in Brandenburg sind derzeit in bedrohlicher Lage und suchen das Gespräch mit uns. Aus dem Grund sind auch Bürgermeister oder Landräte an uns herangetreten, mit der Bitte um Absicherung der Klinikstandorte. So ist die Idee entstanden nach einer Struktur zu suchen, um weitere Partner aufnehmen zu können. Wir haben dem Aufsichtsrat dann vor einem halben Jahr einen Vorschlag präsentiert und der hat die Geschäftsführung beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Die ersten Schritte mit der Übernahme der Kliniken in Bad Belzig und in Forst sind wir bereits gegangen.
Was hat Sie dazu bewogen?
Sicherlich die positiven Ergebnisse bei der Integration neuer Standorte. Die Klinik in Bad Belzig haben wir vor drei Jahren mit einem Defizit von 2,2 Millionen Euro übernommen, jetzt hat sich das Jahresergebnis um fast zwei Millionen verbessert. Das Klinikum Forst in der Lausitz ist seit 1,5 Jahren unter unserem Dach und schreibt nun eine schwarze Null. An beiden Standorten haben wir das Leistungsangebot umstrukturiert und um Disziplinen wie beispielsweise die Geriatrie und die Plastische Chirurgie erweitert.
Sie favorisieren eine gemeinnützige GmbH für ihre Klinikkette. Was ist der Vorteil dieser Rechtsform?
Der Vorteil einer gGmbH ist, dass die Geschäftsführer der Partner einen Sitz in der Holding bekommen und die Aufsichtsräte der Kliniken bestehen bleiben können. Das erleichtert Fusionen mit kommunalen oder freigemeinnützigen Häusern ungemein. Ziel ist der Erhalt einer umsatzsteuerliche Organschaft. Dieser Verbund wäre eine kommunale Antwort auf den Expansionsdrang der privaten Klinikketten.
Welchen Benefit bringt eine solche Holding noch?
Es sind in erster Linie die klassischen Themen, die wir auch heute schon in der kleinen Klinikgruppe Ernst von Bergmann nutzen: Einsparpotentiale bei Dienstleistungen wie Einkauf, Controlling, Service. Hier stecken Synergiepotentiale von 6 Prozent. Ich denke, wir antworten so aber auch auf ein strukturelles Problem: Kliniken mit weniger als 500 Betten, die keine Onkologie oder Psychiatrie haben, werden mit Einführung der Qualitätsabschläge ihre Probleme bekommen. Wir bauen deshalb Fachdisziplinen an kleinen Standorten auf, indem wir sie mit den großen Häusern verzahnen, etwa durch Rotation der Fachärzte – wie wir es jetzt schon am Klinikum Forst, nahe der polnischen Grenze, oder in Bad Belzig machen.
Wie funktioniert diese Rotation?
Wir haben Chirurgen die zwei Tage in Bad Belzig oder Fort operieren und den Rest der Zeit in Potsdam sind. In anderen Fachrichtungen – vor allem der Geriatrie – sind die Ärzte bis zu sechs Monate vor Ort. Junge Fachärzte kommen so schnell in Führungsverantwortung und Assistenzärzte kommen so schneller in ihrer Weiterbildung voran. Wir bieten den Assistenz- und Fachärzten außerdem einen Bonus für ihre Flexibilität – und das funktioniert sehr gut. Motivation für viele ist ein Dienstauto, das sie auch in der Freizeit nutzen können. Das kommt gerade bei jungen Ärzten mit Familie gut an.
Steffen Grebner auf dem Hauptstadtkongress in Berlin:
Ambulante und stationäre Medizin wachsen zusammen: Überleben nur integrierte Gesundheitskonzerne?
Freitag, 10. Juni 2016 / 11.30 - 13:00 Uhr




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