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Große Häuser oft mit umfangreichem BerichtswesenKrankenhaus-Controlling-Studie: Benchmarking sehr unterschiedlich genutzt

Bei dem Schwerpunktthema Benchmarking zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Krankenhäusern, die einem Verbund oder Konzern angehören. Die Reformierung des Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik stellt viele Einrichtungen in Zukunft vor große Herausforderungen.

Unterlagen mit Taschenrechner und Stift
Foto: Pixabay

Der Deutsche Verein für Krankenhaus-Controlling (DVKC e.V.), der Lehrstuhl für Controlling der Bergischen Universität Wuppertal sowie die Strategie- und Managementberatung zeb haben heute in Berlin die aktuellen Ergebnisse ihrer seit 2011 durchgeführten gemeinsamen Studie zum Controlling in deutschen Krankenhäusern und Psychiatrien vorgestellt. Dazu wurden wie bereits in den vergangenen Jahren alle deutschen Akutkrankenhäuser und Psychiatrien befragt. Insgesamt zeigt diese im sechsten Jahr durchgeführte Studie erfreuliche Ergebnisse und einen im Durchschnitt hohen, bei einigen Themen aber weiter entwicklungsfähigen Stand des Controllings im deutschen Krankenhaussektor.

Fokusthema der aktuellen Befragungsrunde war das Benchmarking. So nutzen fast 90 Prozent der teilnehmenden Krankenhäuser standardisierte Kennzahlenvergleiche, um ihre eigenen Leistungskennzahlen mindestens einmal jährlich mit Benchmarks zu vergleichen. Weitere sechs Prozent haben dies zumindest schon einmal getan. Die Studie ergab, dass die Zugehörigkeit zu einem Konzern oder Verbund einen starken Einfluss auf die Intensität der Benchmarking-Aktivitäten hat.

Nils Crasselt, Lehrstuhlinhaber für Controlling an der Bergischen Universität Wuppertal, erläutert: "Verbundmitglieder weisen beim Benchmarking eine höhere Nutzungsintensität auf. Dieses Ergebnis entspricht den Erwartungen, da die Verbundstrukturen, insbesondere bei einer abgestimmten betriebswirtschaftlichen Steuerung, den beteiligten Krankenhäusern auch ohne externe Partner vielfältige Vergleichsmöglichkeiten eröffnen."

 

Umfang des Berichtswesens steigt mit Größe der Einrichtungen
Wie schon in den Vorjahren konnte ein erheblicher Einfluss der Einrichtungsgröße auf das Berichtswesen bestätigt werden: Mit zunehmender Größe werden auch mehr Berichte in größerer Häufigkeit erstellt. Die personelle Ausstattung des Controllings hingegen nimmt kontinuierlich ab, gemessen an der Gesamtmitarbeiterzahl.

"Die neue Studie zeigt, dass in einem überregionalen Verbund organisierte Krankenhäuser wesentlich häufiger monatliche Berichte nutzen als die übrigen Häuser. Zwischen Einzelhäusern und Mitgliedern regionaler Verbünde sind hingegen keine Unterschiede festzustellen. Durch die verfeinerte Befragung konnte somit erstmals der - durchaus erwartete - Effekt einer intensiveren, zentralen Steuerung erfasst werden", so Björn Maier, Vorsitzender des DVKC.

 

Reformierung des Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik stellen Einrichtungen in Zukunft vor große Herausforderungen
Teil der aktuellen Befragungsrunde waren erneut die Veränderungen aufgrund der anstehenden Reformierung des Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik. Aus Sicht der Studienautoren ist dieser Aspekt besonders relevant, da die Optionsphase der freiwilligen Einführung des Entgeltsystems Ende des Jahres 2017 ausläuft. Ab 2018 wird dann eine Abrechnung nach dem neuen Entgeltsystem verpflichtend sein. Insgesamt haben im Jahresverlauf weniger Häuser optiert als dies nach den Vorjahresergebnissen zu erwarten war: Mit rund 45 Prozent wendet bislang nur knapp die Hälfte der Einrichtungen die pauschalisierte Form der Abrechnung an.

"Viele Häuser erwarten immer noch eher gleichbleibende oder sinkende Erlöse vom neuen Entgeltsystem, trotzdem werden der Reform inzwischen auch positive Wirkungen zugerechnet. So erwarten die Einrichtungen vor allem mehr Transparenz durch die notwendigen Dokumentationen und Auswertungen", erklärt Dr. Christian Heitmann, Partner und Leiter des Bereichs Health Care bei zeb. "Angesichts der geringen Optionsquote werden allerdings rund 55 Prozent der Häuser zukünftig verpflichtend mit einem neuen Preissystem abrechnen, mit dem sie zuvor keine praktischen Erfahrungen gesammelt haben."

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