
Plötzlich herrscht Dunkelheit: Monitore erlöschen, Beatmungsgeräte verstummen. In Deutschland erlebt jedes Jahr mindestens ein Krankenhaus einen größeren Stromausfall, was das Leben zahlreicher Patientinnen und Patienten gefährdet. Doch wie gut sind deutsche Krankenhäuser generell auf diesen Ernstfall vorbereitet?
Strom ist von kritischer Bedeutung
Die kontinuierliche Stromversorgung ist für Krankenhäuser unerlässlich. Von lebenserhaltenden Geräten auf der Intensivstation bis hin zu diagnostischen Tools wie MRT und CT – der Ausfall dieser Systeme kann katastrophale Folgen haben. Laut einer Studie des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) könnten allein in Berlin bis zu 600 Patientinnen und Patienten in Lebensgefahr geraten, wenn ein Krankenhaus für mehr als zwei Stunden ohne Strom bleibt.
Häufige Ursachen und Folgen von Stromausfällen:
Ein Stromausfall kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden: technisches Versagen, Naturkatastrophen, menschliches Versagen oder gezielte Cyberangriffe. Unabhängig von der Ursache sind die Folgen in einem Krankenhaus dramatisch. Ohne Strom funktionieren Beatmungsgeräte nicht, medizinische Eingriffe müssen abgebrochen werden und die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten wird unterbrochen. Diese Szenarien verdeutlichen die Notwendigkeit einer umfassenden Vorbereitung auf solche Ereignisse.
Planung und Vorbereitung
Krankenhäuser müssen auf alle möglichen Szenarien vorbereitet sein. Dazu gehören detaillierte Notfallpläne, regelmäßige Schulungen des Personals und die Sicherstellung einer zuverlässigen Notstromversorgung. Weiterhin gilt es, vier essenzielle Schritte zur Vorbereitung auf einen Stromausfall zu beachten:
- Risikobewertung und Bedrohungsanalyse
Jedes Krankenhaus sollte eine umfassende Analyse durchführen, um die Risiken eines Stromausfalls zu bewerten. Dabei sind sowohl die Infrastruktur als auch potenzielle externe Bedrohungen wie Naturkatastrophen oder Cyberangriffe zu berücksichtigen. Eine regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung dieser Analysen ist unerlässlich. - Entwicklung von Notfallplänen
Ein detaillierter Notfallplan ist der Schlüssel zur Krisenbewältigung. Dieser Plan sollte klare Handlungsanweisungen für den Umgang mit einem Stromausfall enthalten, Verantwortlichkeiten definieren und Kommunikationswege festlegen. Besonders wichtig ist die Sicherstellung alternativer Stromquellen, um kritische Systeme wie Beatmungsgeräte und OP-Leuchten weiterhin betreiben zu können. - Schulung des Personals
Ein gut geschulter Mitarbeiterstab ist entscheidend, um im Ernstfall schnell und effektiv reagieren zu können. Regelmäßige Schulungen und Übungen bereiten das Personal auf Notfallsituationen vor und erhöhen die Reaktionsfähigkeit. Spielen Sie dabei auch Szenarien durch, bei denen verschiedene Notfallpläne zum Einsatz kommen. - Ausstattung mit Notfallressourcen
Investitionen in Notstromaggregate und Batteriesysteme, die regelmäßig gewartet und getestet werden, sind unverzichtbar, um eine zuverlässige Notstromversorgung zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten ausreichende Vorräte an Treibstoff, Batterien und anderen wichtigen Ressourcen vorhanden sein. Notbeleuchtungssysteme nach DIN EN 60598-1 (VDE 0711-1) und DIN EN 60598-2-22 (VDE 0711-2-22) tragen zur sicheren Evakuierung und Sichtbarkeit bei.
Sofortmaßnahmen bei einem Stromausfall
Im Ernstfall eines Stromausfalls in einem Krankenhaus müssen unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit von Patientinnen und Patienten sowie des Personals zu gewährleisten und den Betrieb so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Hier sind die wichtigsten Schritte im Detail aufgeführt:
- Schnelle Identifikation der Ausfallursache
Durch eine schnelle Überprüfung der Sicherungen und des Zustands der internen Stromversorgungssysteme lässt sich herausfinden, ob der Stromausfall intern oder extern verursacht wurde. Bei externen Ausfällen sollte das Klinikpersonal sofort den lokalen Energieversorger kontaktieren, um Informationen über die Dauer des Ausfalls zu erhalten. - Aktivierung der Notstromversorgung
Krankenhäuser verfügen in der Regel über Notstromaggregate, die innerhalb von Sekunden nach einem Ausfall aktiviert werden. Diese Aggregate versorgen kritische Bereiche wie Intensivstationen, Operationssäle und lebenswichtige Medizingeräte mit Strom. Es ist entscheidend, diese Systeme regelmäßig zu testen und zu warten, damit sie im Ernstfall zuverlässig funktionieren. - Ausschalten nicht benötigter Geräte
Um die Belastung der Notstromversorgung zu minimieren und die Betriebsdauer zu maximieren, sollten alle nicht unbedingt erforderlichen elektrischen Geräte abgeschaltet werden. Dies umfasst Beleuchtung in nicht genutzten Bereichen, Computer und andere elektronische Geräte, die nicht zur unmittelbaren Patientenversorgung beitragen. - Aktivierung von Notbeleuchtungssystemen
Notbeleuchtungssysteme sind essentiell, um sichere Sichtverhältnisse und eine systematische Evakuierung zu gewährleisten. Diese Systeme sollten nach den Normen DIN EN 60598-1 (VDE 0711-1) und DIN EN 60598-2-22 (VDE 0711-2-22) installiert und regelmäßig überprüft werden. - Regelmäßige Kommunikation
Eine kontinuierliche Kommunikation mit dem gesamten Krankenhauspersonal ist ein wichtiger Faktor, um die Kontrolle im Ernstfall zu behalten. Dies kann über interne Kommunikationssysteme oder Handys mit Notstromversorgung erfolgen. Das Personal muss über den aktuellen Stand der Wiederherstellungsmaßnahmen, die Dauer des Ausfalls und alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen Bescheid wissen. - Evakuierungsmaßnahmen
Evakuierungspläne müssen klar definiert und regelmäßig geübt werden. Dabei ist besonders auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten in kritischen Zuständen zu achten, die möglicherweise nicht transportfähig sind. - Überwachung und Sicherstellung der Kraftstoffversorgung
Überprüfen Sie die Kraftstoffvorräte für die Notstromaggregate regelmäßig. Füllen Sie diese gegebenenfalls auf, um eine kontinuierliche Versorgung sicherzustellen. In Absprache mit dem lokalen Energieversorger und Notfallbehörden sollten Sie Pläne für eine verlängerte Notstromversorgung ausarbeiten.
Nachbereitung und kontinuierliche Verbesserung
Nach einem überstandenen Stromausfall ist eine umfassende Nachbereitung erforderlich. Dies umfasst die Bewertung der Wirksamkeit der Notfallpläne und -prozesse sowie die Identifikation von Verbesserungspotenzialen. Detaillierte Analysen und Debriefings mit dem gesamten Team helfen dabei, Schwachstellen zu identifizieren und zukünftige Maßnahmen zu optimieren. Es gilt die Lernpunkte und Best Practices kontinuierlich zu erfassen, um die Reaktionsfähigkeit des Krankenhauses stetig zu verbessern.
Für mehr Informationen kann auch das kostenlose E-Book „Ihr Guide für den Ernstfall: Wie Sie Ihr Unternehmen krisensicher durch den Blackout bringen”, genutzt werden.





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