Georg Thieme Verlag KG

kma im InterviewMit Wegeleitsystemen im Krankenhaus wirtschaftlich planen

Wegeleitsysteme sind eine besondere Herausforderung – gerade in Gesundheitsbauten, in denen nicht nur Patienten, sondern auch Besucher und Mitarbeiter schnelle, klare Orientierung benötigen. Im Gespräch mit kma erläutert Dr. Sylvia Blezinger, Geschäftsführerin des auf Dienstleistungen spezialisierten Unternehmens Blezinger Healthcare, welche Knackpunkte es hier zu beachten gilt. 

Dr. Sylvia Blezinger
Blezinger Healthcare

Dr. Sylvia Blezinger

Was zeichnet ein modernes Wegeleitsystem aus?

Die Anforderungen an ein modernes Wegeleitsystem sind enorm. Die Nutzergruppe ist extrem heterogen. Sie besteht aus Personal, Besuchern, Patienten unterschiedlichster Krankheitsbilder und Herkunft und Alters. Viele davon in angespannter psychischer Verfassung. All diesen Personen soll eine Orientierung im und um das Gebäude möglich sein. Eine moderne Signaletik spiegelt zudem die Identität eines Hauses (Stichwort Corporate Identity) wider. Sie ist hierarchisiert, strukturiert, einfach – und effizient. Ideal ist die Kombination aus Farbe, Schrift, Bild und Ton.

Ein modernes Wegeleitsystem ist wirtschaftlich: Wenn Pflegekräfte eine Stunde pro Tag damit verbringen, Fragen zur Orientierung zu beantworten, ist dies teurer als ein neues, modernes Signaletikkonzept. Es wird idealerweise bereits in der Planungsphase eines Neu- oder Umbaus konzipiert. Die komplexe Gebäudestruktur von Krankenhäusern und Vorschriften für hindernisfreies Bauen und Brandschutz erfordern dies.

Welche neuen Möglichkeiten liefert hier die Digitalisierung, etwa Navigations-Apps für Smartphones?

Digitale Lösungen – als Ergänzung zur konventionellen Signaletik – kommen mit Sicherheit. Die Wegeleitung beginnt ja bereits im Stadtraum. Krankenhäuser setzen bereits QR-Codes auf ihren Einladungs-Schreiben ein, die die Patienten schon im Vorfeld zum richtigen Parkplatz und den richtigen Eingang leiten. Die Indoor-Navigation, die Wegeleitung innerhalb von Gebäuden, ist eine besondere Herausforderung. Das GPS zur aktuellen Standortbestimmung funktioniert ja nur im Freien.

Es gibt zurzeit verschiedene Ansätze: Funkbasiert (WLAN, Bluetooth), Optisch (Vergleich Kamerabild mit gespeicherten Fotos, Visual Light Communication), Akustisch und Sensorbasiert. Noch hat sich nichts davon flächendeckend durchgesetzt. Dass in Kürze jedes Krankenhaus eine eigene App (mit Navigation) anbietet, ist aber nur noch eine Frage der Zeit.

Welche Lösungen bietet die Architektur, um auch den älteren Patienten die Orientierung zu erleichtern?

Gebäude mit intelligenter Architektur sind die Basis einer guten Signaletik. Mit dem Alter nimmt die optische und akustische Wahrnehmung kontinuierlich ab. Die Anzahl kognitiv und in ihrer Bewegung eingeschränkter Personen wird steigen. Geeignete Farben – eher gelb und rot, weniger blau und grün – keine spiegelnden Flächen (keine glänzenden Fußböden oder Schilder!), gute Kontraste und Räume ohne Hall-, Stör- und Nebengeräusche sind essenziell.

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