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ModellstationRollenverteilung zwischen Ärzteschaft und Pflege neu denken

Am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau nimmt eine „Modellstation“ ihre Arbeit auf. Die Mitarbeitenden entwickeln neue interdisziplinäre Rollenkonzepte für die chirurgische Station, die stetig angepasst werden, bis zur Übernahme in den Regelbetrieb ab Januar 2023.

Klinikpersonal
Chinnapong/stock.adobe.com

Symbolfoto

Am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau wird in den kommenden Monaten eine chirurgische Station gänzlich neu strukturiert und organisiert. Das neue Konzept wurde von den Mitarbeitenden selbst entwickelt und soll im Verlauf kontinuierlich angepasst werden und nicht von oben herab oder von extern diktiert werden.

Die Zusammenarbeit aller Mitarbeitenden einer Station völlig neu denken

Der Fokus liegt dabei auf der interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe, synergetischen Tagesabläufen und dem Abbau von Hierarchien hin zu Strukturen, die auf die Bedürfnisse der Belegschaft ausgelegt sind.

An die Stelle der strikten Trennung von ärztlichem Dienst und Pflege treten in der Pilot-Station neue Rollenkonzepte. Ärzt*innen treffen weiterhin die Fachentscheidungen, sie haben aber nicht gleichzeitig eine Führungsposition inne. Die Verantwortung wird in das Team gelegt und nach fachlicher Kompetenz interdisziplinär auf verschiedene Rollen verteilt.

Um sich das notwendige Wissen zum selbstorganisierten Arbeiten anzueignen, werden die Kolleg*innen vor Projektstart in Form einer Basisausbildung gemeinsam vorbereitet. Dabei geht es u.a. um Kommunikation, Entscheidungsfindung u. Konfliktlösung. Ab Januar 2023 wird die „Modellstation“ dann ihre Arbeit mit neuem Konzept im täglichen Regelbetrieb der Klinik aufnehmen.

Überlastung und Frustration vermeiden

Initiator des New Work-Projektes ist Hubertus Schmitz-Winnenthal, Chefarzt der Chirurgischen Klinik, der gemeinsam mit einem interdisziplinären Team bereits in den vergangenen Monaten neue Formen der Zusammenarbeit vorbereitet hat. Die klassische Rollenverteilung zwischen Pflege und Ärzteschaft werde sich verändern, prophezeit er. Hier müssen Rollen innerhalb der Stationsarbeit und -abläufe ganz neu gedacht, gestaltet und gelebt werden.

Gründe für diese Umstrukturierung ist der negative Trend in der Kliniklandschaft, der sich vor allem durch die zusätzlichen Belastungen der Corona-Krise verschärft hat. Die zunehmende Unterbesetzung, Überlastung und aufwendige Dokumentation führen zu Frustration und Unzufriedenheit. Daraus ergeben sich schließlich hohe Krankenstände, Personalfluktuationen bis hin zum kompletten Berufsausstieg.

Die Ressourcen für das bundesweit einmalige Projekt wurden von der Geschäftsführung des Klinikums zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen gibt es auf der Projekt-Webseite. Es werden auch noch Teilnehmende für die Station gesucht.

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