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Wirtschaftsforum VielfaltOhne Diversity keine Zukunft

Im März 2021 fand erstmals das Wirtschaftsforum Vielfalt statt. Die Veranstaltung des Vereins Charta der Vielfalt verdeutlichte, dass Diversity Management in Deutschland mittlerweile als Zukunftsthema betrachtet wird.

Diversity
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Symbolfoto

Mehr als 1600 Akteure aus Politik und Unternehmen nahmen im März 2021 an einem vom Charta der Vielfalt e.V. initiierten Wirtschaftsforum teil. Sie beleuchteten die Bedeutung des Themas für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Neben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz und Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger warben gleich neun Vorstände von führenden Unternehmen für mehr Offenheit und Flexibilität in der Arbeitswelt.

Auch auf europäischer Ebene bekommt Diversity durch den "Europäischen Monat der Vielfalt" einen weiteren Impuls. Im Jahr 2021 steht dabei die ethnische Vielfalt im Mittelpunkt.

Wettbewerbsvorteil und Standortfaktor

"Kein anderes Thema verbindet den gesellschaftlichen Wandel so sehr mit den Fragen der Organisation im Unternehmen, weshalb Diversity in den nächsten zehn Jahren massive Veränderungen auslösen wird", ist die Vorstandsvorsitzende des Vereins Charta der Vielfalt, Ana-Cristina Grohnert überzeugt. Sie wirbt dafür, dass sich Unternehmen auch gesellschaftspolitischen Diskussionen wie zu Rassismus oder Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft aktiv stellen. "Unternehmen dürfen sich nicht Fortschritt zwingen lassen, sondern müssen offensiv und selbstbewusst mit den Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft umzugehen", so Grohnert.

Mittlerweile sei Diversity jedoch nicht mehr nur Wettbewerbsvorteil, sondern Standortfaktor. Die Managerin vergleicht: "Jede Monokultur ist anfällig für die Schwankungen der Umwelt, und nur ein vielfältiges System kann diese aufnehmen und in Produktivität umsetzen".

Innovationsfähigkeit und Resilienz

Angesichts des demografischen Wandels und eines mittelfristigen Rückgangs des Erwerbspersonenpotenzials um rund 16 Millionen Menschen bis 2050 ist die Fachkräftesicherung und eine nachhaltige Personalplanung für Unternehmen branchenübergreifend zum bestimmenden Faktor geworden. Alle stillen Reserven des Arbeitsmarktes auszuschöpfen reicht nicht aus, Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt ist dauerhaft notwendig wird. Damit wird die Zusammensetzung von Belegschaften in Zukunft noch stärker als heute interkulturell divers sein und erfordert stärkere Bemühungen zur Integration.

Betont wurde ebenso die Bedeutung von Diversity für die Innovationsfähigkeit und die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren. Insbesondere die aktuelle Corona-Krise macht dabei deutlich, welche Schlüsselrolle der Digitalisierung zukommt. Im Kontext von Diversity müsse man deshalb verstärkt an der Entwicklung sogenannter "Future Skills" arbeiten und in Weiterbildung investieren. Die Anfälligkeit gegenüber Krisen zu reduzieren, ist nach übereinstimmender Auffassung der Managerinnen und Manager aus den Unternehmen ebenfalls ein unmittelbares Ziel von Diversity Management.

Soziale Herkunft als blinder Fleck

Darüber hinaus sehe sich Diversity Management mehr und mehr als "Übersetzungsdienst gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse im Unternehmen", stellt Ana-Cristina Grohnert fest. Aktuell stelle beispielsweise die Benachteiligung aufgrund sozialer Herkunft einen blinden Flecken in der Organisation vieler Unternehmen dar. "Wir kennen das Problem auf der abstrakten Ebene, aber wir haben noch zu wenig Ansätze in der Praxis, die Benachteiligung abzubauen." Unternehmen verschwenden nach Ansicht von Grohnert dadurch nicht nur die "Potenziale der Individuen", sondern gerieten perspektivisch auch in Legitimationskonflikte.

"Erfreulicherweise erleben wir eine nachwachsende Generation im Management, die für die Beschäftigten wie für sich selbst die Sinnfrage stellt. Klimawandel, neue Technologien, Fairness und gesellschaftliche Verantwortung bilden einen gemeinsamen Hintergrund für ein neues Verständnis von Unternehmensführung. Dazu gehört auch, dass man über das eigene Unternehmen hinausdenkt und sich stärker über Netzwerke und Kooperationen definiert", so Grohnert

Ohne Diversity keine Zukunft

In Deutschland sei dem Thema Diversity in den letzten Jahren der Durchbruch gelungen. "Vor gut zwanzig Jahren hat eine massive Zunahme an Forschung und Fachliteratur eingesetzt. Dieses Wissen ist nun in der Praxis angekommen, und die nachfolgenden Generationen im Management bringen bereits eine ganz andere Basis mit", so Geschäftsführer der Charta der Vielfalt e.V. Stefan Kiefer. "Diversity Management ist deshalb auch keine Modeerscheinung, die wieder verschwinden wird, sondern fundamentales Wissen, das zum Kernbestandteil zukünftiger Unternehmensführung gehören wird", ist Kiefer überzeugt.

"Das Wirtschaftsforum Vielfalt ist zur größten Townhall für Diversity in Deutschland geworden und zeigt, wie riesengroß das Interesse am Thema ist. Ich kann Unternehmen nur raten, das Thema Diversity zur ständigen Priorität zu machen", bilanziert Charta-Vorstandsvorsitzende Ana-Cristina Grohnert und stellt fest: "Diversity ist die Zukunft. Ohne Diversity gibt es hingegen keine Zukunft."

European Diversity Month

Welchen Stellenwert das Thema Diversity auf europäischer Ebene einnimmt, hat nicht nur der Beitrag von EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen beim Wirtschaftsforum Vielfalt verdeutlicht. Ab 4. Mai veranstaltet die EU selbst den " Europäischen Monat der Vielfalt". Im Jahr 2021 steht dabei die ethnische Vielfalt im Vordergrund und thematisiert auch die Diskriminierung und Rassismus in der Arbeitswelt.

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