Studie

Patientenbriefe fördern Gesundheitskompetenz der Patienten

Das Dresdener Start-up "Was hab' ich?" hat heute gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium die Ergebnisse einer dreijährigen Studie zum Praxiseinsatz von Patientenbriefen vorgestellt.

Was hab‘ ich? Patientenbrief

Foto: Was hab‘ ich?

Der Arztbrief ist oft der einzige Kontakt zwischen Krankenhaus und Hausarzt. Der Patient bekommt ihn bei der Entlassung aus dem Krankenhaus mit. Er ist meist in Fachchinesisch verfasst, gespickt mit medizinischen Floskeln und aberwitzigen Abkürzungen. Für „Insider“ mag dieser Fachjargon vielleicht noch verständlich sein, der Patient versteht nur Bahnhof und bleibt dabei oft über seine Diagnose und weitere Behandlung im Unklaren.

Ansgar Jonietz ist Diplom-Informatiker und hat gemeinsam mit zwei Medizinstudierenden „Was hab‘ ich?“ gegründet. Diese mussten während ihres Studiums regelmäßig Freunden und Verwandten deren Diagnosen erklären. Das brachte die drei Freunde 2011 auf die Idee, die Plattform „Was hab ich?“ zu gründen und Patienten dort die Möglichkeit zu bieten, ihre Befunde allgemeinverständlich übersetzen zu lassen.

Und so funktionierte es praktisch

Die Patienten willigen bei der Aufnahme in die Klinik ein, dass sie einen Patientenbrief erhalten: „Ihr Entlassbrief wird dann digital und datenschutzkonform an ‚Was hab’ ich?’ übermittelt – hier übersetzen unsere hauptamtlich angestellten Ärzte den Brief. Dieser wird dann postalisch im Namen der Klinik an den Patienten verschickt“, erklärt Jonietz. Dafür arbeiten derzeit drei Ärzte ehrenamtlich an dem Projekt, wobei „Was hab’ ich?“ beziehungsweise Patientenbriefe.de als Dienstleister für die Kliniken auftritt – der Service ist für die Patienten kostenlos.

Das Klinik-Personal hat keinen Mehraufwand, die Patientenbriefe werden zusätzlich zum Arztbrief erstellt. Jonietz hat eine Vision: „Unser Ziel ist es, einmal alle Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt mit einem Patientenbrief zu versorgen.“ Es sei keineswegsein Projekt für die Schublade und führe zu einer Win-Win-Situation sowohl auf Patienten- wie auch auf Klinikseite.

Projekt Patientenbrief

Nicht überraschend hat eine Nutzerbefragung von „Was hab ich?“ ergeben, dass bei 49 Prozent der Befragten das Entlassungsschreiben nicht erklärt wurde. In den Jahren 2015 bis 2018 hat das Dresdener Start-up daraufhin sein zweites Pilotprojekt gestartet und in Kooperation mit der Paracelsus-Klinik Bad Ems insgesamt 2500 Patientenbriefe erstellt. Von den 1772 im Studienzeitraum versendeten Briefen wurde die Wirkung mit einem Fragbogen evaluiert. 417 Antworten flossen zurück, das entspricht etwa 24 Prozent Rücklaufquote.

Nun liegen die Ergebnisse der Studie vor. Die Ausgangsfrage war, ob eine verständliche, individuelle Gesundheitsinformation nach dem Klinikaufenthalt die Gesundheitskompetenz des Patienten steigern kann. Das Ergebnis vorweggenommen: Der Patientenbrief wirkt. Die Ergebnisse der randomisierten, vom Lehr- und Forschungsbereich Allgemeinmedizin der Technischen Universität Dresden kontrollierten Studie zeigen die Wirkung des Patientenbriefes. Das Wichtigste in Kürze: Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 71 Jahre alt und hatten einen mittelmäßigen bis schlechten Gesundheitszustand.

Patientenbrief führte zu besserem Verständnis

79 Prozent der Teilnehmer erinnerten sich an gar kein oder nur an ein kurzes Entlassgespräch im Krankenhaus. Der Patientenbrief, der von fast allen Patienten und häufig auch von deren Angehörigen gelesen wurde, führte bei diesen zu einem besseren Verständnis der Untersuchungsergebnisse: Sowohl die Indikation als auch die Einnahmevorschriften von Medikamenten wurden besser verstanden. Das kann insgesamt zu einer besseren Therapietreue führen.

Der Patientenbrief ist damit ein wirksames Instrument zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Patienten und kann damit die Lücke zwischen stationärem und ambulanten Gesundheitssektor schließen. Patienten, die einen Patientenbrief erhalten hatten, fühlten sich im Krankenhaus rücksichtsvoller behandelt und bei der Entlassung besser unterstützt. Sie empfohlen die behandelnde Klinik oft weiter.

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