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Sanierungsexperte im InterviewSo überleben Kliniken finanziell schwierige Zeiten



























kma: Welche Konsequenz hat die große Bedeutung des Personals für Ihre Arbeit?

Wichels: Eine enorm große: Ohne die Akzeptanz der Mitarbeiter und deren Vertretung funktioniert keine Sanierung. Und dazu braucht es Transparenz in den Zahlen. Diese Transparenz bildet die Basis für die Diskussionen mit Beschäftigten, deren Vertretungen, dem Träger und auch den Finanzierungspartnern. Transparenz, Klarheit und offene Kommunikation in alle Richtungen ist das Wichtigste. Nur wenn man die Herzen und den Verstand der Mitarbeiter gewinnt, kriegt man das Haus wieder auf Spur – und schließlich auch die langfristige Unterstützung der Träger und Finanzierungspartner. Auch bei einem akuten Liquiditätsengpass gibt es sehr häufig eine hohe Bereitschaft auf Seiten von Trägern und Finanzierungspartnern, die notwendigen Mittel im Rahmen einer Zwischenfinanzierung zur Verfügung zu stellen, sofern das Haus bereit ist, die Sanierungsmaßnahmen konsequent umzusetzen.

kma: Welche Instrumente setzen Sie bei einer Sanierung ein?

Wichels: Die Sanierungsschritte haben unterschiedliche Ebenen. Man muss erst einmal sicherstellen, dass man vorsichtig mit den verfügbaren Mitteln umgeht. Das bedeutet, dass man einerseits beim Personalaufwand auf der Bremse steht und insbesondere den Aufwand für Fremdpersonal minimiert. Andererseits aber auch sicherstellt, dass die erbrachte Leistung ausreichend und auskömmlich ver-gütet wird. Im zweiten Schritt schaut man sich das Leistungsspektrum in der Tiefe an: Manche Be-reiche muss man ausbauen und verstärken, andere reduzieren oder an einen Partner abgeben. Und im dritten Schritt baut man Kooperationen aus: mit den niedergelassenen Ärzten in der Region, mit anderen stationären Leistungserbringern oder auch mit Dienstleistern für Sekundär- und Terti-ärbereiche.

kma: Überleben durch Spezialisierung?

Wichels: Es kommt selten vor, dass ein Grund- und Regelversorger so grundlegend umgebaut wird, dass am Ende ein reines Fachkrankenhaus steht. Sicher gibt es Spezialisierungstendenzen, aber diese bewegen sich meist innerhalb des vorhandenen Spektrums. Letztlich müssen sich alle Versor-gungsformen die Frage stellen, wie Patienten gewonnen werden. Dazu muss ich wissen, wer die wichtigsten Zuweiser und Kooperationspartner sind. Man muss einen problemlosen Zugang für Not-fälle schaffen, egal ob sie ins Haus gelaufen kommen oder per Rettungswagen gebracht werden. Dazu gehört, dass man zu jedem Zeitpunkt über freie Betten- und insbesondere Intensivkapazitäten verfügen muss – auch wenn das vielen Häusern derzeit unrealistisch erscheint. Die Steuerung der-artiger Prozesse und Strukturen sind mittlerweile unerlässlich. Wir sprechen hier von einer Mikro-steuerung der wichtigsten Kapazitäten und Engstellen eines Krankenhauses. Das sind die Faktoren, die ein Haus in der heutigen Zeit erfolgreich machen.




































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