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Sanierungsexperte im InterviewSo überleben Kliniken finanziell schwierige Zeiten

Viele Kliniken stehen vor dem finanziellen Kollaps. Dr. Reinhard Wichels, Experte für Krankenhaussanierung, erklärt die Hintergründe der Misere und zeigt, wie finanziell angeschlagene Kliniken wieder auf die Erfolgsspur kommen.

Dr. Wichels ist Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WMC Healthcare GmbH. Der Arzt, der in großen Krankenhäusern und einer internationalen Unternehmensberatung tätig war, ist auf die Sanierung von Krankenhäusern und Kliniken spezialisiert.
WMC

Dr. Wichels ist Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens WMC Healthcare GmbH. Der Arzt, der in großen Krankenhäusern und einer internationalen Unternehmensberatung tätig war, ist auf die Sanierung von Krankenhäusern und Kliniken spezialisiert.

kma: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der deutschen Krankenhäuser?

Wichels: Für viele Häuser ist es momentan nicht selbstverständlich, dass die verfügbaren freien Finanzmittel in den nächsten Monaten noch ausreichen. Aufgrund der Dringlichkeit des Problems haben wir uns entschlossen, zeitnah eine Konferenz zu dem Thema zu veranstalten. Am 11. Februar 2020 sprechen wir im Rahmen der Fachtagung „ZKNFT Gesundheitsversorgung“ in Berlin die Probleme an und diskutieren Lösungsansätze mit ausgewiesenen Fachexperten.

kma: Warum haben viele Krankenhäuser ein Liquiditätsproblem?

Wichels: Das hängt auf der einen Seite mit der Unterfinanzierung der Krankenhäuser zusammen. Die Länder haben ihre Investitionsfinanzierung über einen Zeitraum von zehn Jahren auf einem konstanten Niveau zwischen 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro gehalten. Die Krankenhäuser haben noch einmal in etwa dieselbe Summe aufgewendet. Das sind dann zwar rund 6 Milliarden Euro insgesamt, aber immer noch ein deutlich zu niedriges Niveau – es müssten eher 10 Milliarden sein. Dabei haben die Krankenhäuser ihren Anteil entweder über ihren Träger oder aus der operativen Marge finanziert. Oder sie haben Kredite aufgenommen. Das passierte in einer Zeit, in der sie noch ein EBITDA von fünf, sechs oder sieben Prozent erwirtschaftet haben und so Zins und Tilgung auch bedienen konnten.

In den vergangenen drei Jahren hat die Gesetzgebung allerdings angezogen, beispielsweise über den Fixkostendegressionsabschlag, so dass die Häuser diese angestrebten Margen nur noch schwer erwirtschaften können. Jetzt müssen diese Kredite aus einem sinkenden Ergebnis bedient werden. Und wir sprechen über ein Volumen zwischen 25 und 30 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten.

kma: Dass Krankenhäuser in die Insolvenz gehen oder geschlossen werden, ist aber nichts Neues.

Wichels: Stimmt. In den vergangenen Jahren gab es jährlich zwischen 15 und 20 Insolvenzen oder Schließungen, in manchen Jahren waren es auch mehr. Wir werden sehen, dass diese Zahlen ansteigen. Wir sehen eine Bugwelle an Häusern, die in den nächsten 12 bis 24 Monaten in Schwierigkeiten geraten.

kma: Was muss in der aktuellen Situation getan werden?

Wichels: Viele Häuser haben im Leistungsangebot stark defizitäre Bereiche, deren Weiterbetrieb das ganze Haus in Frage stellen würde. Hier sind mutige Schritte nötig. Und die Interessenvertretung muss weiter konsequent die Investitionsverpflichtungen der Länder einfordern. Das derzeitige Investitionsniveau reicht nicht, selbst wenn wir in den kommenden Jahren auf eine geringe Anzahl an Krankenhäuser zusteuern. Die Einnahmen der Krankenhäuser aus dem Betrieb sind eben nicht dafür vorgesehen, die Infrastruktur zu finanzieren. Und doch bleibt den Geschäftsführern momentan nichts anderes übrig, wenn sie eine wettbewerbsfähige Infrastruktur vorhalten oder in fortschrittliche Themen wie Digitalisierung investieren wollen.

kma: Angenommen, ein Krankenhaus muss saniert werden. Wie lange dauert das, wie sieht der Fahrplan aus?

Wichels: In der Regel verschaffen wir uns innerhalb von vier Wochen einen Überblick über die aktuelle Situation und die drängendsten Probleme. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate kann man wichtige Bereiche so umgestalten, dass sich eine Wirkung entfaltet und erste Effekte sichtbar werden. Im Laufe des ersten Jahres sollte man dann rund 60 Prozent des Potenzials heben, im zweiten Jahr die restlichen 40 Prozent. In Summe braucht man also rund 18 bis 24 Monate, um die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Im dritten Jahr wird das volle Sanierungsergebnis sichtbar.

kma: Kommt es auch vor, dass Krankenhäuser einfach aufgeben?

Wichels: In der Regel wurden bisher eher wenige Häuser ersatzlos geschlossen. In vielen Fällen werden Bereiche oder Häuser zusammengelegt. Bevor ein Krankenhaus geschlossen wird, versuchen alle Beteiligten, inklusive der politisch Verantwortlichen vor Ort, den Träger zum Weitermachen zu be-wegen. Gerade in ländlichen Gebieten ist das ein sehr emotionales Thema. Wenn in den vergangenen Monaten Häuser tatsächlich geschlossen wurden, dann lag es in den meisten Fällen daran, dass nicht mehr ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stand.























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