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Ärztetag„Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar“

Studentinnen berichten von sexueller Belästigung während des Ärztetags und machen auf strukturelle Probleme aufmerksam. Der Fall wirft Fragen nach Schutz, Aufarbeitung und Konsequenzen in der Branche auf.

Dr. med. Marion Charlotte Renneberg
Nancy Heusel / ÄKN
Dr. Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.

Beim Deutschen Ärztetag in Hannover soll es nach Angaben von Teilnehmerinnen zu sexueller Belästigung gekommen sein. Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen hatte eine Gruppe von Medizinstudierenden am 15. Mai in einer Rede von übergriffigem Verhalten vor Ort berichtet. 

Sie hätten Kommentare über ihr Äußeres, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, über Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen geschildert, so die lokale Kammer.

Die Bundesärztekammer bestätigte die Angaben. „Es ist richtig, dass gestern Medizinstudentinnen auf dem Ärztetag von übergriffigem Verhalten berichtet haben“, teilte die Kammer auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, deren Delegation die Studentinnen angehörten, bestätigte die Geschehnisse.

Studentinnen: Das ist kein Einzelfall

Bereits am 15. Mai hatte das „Deutsche Ärzteblatt“ über die Vorwürfe berichtet und auch die gesamte Erklärung der Studierenden veröffentlicht. Zusätzlich zu den sexuellen Belästigungen berichten die Studierenden darin: „Mit unseren männlichen Kollegen über berufspolitische Themen zu sprechen – mit uns weiblichen über Kinder kriegen und Stillen, ist unangebracht.“

Dem Ärzteblatt zufolge wollten die fünf Studentinnen mit ihrem Vortrag darauf hinweisen, dass es sich um ein „systemisches Problem“ handle. Die von ihnen geschilderten Belästigungen, die „exakt so passiert“ seien, seien keine Einzelfälle. Vom Publikum erhielten die Studentinnen laut „Ärzteblatt“ nach ihrer Rede Applaus.

Laut Bundesärztekammer folgte „eine intensive Debatte auf dem Ärztetag über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen“. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt habe unmissverständlich klargestellt, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt – ob verbal oder körperlich – den Werten des ärztlichen Berufs fundamental widersprechen.

Dem Bericht des „Ärzteblatts“ zufolge hatte Reinhardt während der Veranstaltung den Betroffenen sein tiefes Bedauern ausgesprochen. „Es ist zutiefst verstörend, und wir werden uns daran machen, die Vorfälle aufzuklären“, zitiert ihn die Zeitung.

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Mit „Berufsethos nicht vereinbar“

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich betroffen und entsetzt. „Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht“, sagte sie laut Mitteilung. „Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert. Wir können sexuelle Belästigungen und gar körperliche Übergriffe nicht tolerieren. Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.“

Wir können sexuelle Belästigungen und gar körperliche Übergriffe nicht tolerieren ...

Laut Ärztekammer Niedersachsen sollen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung Kernthema des kommenden Ärztetags 2027 werden. Die Bundesärztekammer kündigte an, dass sich ihr Vorstand der Problematik stelle und klare Compliance-Vorgaben sowie umfassende Schutzkonzepte entwickeln werde.

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