MDK-Kürzungen vermeiden

Verschenktes Geld durch schlechtes Verweildauer-Management

Seit der Einführung der DRG sorgen die Themen Verweildauer und Entlasszeitpunkt von Patienten in Kliniken immer wieder für interne Diskussionen. Die Wichtigkeit wird ganz unterschiedlich betrachtet. Dabei bedeutet ein optimaler Prozess von Verweildauer- und Entlassmanagement bares Geld für eine Klinik.

Medikamentenabgabe

Foto: Fotolia (drubig-photo)

Ganze 16 000 Euro hat eine Klinik mit einem Fall verschenkt: Dieses Geld hat der MDK gekürzt, weil der Patient länger als medizinisch erforderlich in der Klinik lag. Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass dieser Verlust hätte vermieden werden können – durch ein gutes Verweildauer- und Entlassmanagement. Was ist passiert?

Ein 66-jähriger Mann kommt mit einem akuten arteriellen Verschluss des Beines in die Klinik. Während des stationären Aufenthaltes verschlimmert sich der Zustand des Patienten. Da Lebensgefahr besteht, ist eine Oberschenkelamputation erforderlich. Dennoch entwickelt sich eine Blutvergiftung mit Versagen vieler Organe und Wundheilungsstörungen. Durch diese Komplikationen ist er mindestens zwei Monate lang nicht rehafähig. Nach 77 Tagen erklären die Ärzte den Mann für so stabil, dass sie einen Reha-Aufenthalt für möglich erachten. Daher wird der Sozialdienst beauftragt, eine orthopädische Anschlussheilbehandlung zu beantragen.

Früh-Reha statt Anschlussheilbehandlung

Dieser Antrag wird jedoch von der Krankenkasse abgelehnt, weil sie den Patienten noch nicht für rehafähig befindet. Ein Blick in die Akte zeigt, dass für den 66-Jährigen keine orthopädische Anschlussheilbehandlung, sondern eine neurologische Früh-Reha hätte beantragt werden müssen. Neben den bereits erwähnten Diagnosen hat der Patient an seinem noch vorhandenen Bein auch eine Fußheberschwäche. Zudem liegt sein Barthel-Index bei 55 Punkten. Dennoch wird mit einem erweiterten medizinischen Bericht erneut ein Antrag auf eine orthopädische Anschlussheilbehandlung gestellt. Der Patient liegt zu diesem Zeitpunkt bereits 88 Tage im Krankenhaus. Die Krankenkasse lehnt den Reha-Antrag erneut ab, da der Patient aus ihrer Sicht nach wie vor nicht rehafähig ist.

Es wird ein dritter Reha-Antrag gestellt. Dieses Mal wegen einer neurologischen Indikation – aufgrund der Fußheberschwäche und des schlechten Allgemeinzustandes des Patienten. Der Antrag wird bewilligt, allerdings haben nun die Vertragskliniken der Krankenkasse keinen Platz frei. Der Patient liegt jetzt bereits 115 Tage im Krankenhaus und muss bis zu seiner Verlegung noch eine weitere Woche in der Klinik bleiben. Kosten, die die Klinik nicht vergütet bekommt und die vermeidbar gewesen wären, wenn von Beginn an eine medizinisch richtige Bewertung erfolgt wäre. Zeit, die der Patient bereits in einer Rehabilitationsklinik hätte nutzen können.

Zuschlag für 54 Tage nicht gerechtfertigt

Was bedeutet dieser Fall für die Klinik finanziell? Die Klinik hatte rund 200 000 Euro in Rechnung gestellt, zusammengesetzt aus der DRG für die Erkrankungen, vielen Operationen und einem komplizierten Verlauf sowie einem Zuschlag für die Überschreitung der oberen Fallpauschalzeit. Die Krankenkasse hat jedoch den MDK eingeschaltet, damit dieser prüft, ob die lange Verweildauer medizinisch erforderlich war. In diesem Fallbeispiel kommt der MDK zu dem Ergebnis, dass der Zuschlag für die hier 54 zusätzlich berechneten Tage nicht gerechtfertigt war. Eine Verlegung des Patienten wäre nach Einschätzung des MDK durchaus zehn Tage früher möglich gewesen, wenn es in der Klinik keine organisatorischen und kommunikativen Probleme gegeben hätte.

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