Brandschutzexperte im Interview

Was ist beim Brandschutz in Krankenhausaufzügen zu beachten?

Nach seinem Vortrag auf dem 2. FKT-Brandschutztag 2018 stand der Aufzugexperte Hans-Joachim Werner für ein Gespräch über den Brandschutz in Aufzügen zur Verfügung.

Feuerlöscher

piotr chrobot/unsplash

Symbolbild: Feuerlöscher

Was ist beim Brandschutz in Krankenhausaufzügen zu beachten?

Sie benötigen ein Brandfallkonzept, das von einem Brandschutzgutachter erstellt wurde. In diesem Dokument ist festgelegt, wie die Aufzugsanlagen im Brandfall reagieren sollen. Hier gibt es eigentlich nur zwei Lösungen: Bei der statischen Brandfallsteuerung fährt der Aufzug automatisch eine vorgegebene Haltestelle an, von der aus die Personen sich schnell ins Freie bringen können. In der Regel ist dies das Erdgeschoss. Die Alternative ist die dynamische Brandfallsteuerung, bei der nicht das Erdgeschoss, sondern eine andere Haltestelle angefahren wird. Die Brandfallsteuerung ist in diesem Fall mit den Brandmeldern aller Etagen vernetzt, damit die mit Rauch belastete Ebene nicht angefahren wird.

So wie beim Brand auf dem Düsseldorfer Flughafen im Jahr 1996.

Genau. Damals sind die Menschen mit dem Fahrstuhl direkt in das Inferno gefahren. Als sich die Türen öffneten blockierte der Rauch die Lichtschranke, und die Benutzer kamen nicht mehr weg. Damals starben sieben Menschen.

Manche Krankenhäuser haben einen Feuerwehraufzug.

Es handelt sich um Aufzüge, die mit besonderen Maßnahmen für die Feuerwehr brandschutzgesichert sind. Sie sind so ausgelegt, dass die Feuerwehr im Brandfall die Aufzüge nutzen kann. Ob damit Patienten auch evakuiert werden, entscheiden im Einzelfall die Ärzte und die Feuerwehr.

Wann benötigt ein Krankenhaus einen Feuerwehraufzug?

Wenn das Gebäude eine bestimmte Höhe überschreitet oder die Feuerwehr das fordert. Das zuständige Bauamt kann dann den Einbau eines Feuerwehraufzugs verlangen. Sollte es dazu kommen, wird es kompliziert. Dann sollten Sie alle Beteiligten an einen Tisch holen. Ihr wichtigster Ansprechpartner ist der Verantwortliche der Berufsfeuerwehr. Er teilt Ihnen genau mit, welche Anforderungen er hat. Die grundlegenden Anforderungen an einen Feuerwehraufzug sind zwar sehr deutlich in der DIN EN 81-72 geregelt, und es gibt nur wenige Ausnahmen, die mit der Feuerwehr vorher schriftlich geklärt werden müssen. Deshalb ist das Gespräch mit der Feuerwehr vorher sehr wichtig. Es könnte schließlich sein, dass die Feuerwehr noch einige Baumaßnahmen jenseits der DIN EN 81-72 verlangt. Falls Sie dieses Gespräch nicht führen, kann es passieren, dass Sie nachträglich Umbaumaßnahmen vornehmen müssen, weil der Aufzug nicht abgenommen wird.

Eine ältere Aufzugsanlage hat noch keine Brandfallsteuerung. Was ist bei einer Nachrüstung zu beachten?

Dann sollten Sie sich die Aufzugsanlage genauer anschauen. Haben Sie eine aktuelle GBU (Gefährdungsbeurteilung)und was besagt diese GBU? Was ist möglich oder was ist erforderlich, damit in diese Aufzugsanlagen noch das eine oder andere nachgerüstet werden kann, oder sollte man auch auf Grund der Kosten über eine Sanierung nachdenken? Holen Sie sich kein Angebot von der Stange ein, sondern lassen Sie sich von einem Ingenieurbüro beraten, das Erfahrung hat und solche Nachrüstungen schon öfter vorgenommen hat.

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