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30 Jahre, 30 KöpfeVom Public-Health-Student zum „Healthcare Rebell“

Starre Strukturen, wenig Vernetzung und ungenutztes Potenzial: Tobias Krick beschreibt in unserer Jubiläumskolumne seinen Weg ins Gesundheitswesen, warum Sichtbarkeit für ihn ein entscheidender Hebel wurde und weshalb echte Veränderung nur durch Mut entsteht.

Tobias Krick
Inga Sommer
Dr. Tobias Krick ist Gründer von Healthcare iNNK, Keynote Speaker, Podcaster und Berater für CEOs und Gründerinnen im Gesundheitswesen.

Wenn man das Gesundheitswesen einmal mit der Systembrille betrachtet, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Als studierter Gesundheitswissenschaftler war mir schon direkt nach dem Studium klar, dass ich meinen persönlichen Beitrag dazu leisten möchte, dass sich daran etwas verbessert. Doch im Jahr 2018 kannte ich fast niemanden im Gesundheitswesen und noch weniger Menschen kannten mich. Heute bin ich eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Digital Health Ökosystems und als Speaker, Moderator, Podcaster und Mentor für Sichtbarkeit unterwegs. Viele nennen mich den „Healthcare Rebell". Wie ist das passiert?

Es begann in Bremen. Ich studierte Public Health und schaute mir an, wie das Gesundheitswesen funktioniert – oder eben nicht. Was ich sah, hat mich wenig begeistert. Starre Strukturen, fehlende Vernetzung, zu wenig Mut zum Wandel, ein System, das in Silos denkt, wo Zusammenarbeit dringend gebraucht würde. Statt wegzuschauen, dachte ich: Dann muss ich eben dazu beitragen, dass es besser wird. Diese Haltung hat mich seither geprägt. 

Digitalisierung als Potenzial

Während meiner Promotion habe ich mich intensiv mit der Digitalisierung in der Pflege beschäftigt– sieben Jahre lang im, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, geförderten Cluster „Zukunft der Pflege", Seite an Seite mit Hochschulen, Pflegeeinrichtungen und Innovatoren. Ich sah enormes Potenzial in der Digitalisierung. Ich sah aber auch, wie dieses Potenzial ungenutzt blieb – weil die richtigen Akteure nicht miteinander sprachen und weil Innovationen im Bürokratiedschungel versandeten, bevor sie irgendjemanden erreichten, dem sie hätten helfen können.

Also gründete ich Healthcare iNNK – ein Netzwerk, das Startups bei der Vernetzung mit Kliniken, Krankenkassen, Wissenschaft und Investoren unterstützt. Und dann lernte ich etwas, das mich bis heute antreibt und das ich so nicht erwartet hatte: Eine gute Idee reicht nicht. Nicht im Gesundheitswesen. Nicht irgendwo.

Eine gute Idee reicht nicht.

In den ersten Jahren als Gründer wurde ich oft nicht ernst genommen. Die Idee war da, der Antrieb auch – aber niemand kannte mich. Türen blieben zu. Gespräche kamen nicht zustande. Ich saß in Räumen voller relevanter Menschen und war trotzdem unsichtbar. Erst als ich begann, mich zu zeigen – auf LinkedIn, auf Bühnen, im Podcast „Healthcare out-of-the-box", in Fachzeitschriften und Büchern – änderte sich etwas. Auf einmal wurden aus Absagen Gespräche, aus Gesprächen Kooperationen, aus Kooperationen echte Veränderung.

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Sichtbarkeit als Werkzeug

Das hat mich tief geprägt. Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit. Sie ist ein Werkzeug – vielleicht das wichtigste, das Gründerinnen und Gründer im Gesundheitswesen haben. Denn wer nicht gesehen wird, kann nicht wirken. Wer nicht gehört wird, kann das System nicht verändern. Und das Gesundheitswesen hat es bitter nötig, von mutigen, sichtbaren Menschen verändert zu werden. Heute begleite ich CEOs und Gründerinnen dabei, genau das zu tun: eine Personenmarke aufzubauen, die nicht auf Lautstärke setzt, sondern auf Haltung, Expertise und echte Vernetzung.

Wer nicht gesehen wird, kann nicht wirken. Wer nicht gehört wird, kann das System nicht verändern. 

Warum bin ich geblieben? Weil jede Innovation, die es in die Versorgung schafft, echte Leben verbessert. Und weil ich glaube: Als Gesundheitswissenschaftler bin ich so etwas wie ein Arzt für das Gesundheitssystem selbst. Die Diagnose ist längst bekannt. Jetzt geht es ums Heilen.

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